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Lübeck Organisatoren über TW 2019: „Wir haben eine Benchmark gesetzt“
Lokales Lübeck Organisatoren über TW 2019: „Wir haben eine Benchmark gesetzt“
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17:07 29.07.2019
Start der Offshore Double Handed Boote in die erste IDM. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

TW-Geschäftsführer Frank Schärffe und Sportchef Jens Kath sprechen im Interview über den Vergleich zu Kiel, 2019-Probleme und 2020-Pläne sowie den Vorwurf, die Travemünder Woche sei eine niveaulose Fressmeile.

Zehn Tage Travemünder Woche. Das Gros der Aktiven kam mit einem breiten Grinsen vom Wasser. Sie auch?

Jens Kath (TW-Sportchef): Und wie. Wir hatten Traumbedingungen. Da war alles drin. Wenig Wind, viel Wind, wenig Welle, viel Welle – das komplette Spektrum, mit der Seebrise zuletzt sogar anspruchsvoll. Gerade bei den Laser-Kids hatten wir so einen Allround-Meister. Besser geht es doch nicht. Auch, dass 159 von 179 geplanten Wettfahrten gesegelt worden sind.

Fällt die Bilanz an Land auch so aus?

Frank Schärffe (TW-Geschäftsführer): Ja. Auch wenn wir mit dem Unwetter am ersten Samstag Besuchereinbußen hatten. Dafür war es an anderen Tagen brechend voll. Mit dem Landprogramm waren wir sehr zufrieden. Stichwort Qualitätsverbesserung. Da wurden einige Stellschrauben gedreht. Beispiel: Musikprogramm. Kritiker, die populärere Acts wünschen, muss man fragen: Verträgt der Ort das? Beispiel Gastronomie: das Fischrestaurant ,Falkenthal’ aus Grömitz. Top. Wie auch das Familienprogramm im Brügmanngarten.

Aus der Fraktion der Grünen gab es aber den Vorwurf, die TW sei eine niveaulose Fressmeile.

Schärffe: Ich finde den Vorwurf total unfair, zumal, wie sich herausgestellt hat, er total subjektiv ist. Denn die Zahlen sagen etwas anderes. 90 Prozent der Besucher sind zufrieden mit dem Angebot. Das geht aus einer 2017-Umfrage der Hanseschule hervor – mit mehr als 3000 Interviews.

Nervt Sie in dem Zusammenhang, dass die TW immer wieder mit der Kieler Woche verglichen wird?

Schärffe: Und wie. In Kiel sind es zwei Veranstaltungen. Segeln in Schilksee, Party in Kiel. Das wäre so, wenn in Lübeck das Landprogramm stattfinden würde. In Kiel hat die Woche auch einen ganz anderen Stellenwert. Beispiel eins: Die Stadt gibt da zwei Millionen Euro in das Programm und das Segeln. Lübeck gibt 31 000 Euro in den Segelsport. Die Kieler Verwaltung hat sogar ein Kieler-Woche-Referat mit zehn Mitarbeitern.

Lübecks Bürgermeister will sich dem Thema aber annehmen. Oder sind das Sonntagsreden?

Schärffe: Er hat einiges angeschoben, sieht in der TW mehr Potenzial als sein Vorgänger. Der verkaufsoffene Sonntag, der Senatsempfang in Lübeck im Vorfeld der TW und weitere kleine Aktionen sind positive Schritte. Wir sind optimistisch, da passiert noch mehr.

Würde es helfen, wenn die TW eine städtische Veranstaltung wäre?

Schärffe: Da wäre vieles einfacher, gerade in punkto Flächenvergabe, Leistungen öffentlicher Bereiche und Betriebe, wie dem Stadtverkehr, den Fähr- und Entsorgungsbetrieben. Da wäre großes Einsparungspotential. Fakt ist: Wir brauchen aus der Politik einen anderen Support.

Auch vom Stadtverkehr und der Bahn? Züge und Busse waren häufig überfüllt und verspätet.

