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Lübeck Verwahrloste Wohnungen: Land will gegen Vermieter vorgehen
Lokales Lübeck Verwahrloste Wohnungen: Land will gegen Vermieter vorgehen
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09:33 13.04.2013
Von Kai Dordowsky
Andreas Breitner (v. l.), Bernd Saxe, Marcel Sonntag und Volker Skroblies besichtigten Wohnquartiere — hier die Tannenbergstraße. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Der Kieler Innen- und Bauminister Andreas Breitner (SPD) will Vermieter in die Pflicht nehmen, ihre Wohnungsbestände zu pflegen und instand zu setzen. In Lübeck läuft er mit dem Vorhaben offene Türen ein. Mit Blick auf das jüngste Beispiel der Deutschen Annington aus dem Brüder-Grimm-Ring in Moisling (LN berichteten) forderte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Wir brauchen ein Gesetz, das ein Mindestmaß an Unterhaltungsmaßnahmen vorschreibt.“ Mieter bräuchten eine gesetzliche Handhabe, um gegen den Verfall von Wohnungen und Wohnumfeld vorgehen zu können.

Die Landesregierung prüfe den Erlass eines „Wohnungsaufsichts- und -pflegegesetzes“, erklärte Breitner gestern bei einer Rundtour durch verschiedene Lübecker Wohnquartiere. „Hedgefonds und Heuschrecken lassen ihre Bestände verkommen“, fand der Minister deutliche Worte, „wir müssen den Verwahrlosern auf die Spur kommen.“ Breitner steht im Austausch mit den Bauministern aus anderen Bundesländern und plant noch in diesem Jahr eine entsprechende Gesetzesinitiative. Details eines solchen Gesetzes stehen noch nicht fest. Breitner: „Wir müssen sorgfältig vorgehen, denn wir haben es mit potenten Gegnern zu tun.“

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Heruntergekommene Bestände sind auch den Geschäftsführern der städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsbaugesellschaften ein Dorn im Auge. In der Brandenbaumer Landstraße wurden dem Minister sanierte Gebäude der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“ und die alten Gebäude von Prelios präsentiert. „Fehlende Investitionen schwächen das Sozialgefüge in einem Quartier“, warnte Marcel Sonntag von der Neuen Lübecker (NL). Vandalismus, Graffiti und Kleinkriminalität würden in solchen Bereichen zunehmen. Ähnliche Probleme habe der Bauverein auf Marli. Geschäftsführer Stefan Probst:

„Von Prelios sind keine Investitionen zu erwarten.“ Das seien die Folgen, wenn sich Kommunen von ihren eigenen Beständen trennen würden. Hintergrund: Die Hansestadt war früher ein großer Gesellschafter der Heimstätten-Gesellschaft (37,5 Prozent), die über mehrere Umwege an Prelios verkauft wurde.

Hier die frisch sanierten oder neu gebauten Häuser, nebenan die alten Bestände — potenzielle Mieter würden sich sehr genau überlegen, ob sie in solche Quartiere ziehen, sagte NL-Chef Marcel Sonntag.

Hartmut Sörensen, Chef der städtischen Gesellschaft „Trave“, befürchtet gar eine Gettoisierung. Sörensen: „Und unsere Bestände werden in Mitleidenschaft gezogen.“

Dass öffentlich geförderter Wohnungsbau und moderne Unterkünfte sich nicht ausschließen, wurde Breitner bei der Rundtour bei „Wohnen für Generationen“ in Kücknitz, beim „Neuen Kaufhof“ auf Marli und beim „Generationenübergreifenden Wohnen“ auf dem ehemaligen Busdepot in St. Gertrud vorgeführt. Der Kieler Bauminister: „Ich bin schwer beeindruckt.“ Die 115 Millionen Euro, die das Land seit 2005 in Lübeck für sozialen Wohnungsbau ausgegeben hat, seien gut investiert.

Kai Dordowsky

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