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Lübeck Sie bringen Psychologie in die Klassenräume
Lokales Lübeck Sie bringen Psychologie in die Klassenräume
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17:20 26.11.2019
Die Psychologiestudierenden Miriam van der Linde und Janis Macdonald diskutieren mit (v. l.) Kenny, Philipp, Emma und Ildem über die Symptome von Angst. Quelle: 54° / John Garve
Lübeck

„Umgang mit Gefühlen“ ist an das Whiteboard projiziert. Für die Klasse 8 c der Ernestinenschule gibt es an diesem Vormittag eine ganz besondere Unterrichtseinheit. Vier Studierende der Lübecker Universität sind im Raum 9 im ersten Obergeschoss zu Gast, um einen Workshop mit den Schülerinnen und Schülern zu gestalten.

Das Motto: „Es wagen, sich einzusetzen“

„Welche Gefühle kennt ihr? Zählt sie mal auf“, wendet sich Adrian Felske an die Runde der 13- bis 15-Jährigen. Der 22-jährige Student der Psychologie gehört zum mittlerweile 50-köpfigen Team von „Dare to care“ – frei übersetzt: „Es wagen, sich einzusetzen.“ Und das Wagnis, offen über Gefühle zu sprechen, gehen sie in den rund viereinhalb Stunden – Pausen inbegriffen wohl gemerkt – an diesem Vormittag ein.

Psychologiestudent Adrian Felske: „Ich habe den Kontakt zur Ernestinenschule hergestellt, weil ich hier selbst Abitur gemacht habe.“ Quelle: 54° / John Garve

Denn: „Das sind hier Leute, denen man mehr anvertraut als seinen Lehrern, die man jeden Tag in der Schule wiedersieht“, sagt zum Beispiel der 14-jährige Philipp. Und die 13-jährige Ildem ergänzt: „Es ist ganz locker hier. Da redet man auch gerne über solche Dinge.“ Emma, 13 Jahre alt, merkt noch an: „Es macht auch Spaß, weil man so einbezogen wird.“

Die studentische Initiative aus der Hansestadt, die jüngst mit dem Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung 2019 ausgezeichnet wurde, bietet zwei Themenkomplexe an: Erstens „Soziale Verantwortung“ und damit einhergehend Aufklärung über unter anderem Phänomene wie Cybermobbing und Extremismus, und zweitens „Psychische Gesundheit“, was das Reden über psychische Leiden wie zum Beispiel Depressionen und Borderline sowie das Vermitteln von Präventionsstrategien beinhaltet.

Das Aha-Erlebnis in der Vorlesung

Helene Wittek, die im sechsten Bachelorsemester studiert und mit zwei Kommilitoninnen die Initiative gegründet hat, hatte vor rund einem Jahr die Idee für das ehrenamtliche Engagement. „Ich saß in einer Sozialpsychologie-Vorlesung, in der als Thema Autoritätshörigkeit und das sogenannte Milgram-Experiment behandelt wurden“, erinnert sich die 24-Jährige an ihr Aha-Erlebnis.

„Dare to care“-Gründerin Helene Wittek von der Uni Lübeck: „Wichtige Themen der Psychologie gehören schon in die Schule." Quelle: UzL

„Und ich konnte es kaum fassen, von Milgram zum ersten Mal gehört zu haben. Solche Themen müssen schon frühzeitig in der Schule zur Sprache kommen“, ist sie überzeugt. Zur Erklärung: Der US-amerikanische Psychologe Stanley Milgram zeigte 1961, wie leicht man Menschen dazu bringen kann, andere zu quälen und zu töten.

„Wir können die junge Generation nicht umfassend vor den Problemen der Zukunft schützen. Aber wir können eins tun: Jungen Menschen die Fähigkeit vermitteln, eigenverantwortlich zu denken und so reflektiert mit Herausforderungen jeder Art umzugehen. Egal ob das persönliche Belastungen sind oder komplexe globale Vorgänge wie die Digitalisierung“, postuliert die junge Frau.

„Dare to care“-Workshops in vier Uni-Städten

„Dare to care“ wächst und wächst. Aktuell werden Workshops in Lübeck, Berlin, Hamburg und Würzburg von über 50 Psychologiestudierenden angeboten. Und mit dem so eben gewonnenen Preisgeld sollen über 50 weitere Workshops im laufenden Schuljahr durchgeführt werden, wodurch mehr als 1000 weitere Schüler von dem Angebot profitieren können.

Religionslehrerin Silke Bruch: „Das Angebot von ,Dare to care’ ist eine sehr wichtige Ergänzung zu unserer Präventionsarbeit an der Schule.“ Quelle: 54° / John Garve

Zusätzlich ist geplant, mit dem Preisgeld digitale Formate zu entwickeln, um noch mehr junge Menschen für psychische Gesundheit zu sensibilisieren und gegen Stigmata zu kämpfen.

„Zusammen mit der Fachschaft Religion mache ich schon viel Präventionsarbeit an unserer Schule“, betont die Klassenlehrerin der 8 c, Silke Bruch, „in Richtung Suchtprävention sowie bei den Themenfeldern Ernährung und Geschlechterfragen.“

Das Angebot von „Dare to care“ sei nun eine sehr wichtige Ergänzung – gerade in den höheren Klassen, betont die Pädagogin. Insgesamt habe man das Ziel, dass alle achten und neunten Klassen jeweils beide Workshops absolvieren. „Denn sie sind oft durch das Internet vollgestopft mit Informationen, die sie nicht filtern können“, weiß Silke Bruch.

„Und bisher habe ich von fast allen Schülerinnen und Schülern gehört, dass es für sie ganz wichtig ist, ohne Lehrkräfte, ohne Eltern auf Augenhöhe mit jungen Menschen über solche Dinge sprechen zu können“, so ihr erstes Resümee. Wenn dann noch als Feedback „Das Seminar ist wunderbar“ – ausgesprochen von dem 15-jährigen Kenny – kommt, ist man wohl als Schule und Initiative auf dem richtigen Weg.

Das steckt hinter dem Arbeitgeberpreis

Zum 20. Jubiläum des Deutschen Arbeitgeberpreises für Bildung ging die Auszeichnung an vier Bildungseinrichtungen und -initiativen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) prämiert damit auf dem Deutschen Arbeitgebertag herausragende Leistungen in der Bildungsarbeit.

Die Auszeichnung wird jeweils in den vier Kategorien frühkindliche, schulische, berufliche und hochschulische Bildung vergeben, und sie ist mit je 10 000 Euro dotiert. Das Ausschreibungsthema 2019 lautete: „Persönlichkeit gefragt! Bildung, die Werte vermittelt und für Demokratie begeistert“.

Die Preisträger 2019 sind:

Kategorie Hochschulische Bildung – Dare To Care, Studierendeninitiative der Uni Lübeck;

Kategorie Frühkindliche Bildung – Kindertagesstätte Pöppenteich, Detmold (NRW);

Kategorie Schulische Bildung –Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen (Bayern);

Kategorie Berufliche Bildung –Karl-Volkmar-Stoy-Schule Jena (Thüringen).

Von Michael Hollinde

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