Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Lübeck Wegen Corona: Weniger Lübecker gehen zur Darmkrebsvorsorge
Lokales Lübeck

Uni-Mediziner: Weniger Lübecker gehen zur Darmkrebsvorsorge - aus Angst vor Corona

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 18.03.2021
Bei 36 Prozent der Vorsorge-Spiegelungen werden Vorstufen von Darmkrebs entdeckt. Diese können unmittelbar entfernt werden, sodass die Gefahr gebannt ist.
Bei 36 Prozent der Vorsorge-Spiegelungen werden Vorstufen von Darmkrebs entdeckt. Diese können unmittelbar entfernt werden, sodass die Gefahr gebannt ist. Quelle: Burda-Stiftung
Anzeige
Lübeck

Es ist nun schon 19 Jahre her, dass drei Hilfsorganisationen den Monat März zum Darmkrebsmonat erklärt haben, um regelmäßig in diesen 31 Tagen den Kampf speziell gegen diese Tumorart gezielt in die Öffentlichkeit zu tragen. Und dies mit Erfolg. Denn seitdem ist die Teilnahmequote an der effektiven Vorsorgeuntersuchung, der Darmspiegelung beziehungsweise Koloskopie, nennenswert in die Höhe gegangen.

Aus Angst vor Ansteckung: Weniger gehen zur Vorsorge

Doch die Pandemie hinterlässt auch hier ihre Spuren. „Aus Sorge vor einer Corona-Infektion gehen derzeit deutlich weniger Menschen zu dieser Krebsvorsorge“, ist Oberarzt Dr. Jan Nolde aus der Lübecker Uniklinik für Chirurgie besorgt. Das hat Konsequenzen.

Der LN-Newsletter aus der Hansestadt Lübeck

Alles, was Lübeck voranbringt: Sie bekommen diesen Newsletter jeden Montag gegen 18 Uhr kostenlos in Ihr Postfach. 

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„So weisen zwei wissenschaftliche Studien, jeweils aus England und Holland, darauf hin, dass durch einen Zeitverlust von einem Jahr, das Risiko, krankheitsbedingt am kolorektalen Karzinom zu versterben, um 16 Prozent erhöht ist“, weiß Prof. Martha Kirstein, Bereichsleiterin Endoskopie am UKSH in Lübeck, „wir hätten nicht gedacht, dass der Wert so hoch ausfällt.“

Prof. Martha Kirstein ist die Bereichsleiterin Endoskopie am Lübecker Uniklinikum. Quelle: UKSH

Deshalb appelliert das ärztliche Duo, die Untersuchung dringend wahrzunehmen. Schließlich können bei einer Darmspiegelung bereits harmlose Frühstadien der Erkrankung erkannt und schonend entfernt werden. Ab dem 50. Lebensjahr haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf diese lebensrettende Vorsorge. Sie ist so bedeutsam, da Darmkrebs lange Zeit keine Beschwerden macht.

In Kliniken und Praxen greifen strenge Hygienekonzepte

Nolde ist noch der Hinweis wichtig, dass in den Kliniken und Praxen strenge Hygienekonzepte greifen. „Für Patienten besteht also bei einer Koloskopie kein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Das Risiko, dass ein Tumor im Frühstadium wegen einer unterlassenen Vorsorge übersehen wird, ist viel größer“, fasst er zusammen.

Die Fakten: Darmkrebs ist in Deutschland – nach Lungenkrebs und Brustkrebs – die zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Bei Frauen liegt Darmkrebs aktuell an dritter Stelle nach Brustkrebs und Lungenkrebs. Bei den Männern steht Darmkrebs an zweiter Stelle, nach Lungenkrebs und vor Prostatakrebs. 170 Menschen erkranken täglich in Deutschland an Darmkrebs. 71 Menschen sterben pro Tag an diesem Krebsleiden.

Vortrag zu Darmkrebs am 20. April im UKSH-Gesundheitsforum

Prof. Martha Kirstein und Dr. Jan Nolde werden zum Thema „Darmkrebs – Risikofaktoren, Vorsorge & neueste Therapieverfahren“ auch einen Vortrag halten, und zwar am Dienstag, 20. April im UKSH-Gesundheitsforum. Anmelden kann man sich schon jetzt, per E-Mail an Gesundheitsforum-Luebeck@uksh.de sowie telefonisch unter 04 51/500-107 42.

Von Michael Hollinde