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Lübeck Turmsanierung: Fleißarbeit an Lübecks Marienkirche
Lokales Lübeck Turmsanierung: Fleißarbeit an Lübecks Marienkirche
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18:33 27.12.2018
Jürgen Rösing (l.) und Andreas Tech von der Bauabteilung des Kirchenkreises planen die Sanierung der Türme von St. Marien. Quelle: John Garve/Agentur 54°
Innenstadt

 Eigentlich schien alles gut mit der „Mutterkirche der Backsteingotik“ – bis zu dem Tag vor rund sechs Jahren, als eine alarmierende E-Mail mit Foto-Anhang im Posteingang bei Marien-Pastor Robert Pfeifer landete. „Ein Besucher auf dem Petri-Turm hatte mit dem Super-Teleobjektiv unsere Türme aufgenommen und zu Hause am Rechner auf den Fotos die Schäden im Mauerwerk entdeckt und wollte uns dies mitteilen“, erinnert sich der Theologe.

Um alles näher in Augenschein nehmen zu können, wird in Folge ein Gerüst aufgebaut. „Als man dann erst mal direkt an dem Objekt dran war, hat man einen Riesenschreck bekommen, wie groß denn dieser fotografierte Riss an der Südseite des Nordturms tatsächlich ist“, weiß Andreas Tech aus der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg zu berichten. Der Experte begleitet die Marien-Kirchengemeinde in baulichen Angelegenheiten, bei Genehmigungsverfahren, im Kontakt mit der Denkmalpflege, bei der Suche nach Gutachtern et cetera.

Risse mit einer Gesamtlänge von 200 Metern

20 Meter nach oben in einer Höhe von 40 Metern zieht sich eine gut zwei Zentimeter breite Mauerspalte den Turm empor, ergibt die Analyse. Doch das ist noch lange nicht alles. Insgesamt entdecken die Fachleute mehrere Risse an den beiden Zwillingstürmen mit einer addierten Gesamtlänge von knapp 200 Metern. „Solche Spalten bilden sich immer spontan; plötzlich entladen sich diese Prozesse durch Feuchtigkeitseintritt und Temperaturschwankungen und lassen die Fugen in dem vier Meter dicken Mauerwerk aufplatzen“, erklärt Bauingenieur Tech.

Zudem fällt den Fachleuten auf, dass circa 200 Eckgranitquader, verteilt über die Turmecken, durch das Eigengewicht des Turmes und der ungenügenden Einbindung zum Ziegelmauerwerk verrutscht sind. „Die müssen wir nun mit langen Edelstahl-Ankern befestigen, um verhindern zu können, dass diese sich weiter herausdrücken“, so Andreas Tech. Und sein Chef Jürgen Rösing, der stellvertretende Leiter der Bauabteilung, ergänzt: „Dazu muss ein Meter tief ins Mauerwerk reingebohrt werden, und das bei trockenen Bedingungen. Pro Quader wird dies wohl einen halben Tag in Anspruch nehmen, also um und bei 100 Arbeitstage.“

Die Sache mit den Rissen – als zweite Sanierungsmaßnahme an den beiden Marientürmen – werde sich danach noch aufwendiger gestalten, so Rösing. So soll als Schritt eins im Rissbereich das Mauerwerk jeweils auf einer Breite von einem Meter 60 Zentimeter tief geöffnet werden, um es schließlich mit Backsteinen aufmauern und mit einem speziell angefertigten Hochbrandgipsmörtel wieder verfugen zu können. „Wir gehen dabei von unten nach oben. Das ist eine Fleißarbeit“, sagt Jürgen Rösing.

Risse im Mauerwerk

Allerdings wird das Team der Kirchenbauhütte dieses Vorgehen nur auf den wetterabgewandten und den damit nicht so feuchtigkeitsgepeinigten Turmseiten wählen. „Auf der jeweiligen Westseite des Nord- und Südturms machen wir das anders“, erläutert Andreas Tech. Dort verbleibt nach dem Wiederaufmauern mit den Backsteinen eine „Sollbruchstelle“ in Form einer Fuge, die mit einer speziell entwickelten Kautschukmasse verschlossen wird. „Denn dieses verträgt sich mit dem historischen Gipsmörtel, ist aber elastisch, falls das exponierte Mauerwerk auch nach der Sanierung weiterarbeiten sollte“, liefert er die Erklärung.

Im nächsten Frühjahr soll es jedenfalls losgehen, und im Laufe des folgenden Jahres 2020 hofft die Gemeinde, dass die Türme wieder zukunftsfit sind. „Überraschungen kann es während der Sanierung aber immer geben; durch unsere jahrelangen, intensiven Voruntersuchungen haben wir sie jedoch minimiert“, sagt Jürgen Rösing. Die Finanzierung in Höhe von geschätzt einer Million Euro erfolgt durch Kirchensteuermittel des Kirchenkreises und durch angefragte Unterstützung von Lübecker Stiftungen. Circa ein Drittel der Kosten trägt die Mariengemeinde selbst. Und wenn dann alles fertig ist, sind regelmäßige Drohnenflüge zur Kontrolle geplant, damit nicht erst wieder ein Foto eines Kirchenfans alle aufschrecken lässt.

St. Marien

Die Kirche St. Marien ist eine der drei größten Kirchen Deutschlands und wurde von 1277 bis 1351 erbaut. Sie gilt als „Mutterkirche der Backsteingotik“, weil sie Vorbild für 70 weitere Kirchen im Ostseeraum wurde und gehört zum Unesco-Welterbe der Lübecker Altstadt. In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 brannte die Kirche durch einen Bombenangriff vollständig aus. Der Wiederaufbau begann kurz nach Kriegsende und war 1959 abgeschlossen. Diese Tatkraft der Lübecker, die auch die anderen Innenstadtkirchen unter großen Kraftanstrengungen wiederaufbauten, zeigt die große Verbundenheit zu ihrer Hansestadt. Und, dass Lübeck ohne die Sieben Türme nicht dieselbe Stadt wäre.

Michael Hollinde

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