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Lübeck Umweltzone umstritten: Was bringt das für Lübecks Altstadt?
Lokales Lübeck Umweltzone umstritten: Was bringt das für Lübecks Altstadt?
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01:00 01.09.2011
Weniger Abgase – wie hier in der Mengstraße – durch eine Umweltzone? Foto: Maxwitat Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Vor drei Jahren, bei der ersten Debatte, stimmten die LN-Leser mit großer Mehrheit für eine Umweltzone in der Altstadt. 61,9 Prozent von 698 Lesern sprachen sich in einer nicht-repräsentativen online-Befragung für die Aussperrung der Dreckschleudern aus. Jetzt greift die frisch gekürte Bürgermeisterkandidatin der CDU das Thema wieder auf. „Wieso gibt es eine solche Umweltzone nicht schon?“, wundert sich Alexandra Dinges-Dierig. Darauf gibt es zwei Antworten: Die Umweltzone ist schwer umstritten. Und die Umsetzung stößt auf gesetzliche Hürden.

Wirtschaft und Einzelhandel lehnen Fahrverbote für die City ab. „Einer kaum spürbaren Luftverbesserung stehen ein erheblicher Verwaltungsaufwand für die Überwachung und die erforderlichen Ausnahmen für Bewohner sowie eine unverhältnismäßige Einschränkung für den Straßenverkehr gegenüber“, erklärt Rüdiger Schacht von der IHK zu Lübeck. Auch Nicolaus Lange von der Kaufmannschaft lehnt die grüne Plakette ab: „Ich würde lieber über eine Reduzierung des Parksuchverkehrs nachdenken.“ Um den Rentner mit dem zehn Jahre alten Golf II macht sich Hans Frick, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Nordost, Sorgen. Rentner würden sich kein neues Auto kaufen, sondern die Stadt meiden. Die CDU-Kandidatin plant mit mehrjährigen Übergangsfristen, um Bürger und Betriebe nicht zu überfordern. Die Kreishandwerkerschaft sieht keine Probleme. Kreishandwerksmeister Hans Falkenhagen: „Die Wagen der Handwerker haben meistens schon eine grüne Plakette und die Kfz-Innung profitiert durch den Verkauf der Umweltplakette.“

Dinges-Dierig will mit der Umweltzone die Bausubstanz in der Altstadt schützen. Kommentar von den Experten der „Bürgerinitiative Rettet Lübeck“: „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Umweltzone nichts bringt“, sagt Jörg Sellerbeck. Die Häuser litten vielmehr unter dem sauren Regen und den Abgasen der Schornsteine. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) warnt vor wahlkampfbedingten Schnellschüssen: „Wir haben eine sehr ausgefeilte, mit der Wirtschaft im Detail immer wieder abgestimmte Befahrensregel für die Altstadt.“

Aber es gibt auch viel Zustimmung aus der Politik. „Die Umweltzone ist eine gute Idee“, erklärt Burkhart Eymer, Umweltexperte der CDU: „Dinges-Dierig will die Innenstadt besser erschließen und zugleich den Schaden der Abgasbelastung begrenzen.“ Thorsten Fürter (Grüne), Mitbewerber um den Chefsessel im Rathaus, begrüßt den Vorstoß. „Die Grünen werden diesen Vorschlag aufgreifen und noch in diesem Monat in die Bürgerschaft einbringen.“

Die SPD hält die Umweltzone für Quatsch. Ulrich Pluschkell, Verkehrsexperte der SPD: „Wir haben das vor Jahren untersucht und festgestellt, dass es für die Altstadt auf Grund der Messdaten nicht sinnvoll ist.“ Tatsächlich sanken die gemessenen Werte bei Stickstoffdioxid von 46 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft 2004 auf 38 im vergangenen Jahr. Der Grenzwert liegt bei 40. Bei Feinstaub unterschreitet die Altstadt den Grenzwert noch mehr. Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums müssen diese Grenzwerte überschritten werden, um eine Umweltzone einzurichten.

Kai Dordowsky, Julia Konerding und Josephine v

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