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Lübeck 72 Prozent der Medieninformatiker brechen ab
Lokales Lübeck 72 Prozent der Medieninformatiker brechen ab
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06:00 10.06.2019
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind Studienfächer, in denen die Abbrecherquoten höher sind als in anderen Disziplinen. Quelle: Felix König
Lübeck

Hartmut Richter, Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck, hat vor kurzem alarmierende Abbrecherquoten an der Uni Lübeck öffentlich gemacht. Laut Richter brechen 47 Prozent der Erstsemester ihr Studium ab, während es bundesweit 37 Prozent sind. Bei den Medieninformatikern geben sogar 72 Prozent vorzeitig auf. Präses Richter: „Da haben viele wohl bei der Einschreibung das Wort Informatik überlesen.“

Präses Hartmut Richter machte auf einer Mitgliederversammlung der Kaufmannschaft die Abbrecherquoten der Uni öffentlich. Quelle: Kai Dordowsky

Die Uni bestätigt die Zahlen. Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach kündigt an, dass Thema zur Chefsache zu machen. „Bei diesen Abbrecherzahlen sehen wir dringenden Handlungsbedarf“, erklärt die Präsidentin. „Um ihrem Bildungsauftrag nachzukommen, müssen sich Hochschulen stärker als in der Vergangenheit an der Herstellung, Förderung und Erhaltung der Studierfähigkeit ihrer Studierenden beteiligen.“

Uni-Präsidentin Prof. Gillessen-Kaesbach erklärt die Abbrecherquoten zur Chefsache. Quelle: Lutz Roeßler

Bildungspolitische Herausforderung

Studienabbruch stellt vor dem Hintergrund der nachhaltigen Fachkräftesicherung für den Innovationsstandort Deutschland eine große bildungspolitische Herausforderung dar. Gillessen-Kaesbach: „Dies bleibt nicht ohne Einfluss auf unser Bildungswesen, auf die Weisen und Strukturen, in denen wir Bildung vermitteln.“

Bei der Ursachenforschung kommt die Uni zu ähnlichen Annahmen wie die Kaufmannschaft. Die Präsidentin: „Mögliche Ursachen für die hohen Abbrecherquoten sehen wir insbesondere in nicht zutreffenden Annahmen über die Inhalte und Anforderungen vor Studienbeginn.“

Experten für Mensch-Computer-Systeme

Laut Uni werden Medieninformatiker als „Experten für Mensch-Computer-Systeme und interaktive Medien“ ausgebildet. Die Vorlesungen befassen sich mit Informatik, Mathematik, Programmierung von Computersystemen und Psychologie. Als mögliche Berufsfelder nennt die Uni Softwarefirmen, Beratungsunternehmen, Verlage, Agenturen, Industrie und Marketingabteilungen.

Dass die Lübecker Uni auch insgesamt höhere Abbrecherquoten als im Bundesdurchschnitt aufweist, führt die Präsidentin auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt zurück. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hätten auch an anderen Universitäten hohe Abbrecherquoten.

Verschiedene Maßnahmen vorstellbar

Um die Abbrecherquoten zu senken, hat die Universität verschiedene Maßnahmen ergriffen. Im Rahmen der Schülerakademie und des jährlichen Schnuppertages soll noch mehr über die Studiengänge aufgeklärt werden. Um angehende Studierende auf den akademischen Alltag besser vorzubereiten, gibt es beispielsweise Mathematik-Vorbereitungskurse. Geplant ist, die Unterstützungsangebote, die seit 2016 für Migranten gelten, auch Studierenden ohne Migrationshintergrund anzubieten. Gillessen-Kaesbach: „Diese Maßnahme liegt uns derzeit besonders am Herzen.“

Messe für Studienabbrecher?

Auch die Kaufmannschaft zu Lübeck belässt es nicht bei der Feststellung der alarmierenden Abbrecherquoten. Sie will eine „Studienabbrechermesse“ entwickeln. Christian Diemer, Geschäftsführer der Kaufmannschaft: „ Wir stellen uns ein Modell wie die bekannte und erfolgreiche Nord Job, angepasst auf diese Zielgruppe, vor.“

Kai Dordowsky

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