Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ein Neuseeländer fliegt 36.000 Kilometer, um beim Segeln in der Bucht dabei zu sein
Lokales Lübeck Ein Neuseeländer fliegt 36.000 Kilometer, um beim Segeln in der Bucht dabei zu sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:13 25.07.2019
Rasante Gleitmaschine: 87 junge Open-Skiff-Segler sind in die EM gestartet. Quelle: Foto: www.segel-bilder.de
Lübeck.

Travemünde Grünstrand, direkt hinter dem Kiosk. Boote soweit das Auge reicht, kleine mit weißen Segeln, rotem Dreieck und weißem O in der Spitze. Es ist das Travemünder-Woche-Wohnzimmer der Open-Skiff-Familie. Und die wartet auf den Start in ihre Europameisterschaft. Noch hängen die 87 jungen Segler aus sieben Nationen aber in der Warteschleife fest. Kein Wind. Startverschiebung.

„Ragazzi“ erklingt es von links, wo Jungs mit Italia-Schriftzug auf dem Shirt unterm Baum sitzend Scopa spielen. Daneben hängt die französische Trikolore am Mast, flitzen Mädels zwischen Zelten und Wohnmobilen hin und her. „Dobry“ ist von gegenüber zu hören. Polnische Jungs hocken da mit ihrem Trainer. Und mittendrin sechs Lübecker mit ihrer Trainerin Carolina Horlbeck. Mit ihren 16 Jahren könnte sie in der U17-Wertung ebenfalls noch starten, hat sich aber dem olympischen 49er FX verschrieben.

Schneller Gleitrumpf, offenes, selbstlenzendes Cockpit, mit dem sogar das Kentern Spaß macht, dazu ein modernes Design – das ist der Open Skiff, früher Open BIC. Mit profiliertem Schwert und Ruder und modernem Rumpf ist das 2,75 Meter lange Boot „unkaputtbar“. Dass es die Gleitmaschinen auch im Baumarkt zu kaufen gibt, stört die jugendlichen Segler nicht. Für sie bringt es Spaß und Spannung auf dem Wasser. Der Open Skiff ist seit 2013 offizielle Deutsche Jugendklasse im DSV.

 Als Coach ist die WM-Sechste von 2016 ihrem Ex-Boot im Lübecker Yacht-Club aber verbunden geblieben. In ihrem Team sind einige Talente. Da ist Magnus Voß (15), der Ranglistenerste, Niclas Burdon (14) oder Frederic Schüle (13), der bei der EuroChallenge in Polen Platz vier belegte und gleich mal eine Ansage macht: „Ich will hier unter die Top zehn, bin ja auch U14-Ranglistenerster“

Neuestes Teammitglied aus Neuseeland

Und dann kommt Ben Tapper um die Ecke. Er ist ihr neuestes Teammitglied. Ben ist 14, in der Nähe von Auckland zu Hause. Ein Neuseeländer bei der Europameisterschaft. Ein Versehen, auch wenn diese offen ist? „Nein“, erklärt Papa Mark, „wir sind extra wegen der EM hergekommen, fliegen auch danach sofort zurück.“ 18 000 Kilometer für eine Regatta. Hut ab! Denn die Tappers kostet das Travemünde-Intermezzo gut 6000 Euro.

 Der Hintergrund: Während in Deutschland die Kids Toni Kroos werden wollen, hat Ben eine andere Vision: „Ich will Profi-Segler werden. Olympia im 49er, America’s Cup oder Ocean Race – eines von den dreien. “ Neuseeland ist eine Segel-nation. Einer der Top-Drei-Segler im Land ist Ben schon, sein Club auch der Manly Sailing Club, der von Segel-Legende Russell Coutts. Er unterstützt Tapper & Co. auch mit einer Stiftung. Und Papa Tapper erklärt weiter: „Die nächste WM ist 2020 in Sardinien. Für Ben ist es wichtig, dass er andere Gewässer kennenlernt, sich mit den Talenten in Europa misst.“

In Neuseeland beliebt, in Deutschland Nischensport

Für Dan Burdon, Vater von Niclas, ist Tapper Junior einer der Topfavoriten im Feld. „In Neuseeland hat Segeln einen anderen Stellenwert, in Deutschland ist es eher Nischensport“, sagt er. Als Obmann der Klassenvereinigung (KV) weiß er, wie schwer es ist. „Wir haben 70 Segler in der Open-Skiff-KV, davon 30 aktive. Aber wir wachsen.“