Schärffe: Es muss da eine höhere Taktung geben, auch mehr Waggons. Wer einmal vor dem überfüllten Zug am Bahnsteig stehenbleibt, kommt nicht wieder. Wir werden da Hinweise weitergeben. Ein TW-Sprinter ist in dem Zusammenhang ein gutes Stichwort.

Was bleibt ist aber das latente Parkplatzproblem . . .

Schärffe: Das Problem ist, dass durch den Bau neuer Hotels viel mehr Gäste da sind, aber ein leistungsfähiges Verkehrskonzept erkenne ich nicht. Das beginnt mit einem vernünftigen Fährverkehr, endet bei Parkplätzen und überfüllten Zügen. Das nervt die Gäste. Eine Alternative wären mehr Parkplätze außerhalb Travemündes und ein Shuttle-System

Und dann wird jetzt auch noch die Travepromenade bebaut . . .

Schärffe: Das geht im Herbst los. Wir haben aber die Zusicherung, dass es von Anfang Juli bis August einen Baustopp gibt. Fest steht: Wir müssen 2020 mit viel Provisorien leben, die Woche wird auf einer Baustelle stattfinden. Aber um es noch einmal klar zu sagen: Wir wollen nichts blockieren, auch wenn es Schmerzen bereitet.

Und dann springt die TW über die Trave auf den Priwall . . .

Schärffe: Nein, wir wollen da keine zweite Meile, eher mit einzelnen Events etwas für die Segler tun.

Auch für die paralympischen?

Kath: Wir wollen eine Bootsklasse mit inklusivem Segeln einbinden, und das schon für 2020. Damit wollen wir auch testen, wie behindertengerecht der Hafen ist.

Hat die TW in diesem Jahr ihr Meisterschaftsprofil gestärkt?

Kath: In jedem Fall, es bleibt unsere Stärke. Das zeigen nicht nur die 14 Meisterschaften, sondern auch die vielen positiven Rückmeldungen der Segler. Und die Offshore-Geschichte war toll. Die IDM der Seesegler und dann noch die der Double-Handed, dazu die guten Meldezahlen – es hat gepasst. Und wo fahren Dickschiffe so einen Langstreckenstart wie bei uns in der Trave? Da haben wir eine Benchmark gesetzt, gezeigt, wie Segelsport funktionieren kann.

Doch es war ziemlich eng am Start.

Kath: Es kam das klare Feedback der Segler, dass es die beste Nummer überhaupt war. Eng am Start geht es draußen auch zu, aber hier war es direkt dran am Publikum.

Von Bundesliga-Chef Oliver Schwall, gab es den Appell, Travemünde müsse XXL denken, zum Beispiel eine LED-Wand auf Ponton in die Trave stellen und Rennen live übertragen.

Kath: Cooler Gedanke, doch er muss finanziert sein.

Zumal das Programm der Übertragungen der Wettbewerbe durch den Partner SAP ohnehin drastisch reduziert wurde . . .

Schärffe: Darüber sind nicht nur wir traurig. Das kam nicht gut an. Viele, wirklich sehr viele Gäste vermissen das. Wir müssen mit SAP besprechen, wohin die Reise geht. Nur: Auch wenn der technische Aufwand kleiner geworden ist, braucht es noch Kommentatoren, Kameraleute und, und, und. Das könnten wir in Eigenregie ohne zusätzliche Mittel nicht leisten.

Wie sehen die Planungen für 2020 auf dem Wasser aus?

Kath: Wir wollen das Seesegeln weiter ausbauen, denken über eine Langstrecke bis an den östlichen Punkt der deutschen Ostseeküste nach. 2020 werden die RS-Klassen drei Weltmeister bei uns küren. Und die Laser tragen wieder ihre IDJM bei uns aus. Wir sind und bleiben das Meisterschaftsrevier.

Jens Kürbis und Lars Fetköter

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