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Lübeck Der Hindenburgplatz in Lübeck heißt jetzt wieder Republikplatz
Lokales Lübeck Der Hindenburgplatz in Lübeck heißt jetzt wieder Republikplatz
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18:34 14.08.2019
Historischer Moment: Peter Giering vom Bereich Stadtgrün und Verkehr hat das Namensschild mit Hindenburgplatz entfernt und das neue Namensschild mit Republikplatz angebracht. Quelle: Lutz Roeßler
St. Gertrud

Ein paar Handgriffe und die Mitarbeiter von Stadtgrün und Verkehr haben ein neues Kapitel in der Geschichte der Hansestadt aufgeschlagen. Der Hindenburgplatz heißt jetzt wieder Republikplatz. Die Schilder wurden ausgetauscht. Auf einer Informationstafel in der Rathenaustraße erklärt die Stadt die Gründe für die Umbenennung.

Eine lange und kontroverse Debatte

Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) erinnerte bei einem kleinen Festakt mit Anwohnern, Historikern und Politikern an eine „lange und kontroverse Diskussion“ um die Umbenennung von Straßen und Plätzen. Sechs Jahre lang tagte eine Arbeitsgruppe, die sich am Ende nicht auf eine Empfehlung einigen konnte. Erst am 31. Januar dieses Jahres entschied die Bürgerschaft mehrheitlich, dass der Hindenburgplatz einen anderen Namen bekommen soll. Am 4. März dieses Jahres legte sich Bauausschuss dann auf den Namen Republikplatz fest – einstimmig.

Das sagen Anwohner

Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD): „Das war ein zu langer Weg.“ Andere Städte wären viel schneller zu einer Umbenennung gekommen, sagte die Stadtpräsidentin und erinnerte an die Widerstände von Anwohnern in Schlutup, als der damalige Quandtplatz umbenannt wurde. „Wir hätten hier schon vor fünf Jahren stehen können“, erklärte Ragnar Lüttke (Linke), „es war an vielen Stellen ein schmerzhafter Prozess.“

Zwei weitere Umbenennungen stehen an

Lübeck schließt mit seiner dunklen Vergangenheit ab“, sagte Antje Jansen (GAL), „wir müssen über weitere Straßen nachdenken.“ Klar ist bereits, dass auch der Lenardweg und die Pfitznerstraße neue Namen bekommen. „Die Anwohner haben Vorschläge für neue Namen eingereicht“, erklärte Bausenatorin Hagen, „die werden von der Verwaltung dem Bauausschuss zugeleitet.“ Wann die Umbenennung stattfindet, stehe noch nicht fest.

Rückblick. Am 19. März 1933 begann ein Umzug bei der alten Kaserne in der Fackenburger Allee zu allen Straßen und Plätzen, die von den Nazis umbenannt werden sollten. „Angeführt wurde der Umzug von Lübecker NSDAP-Größen“, heißt es in einem Bericht der Stadtverwaltung, „hinter ihnen folgten die Polizei, die SS und SA, die Zollbeamten, die Kriegervereine und andere vaterländische Verbände und der Stahlhelm.“

Hindenburg kein Ehrenbürger mehr

Die Bürgerschafthat Ende Januar dieses Jahres nicht nur die Umbenennung des Hindenburgplatzes beschlossen, Sie wollte auch, dass die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg geprüft wird. Am 1. Oktober 1917 hatte der Senat der Hansestadt anlässlich des 70. Geburtstages von Hindenburg die Verleihung beschlossen und per Telegramm mitgeteilt. Am 4. Mai 1919 bedankte sich Hindenburg, dem in mehr als 3800 Städten und Gemeinden die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.

Die Stadtverwaltung stellte fest, dass es einer förmlichen Aberkennung durch die Bürgerschaft nicht mehr bedarf. „Demnach ist festzuhalten, dass aus rechtlicher Sicht die Ehrenbürgerwürde von Hindenburg bereits mit dessen Tod am 2. August 1934 erloschen ist“, heißt es in einem Bericht der Verwaltung.

Am 20. Juni 1946 hatte die Bürgerschaft vier Nationalsozialisten die Ehrenbürgerwürde förmlich aberkannt – Adolf Hitler, Wilhelm Frick, Alfred Rosenberg und Hermann Göring, die alle vier 1937 Ehrenbürger wurden.

Am 17. März 1933 hatte der nationalsozialistische Senat die ersten Umbenennungen beschlossen. Der Republikplatz, der 1922 dem Kaiser-Friedrich-Platz (seit 1898) folgte, war der erste Platz. „An zweiter Stelle verzeichnet das Protokoll eine Straßenbenennung nach Hitler – heute Mühlentorplatz, vorher ohne Namen“, heißt es im Bericht der Verwaltung, „schließlich wurden mit dem Friedrich-Ebert-Platz – heute Lindenplatz – und der Rathenaustraße zwei Namen getilgt, die herausragenden Politikern der Weimarer Republik gewidmet gewesen waren.“

Anwohner: Bürokratischer Aufwand hält sich in Grenzen

„Mir war es immer etwas peinlich, am Hindenburgplatz zu wohnen“, sagte Anwohner Jens-Uwe Runge, der vor zehn Jahren hierher gezogen ist. Auch Hansjörg Schell, ebenfalls Anwohner des neuen Republikplatzes, findet die Diskussion richtig. Den bürokratischen Aufwand für die Anwohner bewertet Schell als leistbar. „Man geht einmal auf das Amt, um den Ausweis zu ändern“, sagte der Anwohner, „vieles kann man mit ein paar Mails erledigen. Das nehme ich gerne in Kauf.“

Karl-Heinz Haase, früher Politiker der Grünen, hat sich jahrelang für die Umbenennung eingesetzt. „Was lange währt, wird endlich gut“, erklärte Haase, der mit seinem Engagement „einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten wollte.“ Haase hätte statt Republikplatz lieber den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker verewigt. Überhaupt geisterten immer wieder einmal Vorschläge für die Umbenennung durch die Gegend – mal sollte die Fläche zwischen Travemünder Allee und Stadtpark nach Helmut Kohl und dann wieder nach Helmut Schmidt benannt werden.

„Eine Gesellschaft muss überprüfen dürfen, was sie bewahrt und woran sie sich erinnert“, sagte Bausenatorin Hagen. Die künftigen Generationen dürften es in dieser Frage in Lübeck einfacher haben. Denn neue Straßen in der Hansestadt würden Haselnussweg oder Wildrosenring heißen. Hagen: „Solche Namen sind unverfänglich.“

Von Kai Dordowsky

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