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Lübeck Ungetrübtes Badevergnügen trotz Algen
Lokales Lübeck Ungetrübtes Badevergnügen trotz Algen
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11:38 25.07.2018
Sophie Theuerkauff (v. l.), ihre Freundin Mia-Sophie Pries und Bruder Paul Theuerkauff genießen im Freibad Marli die Sonne. Quelle: Fotos: Neelsen (3), Binder
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Lübeck

Es ist kurz vor 12 Uhr am Mittag an der Wakenitz, die Sonne steht hoch am Himmel – und die Hitze wird fast unerträglich. Petra Hübner vom gleichnamigen Bootsverleih an der Moltkebrücke reicht einer Großmutter, die zusammen mit ihrer Enkelin eine kleine Bootstour auf der Wakenitz machen möchte, zwei Paddel. Es gibt eine kurze Einweisung, dann geht es los.

Seit Wochen schon ist es ungewohnt heiß in der Hansestadt – perfekte Bedingungen für das Wachstum von Algen und anderen Wasserpflanzen, die bei Wassertemperaturen um die 24 Grad nur so um die Wette wuchern. Die Badegäste lassen sich davon nicht stören: Sie genießen die Abkühlung.

„Die Verkrautung, die wir hier haben, ist eine Katastrophe“, ereifert sich Hübner. Normalerweise gehe es damit erst Ende Juli los, doch da es bereits seit April fast durchgehend warm sei in Lübeck, seien dieses Jahr bereits Ende Mai grüne Pflanzenteppiche in der Wakenitz gewachsen. „Tag für Tag muss der Bereich, in dem unsere Boote liegen, von den Wasserpflanzen befreit werden“, berichtet sie weiter. Das allein sei anstrengend. Viel schlimmer aber sei, dass sich die großblättrigen Pflanzen in den Motoren der Elektroboote verfingen. In Ufernähe zu fahren, sollte daher möglichst vermieden werden. „Da müssen die Gäste unterwegs dann schon auch mal selbst Hand anlegen und den Motor von den Pflanzen befreien.“

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Badegäste, die eine erfrischende Abkühlung suchen, lassen sich davon aber nicht abschrecken: „Ich finde es immer noch sehr viel angenehmer, hier in der Wakenitz zu schwimmen, als in der Ostsee. Da stinkt es mittlerweile ganz furchtbar. Aber hier an der Moltkebrücke habe ich keinerlei Bedenken“, sagt Christopher Berner.

Wie er sehen es auch die meisten Besucher der Naturschwimmbäder in Lübeck. „Natürlich hätte ich Bedenken, meine Tochter in Gewässern schwimmen zu lassen, sollte es dort Blaualgen geben – das ist ja aber jetzt nicht der Fall“, sagt Olaf Riemann, der vor dem Besuch im Naturbad Marli immer auch die Wasserqualität kontrolliert. Sven Theuerkauff, Vater zweier Kinder, sieht das ähnlich: „Die Gewässer in Deutschland, auch hier im Naturbad Marli, werden ja ständig kontrolliert. Daher mache ich mir keine Sorgen. Sollte hier etwas nicht in Ordnung sein, würden die das Freibad sicherlich schließen oder anderweitige Maßnahmen ergreifen, um die Besucher zu schützen.“

Und damit liegt er richtig: „Regelmäßig alle zwei Wochen nimmt das Umweltamt eine Wasserprobe an den Badestellen und kontrolliert es auf seine Qualität“, so Andreas Pawlowski, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Naturbäder Lübeck. Von Kolibakterien über Keimbelastung und das Vorkommen von Blaualgen wird alles genauestens dokumentiert. Bis gestern gab es keinerlei Beanstandungen.

Was aber sind die Gründe für die sich explosionsartig vermehrenden Wasserpflanzen? „Die Ursache für die starke Entwicklung der Wasserpflanzen hängt mit der Wärme sowie einem geringen Sauerstoffgehalt im Wasser zusammen“, erklärt Ralf Steinhagen, Betriebsleiter des Naturschwimmbads Marli. Auch wenn es in diesem Jahr mehr Grünalgen gäbe als üblich: „Die beseitigen wir weitgehend, so dass unsere Badegäste davon kaum etwas mitbekommen.“

Und um welche Pflanzen handelt es sich? Größtenteils kämen Armleuchtergewächse und die sogenannte Wasserpest, eine krautartige Pflanze, vor, so Steinhagen. Aber auch Hornkraut, Tausendblatt und Krebsschere könnten sich in den Pflanzenteppichen befinden. „Für die Schwimmer ist das nicht weiter tragisch. Höchstens für die Bootsvermieter stellen die Pflanzenteppiche ein Handicap dar“, sagt Steinhagen.

Keine Grenzüberschreitungen

Baden ist in Schleswig-Holstein auch bei den hohen Wassertemperaturen aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen für die allermeisten Menschen weiterhin unbedenklich. Es gebe keine Grenzwertüberschreitungen, so dass ein unbeschwertes Baden bei sehr guter Wasserqualität möglich ist, teilte das Gesundheitsministerium gestern mit.

Die 339 Badestellen im Land werden regelmäßig von den Gesundheitsbehörden überwacht und beprobt. Bisher wurden dem Ministerium für die Küstengewässer anders als in Mecklenburg-Vorpommern (Foto bei Lubmin) keine Beeinträchtigungen durch Algen gemeldet. Bei Wassertemperaturen ab 20 Grad können in der Ostsee Vibrionen-Bakterien aktiviert werden. Erkrankungen in dem Zusammenhang wurden dem Institut für Infektionsmedizin bisher nicht gemeldet.

Menschen mit geschwächtem Immunsystem durch HIV oder Diabetes und chronisch Kranke mit offenen Wunden sollten aber grundsätzlich auf ein Bad in warmem Ostsee-Wasser verzichten.

Josephine Andreoli

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