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Lübeck Vermüllte Wohnung brannte aus: Nachbarn vom Balkon gerettet
Lokales Lübeck Vermüllte Wohnung brannte aus: Nachbarn vom Balkon gerettet
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00:00 28.12.2011
Zwei Stunden dauerten die Löscharbeiten in der Ratzeburger Allee, die Wohnung im ersten Stock ist nun unbewohnbar.
Zwei Stunden dauerten die Löscharbeiten in der Ratzeburger Allee, die Wohnung im ersten Stock ist nun unbewohnbar. Quelle: Holger Kröger
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Weil die Behausung völlig zugemüllt ist, hatten die Rettungskräfte Probleme, hineinzukommen. Außerdem mussten sie die Löscharbeiten unterbrechen, da der Strom nicht abgestellt werden konnte. Vier Personen wurden bei dem Brand verletzt, darunter auch ein Feuerwehrmann.

Es war kurz vor 23 Uhr, als Michael Till Hilfeschreie hörte. „Ich dachte erst an einen Streit“, sagt er, das komme häufiger vor. Als er aber vom Balkon sah, bemerkte er dicke Qualmwolken in der Etage unter ihm. Im ersten Stock brannte eine Wohnung, die Flammen schlugen lichterloh heraus. Er wählte den Notruf, doch die Feuerwehr war bereits alarmiert.

Die Brandbekämpfer hatten arge Mühe, gegen das Feuer vorzugehen. „Es handelte sich augenscheinlich um eine Messie-Wohnung“, sagt Feuerwehrsprecher Björn von Mateffy. Überall lag Müll, die Tür ließ sich nur schwer öffnen. Außerdem fand das Feuer durch den Unrat viel Nahrung.

Die 59-jährige Mieterin der Brandwohnung hatte sich nach LN-Informationen vor Eintreffen der Feuerwehr bereits selbst mit einem Sprung vom Balkon gerettet. Zwei ihrer Katzen sollen jedoch in dem Feuer umgekommen sein. Die Einsatzkräfte richteten eine Verletztensammelstelle an der gegenüberliegenden Tankstelle ein, mehrere Personen über der Brandwohnung mussten gerettet werden. Der Stadtverkehr stellte einen Bus bereit, in dem sich die Mieter des teilweise evakuierten Hauses aufhalten konnten. Zusammen mit einer 54- und 37-Jährigen kam die Mieterin wegen einer Rauchvergiftung in die Uniklinik, letztere konnte das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Zudem verletzte sich ein Feuerwehrmann am Knie, der Rettungsdienst versorgte ihn und er konnte am Einsatzort bleiben.

Nicht nur der Müll bereitete Probleme. Zwischenzeitlich mussten die Löscharbeiten unterbrochen werden, weil der Strom nicht abgeschaltet werden konnte. „Erst nachdem ihn ein Stadtwerke-Mitarbeiter abschaltete, wurden die Nachlöscharbeiten vorgenommen“, so von Mateffy. Um 1 Uhr wurde die Wohnung mit einer Wärmebildkamera auf Glutnester untersucht, 15 Minuten später rückten die 30 Feuerwehrmänner ab.

Die Kriminalpolizei hat den Unfallort beschlagnahmt. „Von einer vorsätzlichen Tat gehen wir derzeit nicht aus“, sagt Polizeisprecherin Carola Aßmann. Momentan prüfen die Ermittler, ob es sich womöglich um ein weihnachtstypisches Feuer gehandelt hat – zum Beispiel eine umgefallene Kerze.

Stephanie Gedenk kam mit dem Schrecken davon, sie lebt genau über der Brandwohnung. Mehrere Stunden danach, gegen 8 Uhr, konnte sie erst wieder einschlafen. Gedenk: „Ich hatte noch so viel Angst.“ Mieterin Angelique Scholtz spricht von einem „riesigen Schutzengel“ für die 59-Jährige. „Ich bin heilfroh, dass sie lebt.“

Peer Hellerling