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Lübeck Unbekannte zerstören 60 Plakate der eurokritischen AfD
Lokales Lübeck Unbekannte zerstören 60 Plakate der eurokritischen AfD
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11:26 26.11.2013
Thomas Thomsen, einer der beiden Vorstandssprecher der AfD, zeigt zwei der geschädigten Plakate. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Schock für den Stadtverband der Alternative für Deutschland (AfD): In der Nacht zu Montag haben Unbekannte 60 von 240 Wahlplakaten des noch jungen Stadtverbandes zerstört oder entwendet. Thomas Thomsen, einer der beiden Vorstandssprecher: „30 Plakate wurden gestohlen, 20 landeten in Vorgärten, und zehn wurden zerstört.“ Den Materialschaden schätzt Thomsen auf 250 Euro — der Schaden für die Motivation ist höher. „Unsere Mitglieder sind frustriert, wir werden erst einmal keine weiteren Plakate aufstellen.“

Die AfD hat den Anschlag auf ihre Werbeträger bei der Polizei angezeigt. Thomsen vermutet eine gezielte Aktion. Der stellvertretende Landessprecher der AfD, Matthias Piskatschek-Wahl, spricht von „faschistischen Methoden“, mit denen die eurokritische Partei mundtot gemacht werden solle. Piskatschek-Wahl: „Das ist Linksfaschismus.“ Der Landespolitiker verweist auf bundesweite Aktionen von Antifa und Grüner Jugend gegen die Eurokritiker. In Göttingen rief die Grüne Jugend zu Aktionen gegen die AfD auf. Ein Wahlkampfstand der Euroskeptiker in Göttingen konnte nur unter Polizeischutz aufgestellt werden. 60 Beamte mussten den Stand schützen. In Duderstadt wurden Plakate zerstört, in Geismar ein Gasthaus mit Farbe beschmiert, weil dort ein AfD-Stammtisch stattfinden sollte. In Nürnberg wurde der AfD-Bundestagskandidat Marcel Claus in der Fußgängerzone von einem unbekannten Mann angegriffen und niedergeschlagen. In Berlin wurde ein mit AfD-Plakaten beladener Lastwagen mit Steinen beworfen. Auch in Ahrensburg seien einige Plakate beschädigt worden, berichtet der stellvertretende Landessprecher Piskatschek-Wahl.

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In Kiel griffen gestern nach Angaben des dortigen AfD-Kreisverbandes vier Männer aus der linken Szene einen Infostand an. „Einer der Männer rief Scheiß-Nationalisten“, berichtet der Kieler Sprecher Arne Stanneck, „unser Infostand wurde völlig zerstört.“ Die Attacke auf die AfD in Lübeck hat nach Einschätzung der Polizei eine Dimension, „die es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben hat“.

Diebstähle und Sachbeschädigungen von Werbeträgern der Parteien kämen immer wieder vor, aber nicht in diesem Umfang. Andere Parteien melden folgerichtig nur kleine oder keine Schäden. Bei der SPD sind im Kreisbüro noch keine Meldungen aufgelaufen. Die CDU weiß von Schmierereien in der Friedhofsallee und einem Diebstahl in Teutendorf.

Die systematische Einschüchterung von AfDlern wird nach Erkenntnissen des stellvertretenden Landessprechers in den sozialen Netzwerken organisiert. Die Grüne Jugend Lübeck allerdings distanziert sich von solchen Aktionen. Sprecher Simon Thiessen: „Von uns gibt es weder Aufrufe noch Aktionen.“ Es gebe bessere Methoden, um seine Ansichten zu vertreten, sagt Thiessen. Die Grüne Jugend Lübeck ist mit einer Handvoll Mitstreiter allerdings auch nicht besonders groß.

Der AfD-Stadtverband Lübeck braucht jede Hand, um den Wahlkampf zu betreiben. „Unsere Mitglieder haben das ganze Wochenende geschuftet“, berichtet Vorstandssprecher Thomsen. Von Freitag bis Sonntagabend wurden die Stellschilder beklebt, ausgefahren und befestigt. Die AfD hat vor allem an den großen Ausfallstraßen Travemünder Allee, Ratzeburger Allee oder Fackenburger Allee plakatiert.

Thomsen: „In der Hafenstraße haben wir fünf Stück in Reihe aufgestellt — alle sind weg.“ Der Stadtverband will seine Werbung jetzt auf Flyer und Anzeigen in Zeitungen konzentrieren.

„Wir finanzieren unseren gesamten Wahlkampf aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen“, erklärt Landespolitiker Piskatschek-Wahl. Im Gegensatz zum Lübecker Stadtverband will der Landesverband weiterhin auf der Straße Präsenz zeigen. Der stellvertretende Landessprecher und Wahlkampf-Organisator: „Wir lassen uns den Mund nicht verbieten.“ Die AfD fordert, dass Polizei und Justiz den Taten mit aller Härte begegnet.

CDU braucht Geld
Mit den Einladungen zum Wahlkampf-Auftritt von Angela Merkel in Lübeck (morgen, 17 Uhr, Markt) hat die CDU Lübeck die Bitte um Spenden verschickt. Der zweite Wahlkampf in diesem Jahr sei eine finanzielle Herausforderung, schreibt Kreisvorsitzende Anette Röttger, „auch dieser Wahlkampf muss sich aus Spenden finanzieren“. 20 000 Euro hat die CDU an Kosten veranschlagt. Der Kreisverband hat 80 000 Euro Schulden, 50 000 stammen aus der Schwarzgeld-Affäre von Helmut Kohl. Der Auftritt von Merkel kostet die lübsche CDU aber nichts.

Kai Dordowsky