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Lübeck Urteil:Haftstrafe für betrügerischen Finanzverwalter
Lokales Lübeck Urteil:Haftstrafe für betrügerischen Finanzverwalter
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17:25 24.05.2019
Der betrügerische Finanzverwalter aus Bad Schwartau musste sich vor dem Amtsgericht Lübeck verantworten. Quelle: Doreen Dankert
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Lübeck/Bad Schwartau

Das Urteil hat es in sich. Das Schöffengericht verurteilte Finanzmakler Magnus M. (Name geändert) zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Dabei wurden drei der ursprünglich fünf angeklagten Betrugsfälle aus Gründen der Verjährung eingestellt. Die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts Sabine Jansen: „Das Vorgehen war aber dreist, perfide und planvoll. Somit kam eine Umwandlung in eine Geldstrafe nicht in Betracht.“

Geld wurde nie angelegt

Zwischen Mai 2009 und Mai 2012 soll der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Finanzagent von einem Kunden insgesamt 291 000 Euro erhalten haben. Anstatt das Geld anzulegen, soll Magnus M. das Geld jedoch für sich verwendet haben. Als sein Kunde sein vermeintlich gut angelegtes Geld zurückhaben wollte, wurde er von dem 47-jährigen Bad Schwartauer über lange Zeit hingehalten. Als der Druck offensichtlich zu groß wurde, täuschte der Finanzmakler einen Einbruch in sein Haus vor. Bei dem Einbruch, so hatte Magnus M. im Prozessverlauf erklärt, sei auch der Tresor mit einem Bargeld-Betrag von rund 350 000 Euro leergeräumt worden.

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Reihe der Zufälle sind groß

„Alle Vorwürfen haben sich vollumfänglich im Verfahren bestätigt“, erklärte Richterin Jansen in ihrer Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe von Anfang an nicht den Plan gehabt, das ihm zur Verfügung gestellte Geld anzulegen. Ansonsten hätte es auch Belege für bestimmte Geldanlagen gegeben. Auch den Einbruch in das Haus habe es nie gegeben. „Das ist keine Bauchgefühl-Entscheidung. Wir haben keinen Zweifel, dass es so nicht gewesen sein kann“, erklärte Richterin Jansen, denn die Reihe der Zufälle, die diesen Einbruch begleitet haben, sei schon sehr groß. Unbekannte Einbrecher sollen in das Haus eingedrungen sein, obwohl ein großer Hund dort bellend warnte. Zudem hätten die Einbrecher in dem rund 300 Quadratmeter großen Haus schnell den versteckten Tresorschlüssel gefunden, um dann mit dem Inhalt von rund 350 000 Euro Bargeld das Weite zu suchen. „Das sind Umstände, die wir nicht glauben können. Dafür muss man schon Insider-Wissen haben. Von dem angeblich großen Bargeld-Bestand im Tresor hat ja sonst niemand etwas gewusst“, sagte Jansen.

Rechtsmittel werden eingelegt

Bei der ausführlichen Urteilsbegründung schüttelte Magnus M., der sich in seinem bisherigen Leben bislang noch nichts zu schulden kommen lassen hat, immer wieder ungläubig den Kopf. Mit dem Urteil folgte das Gericht annähernd dem Antrag von Staatsanwältin Catharina Flasbarth, die in ihrem Schlussvortrag auch auf die Folgen aufmerksam machte. Durch sein betrügerisches Verhalten habe Magnus M. seinen Kunden um die Altersvorsorge gebracht. Der Geschädigte bezeichnete den Vorfall im Zeugenstand als „persönliches und finanzielles Desaster“. Flasbarth beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Diesen Antrag bezeichnete Rechtsanwalt Stefan Tripmaker als „schockierend“. Zwar sei der Verlust des Geldes für den Geschädigten hart, aber man könne seinem Mandanten keinen konkreten oder vorsätzlichen Betrug vorwerfen oder nachweisen. „Mein Mandant wurde zu Unrecht belastet. Es gibt erhebliche Zweifel, und im Zweifel muss für den Angeklagten entschieden werden“, argumentierte Tripmaker und plädierte auf Freispruch. Schließlich habe sein Mandant eine „weiße Weste“. Gleich nach dem Urteil erklärte Tripmaker für seinen Mandanten, der im gesamten Prozess keine Angaben machte, Rechtsmittel einzulegen.

Das Amtsgericht Lübeck verfügte zudem, 285 000 Euro vom Angeklagten einzuziehen.

Sebastian Prey

24.05.2019
24.05.2019