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Lübeck Uni-Medizin sieht Reform gelassen entgegen
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21:10 31.03.2017
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St. Jürgen

Uni-Professor Jürgen Westermann ist als sehr reformfreudig bekannt. Der Chef-Anatom und Studiengangsleiter Medizin feilt immer wieder gern am Curriculum, also an der Studienordnung, um den Medizin- Studierenden eine noch bessere Lehre – an ihren Bedürfnissen orientiert – auf dem Campus anzubieten. Dass dies auch gelingt, ist am wiederholten Erfolg der Uni im Ranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) abzulesen.

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Das historische Turmgebäude ist das bauliche Wahrzeichen der Universität zu Lübeck. Quelle: Foto: Lutz Roessler

„Deshalb finde ich das Bestreben eines Masterplans 2020 zum Medizinstudium, der gerade bruchstückhaft in Berlin veröffentlicht wurde, grundsätzlich gut. Allerdings ist die ganze Sache leider sehr intransparent, so dass die genauen Details nur einer sehr kleinen Expertengruppe vertraut sind“, betont der Arzt. Der Masterplan beinhaltet, so weit bekannt, seiner Meinung nach aber viele sinnvolle Punkte, etwa die Kompetenzorientierung der Ausbildung oder die frühe Verknüpfung theoretischer und klinischer Lehrinhalte über den gesamten Verlauf des Studiums.

Vieles davon werde jedoch auch bereits an den Fakultäten in unterschiedlicher Form umgesetzt. In Lübeck beispielsweise werde vom ersten bis zum zwölften Semester ein großes Gewicht auf das Erlernen einer werthaltigen und verständlichen Arzt-Patienten-Kommunikation gelegt. „Und die Absicht, das Fach Allgemeinmedizin an den Hochschulen zu stärken, ist begrüßenswert, für uns aber nicht neu“, erläutert Westermann. So wurde bereits vor drei Jahren Prof. Jost Steinhäuser auf die Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin berufen.

Auch beim Thema Zulassungsverfahren und Numerus clausus ist die Universität zu Lübeck bereits vor etlichen Jahren vorgeprescht. So werden rund 120 der jährlich knapp 190 Medizin-Erstsemester durch persönliche Auswahlgespräche herausgefiltert. „Wir würden am liebsten alle durch so ein Verfahren lotsen, denn für mich ist der NC nach wie vor eine Pest“, stellt Westermann klar. Denn die Abiturnote sage etwas zur Leistungsfähigkeit, aber nichts zur Persönlichkeit aus.

Was den Studiengangsleiter weiterhin am Vorhaben des Masterplans 2020 irritiert, ist das fehlende belastbare Finanzierungskonzept von Bund und Ländern. „Das bemängelt auch der Medizinische Fakultätentag“, sagt Westermann. „Und so lange die Finanzierungsfrage nicht geklärt ist, wird es auch keine Verabschiedung und Umsetzung des Plans geben.“

mho

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