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Lübeck Firma Scheel ist bereit für einen „Tag der offenen Tür“
Lokales Lübeck Firma Scheel ist bereit für einen „Tag der offenen Tür“
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15:52 21.08.2019
Auf dem Gelände des Materialaufbereitungszentrums in Travemünde wird Bauschutt gebrochen und aufbereitet. Quelle: Archiv
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Lübeck

Premiere im Umweltausschuss der Bürgerschaft: Zum ersten Mal redeten alle Beteiligten miteinander und nicht übereinander. Marc Scheel, Inhaber der Firma mit der umstrittenen Aufbereitungsanlage MAZ, Wolfgang Adomeit von einer Bürgerinitiative, Martin Rüter und Martina Hermes von der Landesbehörde LLUR, Dirk Gerdes und Ralph Bruns von der KWL sowie die Kommunalpolitiker diskutierten im nüchternen Saal des Verwaltungszentrums über die Zukunft der Anlage.

Hinsen: Es gibt ein Grundmisstrauen in der Bevölkerung

Die Debatte endete mit einer Überraschung. Als Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) einen „Tag der offenen Tür“ vorschlug, damit die Firma etwas gegen das „Grundmisstrauen in der Bevölkerung“ unternehmen könne, sagte Firmenchef Marc Scheel sofort zu: „Wir haben kein Problem damit, den Bürgern die Anlage zu zeigen. Wir haben nichts zu verbergen, sind jederzeit dazu bereit.“

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Marc Scheel, Chef der gleichnamigen Firma, betreibt das MAZ in Travemünde. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Scheel stellte klar, „dass unser Unternehmen nie gegen die Auflagen verstoßen hat und dass wir immer die Miete an die KWL gezahlt haben – auch in den zwei Jahren, in denen wir das MAZ nicht betreiben durften."

Lahmgelegt wurde die Anlage durch Anwohner, die sich über Lärm und Staub beschwerten und Widersprüche gegen die vom LLUR erteilte Betriebsgenehmigung einlegten. Die Widersprüche wurden inzwischen zurückgewiesen. Es gibt aber neue Auflagen für das MAZ. Die Betriebszeiten für bestimmte Anlagenteile wurden eingeschränkt. Material darf nur noch gebrochen werden, wenn eine Befeuchtungsanlage in Betrieb ist. Die Fachleute der Landesbehörde waren am Dienstag auf der Anlage. Ihr Fazit: Alle Auflagen zu Lärm und Staub werden eingehalten.

Dirk Gerdes, Chef der KWL, streitet mit der Firma Scheel über den Pachtvertrag für das MAZ. Quelle: HFR/Olaf Malzahn

Die Firma kann jetzt Material aufbereiten, aber kein neues annehmen. Denn die Bürgerschaft hatte die KWL aufgefordert, den Pachtvertrag mit dem Unternehmen für das Betriebsgelände nicht zu verlängern. Das hat die KWL gemacht – und nun gibt es einen Rechtsstreit vor dem Landgericht Lübeck. „Es laufen zwei Klagen der Firma“, berichtete KWL-Chef Gerdes, "im Hauptsacheverfahren geht es um das Pachtverhältnis und in einem Eilverfahren um eine einstweilige Verfügung, dass kein Material mehr angeliefert werden darf.“ Die juristische Klärung findet im September und November statt.

Behörde: Zulässige Lagermengen werden eingehalten

Wolfgang Adomeit von der Interessengemeinschaft Pöppendorf kritisierte, dass seines Wissens immer noch deutlich mehr Material auf der Anlage lagere, als die Genehmigung es erlaube. Dem widersprachen die Vertreter des LLUR. Es habe in der Vergangenheit Verstöße gegeben, sagte Martin Rüter, „aber jetzt werden die 43 000 Tonnen eingehalten“. Den Jahresumschlag bezifferte Rüter mit 185 000 Tonnen.

Aus Sicht des Unternehmens schadet sich Lübeck mit dem ganzen Verfahren. Scheel: „Wir sind seit über 50 Jahren in Lübeck, wir haben 80 Arbeitsplätze – und es gibt im Lübecker Raum keine weitere solche Anlage.“ Für die Aufbereitung von Bauschutt müssten jetzt weite Wege zurückgelegt werden, die Baukosten würden dadurch steigen.

Die Umweltpolitiker wollen, dass die Verwaltung eine „engere Überwachung des MAZ mit dem Land klärt und mit eigenen Leuten ein Auge auf die Anlage wirft“. Von einem „Tag der offenen Tür“ sind alle angetan.

Von Kai Dordowsky

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