Die Lübecker Jungen und Mädchen schwören auf die unkaputtbare Gleitmaschine. „Optimist ist uns zu langweilig“, erklärt Frederic Schüleund legt nach: „Wir batteln uns auf dem Wasser, an Land sind wir Freunde. Wir haben Spaß. Das ist ziemlich cool. Bei den Optis lernt man sich schneller bei Protestverhandlungen kennen“. Und Trainerin „CaroHorlbeck ergänzt: „Deshalb ist es ganz normal, dass wir Ben aus Neuseeland bei uns aufgenommen haben, ich auf dem Wasser auch ein Auge auf ihm habe.“

Tapper auf Platz 4

Und dann ertönt ein Hupsignal. Die Flagge für Startverschiebung verschwindet. Um kurz nach 13 Uhr starten die Open Skiff in die EM. In der Altersklasse U13 nach drei Rennen vorn: Filippo Michelotti aus Italien. Auch bei den U17ern steht „Italia“ mit Manuel Felice ganz oben. Magnus Voß und Frederic Schüle sind als beste Deutsche 15. und 16. „Kiwi“ Tapper ist Vierter.

Die wichtigsten LN-Artikel zur Travemünder Woche

Verfolgen Sie unseren LIVE-Ticker:Unsere Reporter sind zehn Tage lang für Sie vor Ort

Wie gut kennen Sie die TW? Beim Quiz mitmachen und Hansapark-Karten gewinnen!

Ist es wirklich die 130. Travemünder Woche? Ein historischer Rückblick

Abkühlung auf der TW –die schönsten Bilder

So frech sind die Möwen in Travemünde

Wie weit kommt eine Familie mit 50 Euro auf der TW? Wir machen den Test

Rotspon-Cup: Heinold erklärt, wie sie Lindenau geschlagen hat

So fischt das Müllsammel-Schiff „Seekuh“ Plastik aus der Trave

United Four rocken die Festivalbühne

Maultaschen und TW-Tassen – das ist neu auf der Travemünder Woche

Spektakulär: Drohnenbilder vom Gewitter über der Travemünder Woche

Turbulente Langstrecke mit UnwetterDer Segelbericht vom Samstagabend

Seemannsmission lädt zum Gottesdienst – Zu Besuch beim Sea Sunday

Rettungswesten –diese Firma aus dem Norden macht es vor 

Sonnenschein und gute Stimmung –die schönsten Bilder vom Eröffnungsabend

Vorfreude auf die 130. Travemünder Wocheworauf sich die Besucher am meisten freuen

Sie wollen beim Segeln mitreden? Alle TW-Seglerklassen im Überblick

„Heißt Flagge“ – so war die Eröffnung mit Jan Lindenau

Plastikgeschirr und Feuerwerk –so klimafreundlich ist die Travemünder Woche

Parkplätze und Zugfahrplan: So kommen Sie zur Travemünder Woche 2019

Klimanotstand in Lübeck: Gibt es einen Feuerwerks-Stopp zur Travemünder Woche?

130. Travemünder Woche: 1300 Segler aus 15 Nationen am Start

Am 20. und 21. Juli: Rundflüge über Lübeck mit dem Rosinenbomber machen

Buntes Programm zur Travemünder Woche 2019: Workshops, Talk und Live-Musik: Das ist los im Medienzelt

Wir sammeln alle LN-Berichte zur Travemünder Woche (auch der letzten Jahre) auf einer Themenseite

Jens Kürbis

Die tropischen Temperaturen bei der TW bringen Besucher, Helfer und Standbetreiber ins Schwitzen. Wer in die Ostsee springen kann, hat Glück. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich abzukühlen.

25.07.2019

79 Feuerwehrgerätehäuser fördert das Kieler Innenministerium in diesem Jahr mit neun Millionen Euro. In Lübeck kommt kein Cent an, weil die Stadt keine fertigen Planungen vorlegen kann.

24.07.2019

Wismar hat den Möwen den Kampf angesagt. Wer sie im Hafenbereich füttert, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 5000 Euro rechnen. Auch in der Lübecker Bucht gelten vielerorts Fütterungsverbote.

24.07.2019