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Lübeck EU-Diskussion im Lübecker Audimax: Proteste gegen die AfD
Lokales Lübeck EU-Diskussion im Lübecker Audimax: Proteste gegen die AfD
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10:58 16.05.2019
Der AfD-Kandidat Julian Flak hatte vor 600 Studierenden einen schweren Stand. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Die Stimmung war hitzig: Aktivisten der Antifa protestierten bei der Veranstaltung „Politik und Popcorn“ zur Europawahl gegen den Auftritt des AfD-Kandidaten Julian Flak. Einige stürmten mit einem Transparent die Bühne, verstreuten Konfetti, bespritzten Flak, ließen Luftballons zerplatzen und brüllten den Bewerber nieder. Der Ordnungsdienst schritt ein und geleitete einige Aktivisten nach draußen.

Als die Veranstaltung begann, stürmten Aktivisten die Bühne. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Moderator Peter Heinlein erinnerte daran, dass die AfD demokratisch gewählt sei. „Hitler wurde auch demokratisch gewählt“, rief ein Zuhörer. Heinlein: „Demokratie heißt, andere Meinungen aushalten zu können.“ Daraufhin ertönte aus dem Publikum die Parole „Kein Recht auf Nazi-Propaganda“. Erst als Moderator Heinlein den Saal darüber abstimmen ließ, ob die Veranstaltung abgebrochen oder fortgeführt werden sollte, herrschte Ruhe. Die Antifa war deutlich in der Minderheit.

Uni-Präsidentin Gabriele Gillessen-Kaesbach betonte, wie wichtig Europa für die Hochschulen sei, und bekannte sich: „Ich bin eine überzeugte Europäerin.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Uni-Präsidentin Gabriele Gillessen-Kaesbach hatte sich eine „respektvolle Diskussion“ gewünscht. Angesichts von 600 Studierenden im Audimax sagte die Präsidentin: „Das Interesse an Europa scheint riesengroß zu sein.“

Vor dem Audimax der Universität gab es Proteste gegen den Auftritt eines Kandidaten der AfD zur Europawahl. Quelle: Wolfgang Maxwitat

 Kandidaten von sechs Parteien hatten die Studierenden eingeladen. SPD, CDU, Grüne, FDP und AfD schickten Bewerber für das EU-Parlament. Marianne Kolter von den Linken hatte zeitgleich eine Veranstaltung in Kiel und wurde vom Lübecker Kreisvorsitzenden Sebastian Kai Ising vertreten.

Sebastian Kai Ising (Linke): „Wir wollen ein Europa für Millionen, nicht für Millionäre.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Der machte seine Sache gut – bei einer Abstimmung zum Schluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung erzielte die Linke bei den Studierenden zwölf Prozent. Sollte das Ergebnis aus dem Lübecker Audimax auch nur halbwegs repräsentativ sein, sieht es für die Volksparteien SPD und CDU düster aus. Beide landeten bei den Nachwuchs-Akademikern deutlich unter zehn Prozent. Nur die AfD schnitt hier noch schlechter ab.

Helmer Krane (FDP): „Die EU tritt auf der Stelle.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Grünen holten bei den Studierenden eine satte Mehrheit, lagen vor der Diskussion bei 55 und danach bei knapp 50 Prozent. Die FDP startete bei fünf und landete am Ende der Veranstaltung bei zwölf Prozent, was Kandidat Helmer Krane sichtbar stolz zur Kenntnis nahm.

Rasmus Andresen (Grüne): „Wir müssen europaweit aus der Kohle aussteigen.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Für die Bewerber der sechs Parteien war der Abend eine Herausforderung. Unter der souveränen Leitung von Moderator Heinlein prasselten die Fragen auf die Politiker. Sie reichten von Homöopathie und Klimapolitik über das Verhältnis der EU zu Russland bis zu Seenotrettung und paritätischer Besetzung von Parlamenten und Unternehmensvorständen.

Lars Kuhlmann (CDU): „Wenn der ländliche Raum abgehängt wird, wählt er ein bisschen komisch.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Bei der zukünftigen Agrarpolitik der EU gab es viele Übereinstimmungen. Lars Kuhlmann (CDU), selbst Landwirt: „Das Prämiensystem muss umgestellt werden. Blühstreifen und Abstände zu Gewässern müssen besser honoriert werden.“ Julian Flak (AfD): „Die EU muss die Agrarsubventionen zurückfahren. Die jetzige Agrarpolitik schadet dem afrikanischen Kontinent.“ Rasmus Andresen (Grüne): „Agrarsubventionen müssen nach den Kriterien Umwelt- und Tierschutz verteilt werden.“

Enrico Kreft (SPD): „125 Millionen Menschen in Europa leben in Armut, das müssen wir ändern.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die ganz große Einigkeit herrschte bei der Frage, wie die EU mit der Türkei umgehen sollte. Gegen eine EU-Mitgliedschafts Ankaras sprachen sich alle aus. Sebastian Kai Ising (Linke) erinnerte aber an „den Ablasshandel der Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan“, um Flüchtlinge fernzuhalten.

Julian Flak (AfD): „Klimapolitik darf nicht zu Lasten der sozial Schwachen gehen.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Differenzen bestanden bei der Klimapolitik. Enrico Kreft (SPD) und Rasmus Andresen (Grüne) wollen eine CO2-Steuer und den europaweiten Kohleausstieg, während Helmer Krane (FDP) für einen Zertifikatehandel warb. Krane sieht auch den „Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor“ kritisch, den Andresen forderte.

André Seidel von der Studierendengruppe „Politik & Popcorn“: „Eine Generation, die kein Interesse an Politik hat? Ihr beweist das Gegenteil.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Veranstaltung endete mit einem wichtigen Signal. Fast alle der 600 Studierenden im Audimax wollen wählen gehen – 98 Prozent.

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