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Lübeck Erwartungen des Handels nicht erfüllt
Lokales Lübeck Erwartungen des Handels nicht erfüllt
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15:06 23.12.2018
Dichtes Gedränge herrschte am Sonnabend in der Breiten Straße in Lübeck. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck/Kiel

Das Weihnachtsgeschäft ist in diesem Jahr für den Handel in Schleswig-Holstein nicht so gut gelaufen wie zunächst erwartet. „November und Dezember sind die entscheidenden Monate“, sagt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord in Kiel. Der erhoffte Anstieg der Umsätze von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreswert sei ausgeblieben. „Etwa die Hälfte hat das Vorjahresniveau nicht erreicht“, erklärt Böckenholt. Nur ein Drittel der Unternehmen sei zufrieden oder liege auf Vorjahresniveau. Zweistellig zugelegt habe aber der Online-Handel.

Große Unternehmen sind zufriedener

Dabei seien große Unternehmen häufiger zufrieden als kleinere – und Geschäften auf der grünen Wiese gehe es meist besser als solchen in den Innenstädten. Was die Branchen angehe, sei gerade im Bekleidungs- und Schuhbereich die Nachfrage verhalten gewesen. „Das sieht man auch daran, dass Bekleidung teils jetzt schon reduziert ist.“ Nach wie vor im Trend seien als Geschenke zum Fest Schreib- und Spielwaren, Bücher und Unterhaltungselektronik sowie Uhren und Schmuck. Das Geschäft gehe aber zwischen Weihnachten und Neujahr weiter. Dann würden Geldgeschenke und Gutscheine eingelöst.

„Es werden auffällig viele Bücher gekauft“, freut sich Sascha Warnken, Centermanager des Lübecker Citti-Parks. „Trotz der großen Online-Konkurrenz – und obwohl es vor einigen Jahren schon hieß, Bücher hätten keine Zukunft.“ Spielwaren und Multimediaprodukte seien gefragt, ebenso hochwertige Lebensmittel zum Fest. Die Besucherfrequenz liege leicht über dem Vorjahr. „Wir sind zufrieden.“

Erstes Adventswochenende am stärksten

„Heute ist der schwächste Adventssonntag. Die Stadt ist gut gefüllt, aber 90 Prozent wollen Punsch trinken“, sagte Hans Frick, der Lübecker Herrenausstatter, am Sonnabendnachmittag. „Jetzt geht es um die Last-Minute-Geschenke.“ Insgesamt sei das Weihnachtsgeschäft „durchwachsen“ gewesen, bestätigt auch Frick. Lübeck stehe aber etwas besser da als andere Städte.

In der Lübecker Innenstadt sei der Andrang schon am ersten Adventswochenende „erstaunlich gut“ gewesen, hält Olivia Kempke vom Lübeck-Management fest. Dazu habe vermutlich der kostenlose öffentliche Nahverkehr beigetragen, über den sich viele gefreut hätten. „Die Kunden haben ihre gute Laune in die Geschäfte getragen.“ Obwohl viele sich nur orientiert und nicht gleich gekauft hätten, sei der Start verheißungsvoll gewesen. „Das zweite Adventswochenende war dann leider sehr verhalten.“ Dies habe sicher am extrem schlechten Wetter gelegen. Dafür habe das dritte Adventswochenende entschädigt. „Das war vom Umsatz her richtig gut. Die Händler sind weitgehend zufrieden.“ In einigen Branchen sei nun doch mit einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahresniveau zu rechnen, glaubt Kempke.

Auch Marion Wisbar, Geschäftsführerin des MC-Modecentrums in Ratzeburg mit Filialen in Mölln, Lauenburg und Trittau ist zuversichtlich. Zuletzt sei das Geschäft „ziemlich auf Vorjahresniveau“ gelaufen, Tendenz steigend. „Der Hit sind Gutscheine. Aber auch die Klassiker wie Hemd und Krawatte für den Herrn, ein Pulli oder eine Handtasche für die Dame.“

Fußball-Trikots sind gefragt

City-Sport in Bad Oldesloe hat das Vorjahresniveau ebenfalls erreicht. „Viele Kunden suchen traditionelle Geschenke wie Socken, T-Shirts, Sporthosen, Sweat- und Fleecejacken oder Sporttaschen“, gibt Inhaber Marcus Straßburg Auskunft. „Fußball-Accessoires gehen auch sehr gut, Trikots zum Beispiel.“

Schlecht lief es bisher aus Sicht von Mirko Willsch, dem Inhaber von Elektro-Schiebold in Lensahn. „Es kommen kaum Leute.“ Möglicherweise spiele der Internet-Handel dabei eine Rolle. „Weihnachtsbeleuchtung haben wir dieses Jahr gar nicht verkauft, das lief sonst immer.“ Typische Geschenke wie Rasierapparate, Radios und Kaffeemaschinen blieben ebenfalls im Regal.

Weniger Umsatz vermeldet auch Uhren Richter in Bad Segeberg. „Wir sind nicht enttäuscht, wir hatten damit gerechnet“, erklärt Inhaber Alexander Richter. Ein Konkurrenzgeschäft mache seit einiger Zeit Ausverkauf und gebe hohe Rabatte. „Am besten geht bei uns Schmuck, im unteren dreistelligen Preis-Bereich.“ Eine Parfümverkäuferin aus Eutin berichtet: „Das Geschäft konzentriert sich immer mehr auf die letzten Tage vor dem Fest.“ Trotz Aktionen im November steige der Umsatz gegenüber dem Vorjahr erst jetzt an. „Das ist anders als früher, das merkt man.“

Marcus Stöcklin