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Lübeck Videoaufnahmen vom A1-Unfall zeigen: Autofahrer wendeten in der Rettungsgasse
Lokales Lübeck Videoaufnahmen vom A1-Unfall zeigen: Autofahrer wendeten in der Rettungsgasse
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17:13 16.05.2019
Unfall auf A1: Autos wenden in Rettungsgasse – das zeigt ein Video. Quelle: Norbert Lehmkuhl/Screenshot
Lübeck

Die Empörung ist groß: Autofahrer haben in der Rettungsgasse gewendet, um nicht länger im Stau zu stehen. Passiert ist das auf der Autobahn A 1 kurz vor Lübeck, bei dem schweren Unfall mit zwei Lastwagen am Dienstag. Dabei wurden ein Mensch schwer verletzt, zwei weitere leicht.

Transporter dreht in der Rettungsgasse

Gefilmt hat das Wenden in der Rettungsgasse ein Autofahrer, der im Stau stand. Die Videos sind auf Facebook zu sehen. Eines zeigt einen gelben DHL-Transporter, der umdreht und durch die Gasse zwischen den Autos hindurch fährt. Auf der Straße laufen dabei Menschen, die ihre Autos verlassen haben. Zu sehen ist außerdem, dass auch ein weiterer Wagen dreht und der Transporter abbremsen muss.

ADAC kritisiert Rettungsgassen-Sünder

„Solche Leute gehören von der Straße geholt“, macht ADAC-Sprecher Ulf Evert klar. „Jeder der das macht, gefährdet das Leben andere Menschen.“ Die Rettungsgasse auf der Autobahn ist reserviert für die Wagen der Notärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten, die so schnell wie möglich zu den Unfallopfern müssen.

Wenn ihnen dabei ein Autofahrer mitten auf der Autobahn entgegenkommt, wird die Rettung der Verletzen verzögert – und zudem werden weitere Menschen gefährdet. Die Autofahrer selbst und die Retter. Der Grund für das Drehen auf der Autobahn war offenbar, dass die Fahrer nicht länger im Stau warten wollten.

Bei einem Unfall auf der Autobahn 1 ist ein Lkw auf einen anderen Laster aufgefahren.

Autofahrer pöbeln Filmer an

„Ich glaub es nicht – jetzt drehen die hier auf der Autobahn, die Idioten“, ist auf einem der Videos zu hören. Die Stimme gehört Norbert Lehmkuhl. Er hat einige der Videos gedreht, als er selbst im Stau stand. „Sind die bescheuert? Wie im Wilden Westen“, sagt er darauf im Hintergrund. Der 53-Jährige war am Dienstag unterwegs von Reinfeld nach Lübeck – eine Strecke von 20 Kilometern. Dafür hat er dreieinhalb bis vier Stunden gebraucht.

Um 10.25 Uhr stand der Geschäftsmann im Stau. Nach einer bis anderthalb Stunden wendeten die ersten Autofahrer ihren Wagen. Sie fuhren zurück zum Autobahnkreuz Lübeck-Süd. Er hat das Ganze gedreht, „weil ich erschrocken war“, sagt Lehmkuhl. Er habe auch einige angesprochen – und sei dafür angepöbelt worden. Er solle sich um seine eigenen Sachen kümmern. Das ist noch die freundliche Version.

Video mehr als 23.000 Mal geteilt

Anschließend hat Lehmkuhl die Videos auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. „Ich wollte mahnen und zeigen, wie die Menschen sich auf Autobahnen verhalten.“ Darunter finden sich mehr als 2300 Kommentare, die Videos wurden mehr als 23 300 Mal geteilt und damit weiter verbreitet. Das Entsetzen bei den meisten ist groß. Aber Lehmkuhl wird auch angefeindet. „Ich wurde bedroht.“ Nach dem Motto: Wir kommen bei dir vorbei. Denn bei den wendenden Autos sind die Kennzeichen zu erkennen. Aber Lehmkuhl steht dazu. Der Polizei hat er seine Videos ebenfalls gegeben. „Die haben gesagt, ich habe alles richtig gemacht.“ Auf den Videoaufnahmen, die den Lübecker Nachrichten vorliegen, sind die Kennzeichen nicht zu erkennen.

Das ist die Strafe fürs Wenden auf der Autobahn

Wer erwischt wird beim Wenden in der Rettungsgasse, bekommt eine Strafe: Er muss den Führerschein für vier Wochen abgeben, erhält zwei Punkte beim Kraftfahrt-Bundesamt und muss 200 Euro zahlen. Das erklärt die Polizei auf Nachfrage.

Für ADAC-Sprecher Ulf Evert ist das zu wenig. „Da wird verhindert, dass Leute das Leben anderer Menschen retten.“ Formal gilt das Wenden in der Rettungsgasse als Ordnungswidrigkeit.

Allerdings: Wer beim Wenden in der Rettungsgasse einen Beinahe-Unfall verursacht, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und oder eine Geldstrafe. Denn das ist ein Straftatbestand, bei dem „Leib und Leben gefährdet“ werden.

Jetzt prüfen die Beamten die Aufnahmen. Denn es sind etliche Filme aufgetaucht – manche auch bei der Polizei in Kiel und Göttingen. „Wir haben aber festgestellt, dass es sich immer wieder um die selben vier Videos handelt, die offenbar geteilt wurden“, sagt Sprecher Stefan Muhtz. „Wir müssen wissen, wann die Videos genau entstanden sind.“ Denn die Polizei hat am Dienstag auch selbst Autofahrer umgeleitet, als der Stau mehrere Stunden dauerte. Dafür mussten die Wagen drehen und zum Autobahnkreuz zurückfahren – gegen die Fahrtrichtung.

Polizei prüft die Videos

Die Polizei will sicher gehen, dass es nicht diese Aktion war, die gefilmt wurde. Das ist jedoch unwahrscheinlich. „Bei uns sind zahlreiche Hinweise zu Verkehrsteilnehmern eingegangen, die offenbar ohne Weisung von Polizeibeamten im Stau auf der Autobahn 1 wendeten“, bestätigt Muhtz. Für Lehmkuhl steht das außer Frage. „Ich war einer der ersten, die von der Polizei umgeleitet wurden“, so Lehmkuhl. Gefilmt habe er vorher. Zudem ist auf den Videos kein Polizist zu sehen, der den Verkehr lenkt. Es macht alles einen improvisierten, ungeordneten Eindruck. So sind beispielsweise Menschen zu Fuß zwischen den Autos unterwegs.

Die Polizei bittet, dass weitere Hinweise oder Videos an das Hinweisportal der Landespolizei unter dem Stichwort „Rettungsgasse“ unter www.sh.hinweisportal.de gesendet werden.

Josephine von Zastrow

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