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Lübeck Versteigerung: Keiner will den Kaiserhof haben
Lokales Lübeck Versteigerung: Keiner will den Kaiserhof haben
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18:29 25.11.2013
Von Sabine Risch
Keine Chance hatte das altehrwürdige Hotel gestern bei der Zwangsversteigerung. Niemand gab auch nur ein Gebot für die Immobilie ab. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Der Herr mittleren Alters mit der Designerbrille sitzt allein auf dem Flur vor Zimmer NE 21 des Amtsgerichtes. „Es wundert mich, dass nicht Massen von Leuten hier sind“, sagt der Nachbar des Kaiserhofes, der seinen Namen nicht nennen will. Erst am Wochenende habe er aus der Zeitung von der Zwangsversteigerung erfahren, „ich bin null vorbereitet, aber sehr interessiert“.

Nach und nach finden sich im Saal immer mehr Leute ein. Junge Männer russischer und asiatischer Herkunft, einzelne Damen und schließlich ein harter Kern echter Kaufinteressenten, die sich auf den mittleren Plätzen in der ersten Reihe sammeln. Etwa 20 Personen sind im Saal. Das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, das kurzfristig am Freitag dem Antrag von Michael Veit Iwanschitz auf Einstellung des Zwangsversteigerungsverfahrens stattgegeben hatte (die LN berichteten), ist nicht vertreten, wie Susanne Dimpker feststellt, ebensowenig wie Iwanschitz selbst oder sein Anwalt Hendrik Prahl. Wohl aber zwei Vertreterinnen der Uni Credit Bank AG (Hypo Vereinsbank), denn die Bank ist Hauptgläubigerin und hat ihrerseits das Verfahren nicht eingestellt.

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Die Rechtspflegerin erklärt das Vorgehen, beziffert den Gesamtwert des Kaiserhofes samt Nebengebäude in der Brehmerstraße auf gut zwei Millionen Euro. Gegen den Antrag der Bank, nur beide Gebäude gemeinsam zu versteigern, gibt es keine Einwände. Einzelne Interessenten sehen den Ordner mit dem Gutachten zum Versteigerungsobjekt durch, als um 10.20 Uhr Michael Veit Iwanschitz mit einiger Verspätung — „ich habe keinen Parkplatz gefunden“ — den Saal betritt. Nur vier Minuten später beginnt die sogenannte „Bieterstunde“, die jedoch nur 30 Minuten dauert. Vier, fünf Interessenten gehen mit der Bankerin vor die Tür, um im Vorfeld abzuklären, wieviel die Uni Credit Bank mindestens für den Kaiserhof haben will.

Susanne Dimpker schaut auf die Uhr und wundert sich: Es ist 10.40 Uhr, noch immer gibt es kein Gebot für die Immobilie. Die Interessenten aus der ersten Reihe tuscheln leise miteinander — aber keineswegs nur über den Kaiserhof. Um 10.55 Uhr ist Schluss. „Da wir kein Gebot haben, wird das Verfahren eingestellt. Jetzt liegt es an der Uni Credit Bank, es fortzusetzen“, verkündet die Rechtspflegerin, bevor alle Beteiligten den Saal verlassen. Sechs Monate hat die Bank als Gläubigerin nun Zeit, einen Fortsetzungstermin anzusetzen. Davon, dass dies geschieht, geht Susanne Dimpker aus. Vor Juni, Juli werde aber wohl kein Termin anberaumt.

Auch das Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das auf Antrag von Iwanschitz das Zwangsversteigerungsverfahren am Freitag einstweilig eingestellt hatte, wird, wie gestern Nachmittag verlautete, das Verfahren nun doch weiter betreiben.

Die Immobilie
2 Villen in der Kronsforder Allee 11-13, verbunden durch einen Zwischenbau, bilden das eigentliche Hotel Kaiserhof mit 45 Zimmern.
1974 wurde eine freistehende Villa in der Brehmerstraße 3 in ein Gästehaus mit Appartements umgebaut. Ein Umbau zu Mietwohnungen wäre möglich.

Sabine Risch