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Lübeck Von der Newa an die Trave: "Shtandart" ist da
Lokales Lübeck Von der Newa an die Trave: "Shtandart" ist da
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20:48 24.11.2014
"Shtandard" machte am Sonntagmittag in Lübeck fest.
"Shtandard" machte am Sonntagmittag in Lübeck fest. Quelle: hp
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Lübeck

Lübeck ist schön, maritim und auch im Winter ein mildes Fleckchen. Die Stadt ist so attraktiv, dass es selbst russische Segler während der dunklen Monate in den Hafen zieht. Seit Sonntag weht nun die russische Flagge an der Untertrave in Höhe der Musik- und Kongresshalle. Zahlreiche „Seh-Leute“ beobachteten das Einlaufen der imposanten Fregatte „Shtandart“ im Museumshafen.

Kurz nach 13.30 Uhr hatte sich die Eric-Warburg-Brücke geöffnet und den Weg für den Dreimaster Richtung Innenstadt freigemacht. Unter Motorenleistung erreichte das Schiff schnell seinen anvisierten Liegeplatz. Dort wartete bereits Rainer Kruse, Hafenmeister des Museumsvereins. Nach dem Festmachen war er der Erste, der die „Shtandart“ betrat. Für ihn und Kapitän Vladimir Martus war es ein herzliches Wiedersehen. Beide hatten sich während des Hansetages kennengelernt, an dem die „Shtandart“ mit ihrer Besatzung teilgenommen hatte.

Damals hatte Martus den Wunsch geäußert, Lübeck häufiger anzusteuern und auch die Wintermonate hier zu verbringen. Kruse hat sich für ihn stark gemacht — und der Wunsch wurde wahr.

Der Kapitän bleibt mit seinem Schiff und einem Teil der Crew etwa drei Monate in der Stadt. „Unser Heimathafen ist St. Petersburg“, sagt der erfahrene Skipper.

„Doch dort ist es in den Wintermonaten einfach viel zu kalt und das Wasser der Newa von einer dicken Eisschicht überzogen.“ Keine guten Voraussetzungen für ein Schiff — auch wenn es sich bei der „Shtandart“ um den 1999 fertiggestellten Nachbau eines Kriegsschiffes aus dem 18. Jahrhundert handelt. Die heutige „Shtandart“ ist ein in Erfüllung gegangener Traum, den 1994 eine Gruppe von Enthusiasten um Vladimir Martus hatte. Sie wollten das erste Schiff der baltischen Flotte Zar Peters des Großen nach bauen. Das Projekt sollte das Interesse junger Menschen für die Seefahrt wecken, den Teamgeist fördern und internationale Kontakte knüpfen.

Innerhalb von sechs Jahren wurde die Fregatte nach den Plänen von Martus (die Originalpläne sind verschwunden) nachgebaut. Das Schiff ist zweigeteilt: Unterhalb der Wasserlinie sind moderne Motoren, ein Generator, Pumpen und Tanks verbaut sowie Kombüse, Messe und Kojen untergebracht. Oberhalb der Linie sieht man die Masten, das Tauwerk, das Ruder und sogar Kanonen sowie originalgetreue Holzschnitzereien in auffälliger Farbgebung.

Natürlich kann die „Shtandart“ besichtigt werden. Kapitän Martus freut sich auf Besucher. Und er möchte seinen zweiten Heimathafen besser kennenlernen. Sehnsucht nach St. Petersburg? „Nein“, sagt der Seefahrer. „Lübeck ist eine tolle Stadt — und auch meine Familie kommt bald nach.“

Die russische Fregatte „Shtandart“
1999 lief der Dreimaster „Shtandart“ auf der Werft im Orlowski Park vom Stapel, ein Nachbau des ersten Kriegsschiffes der russischen Ostseeflotte von 1702. Sie ist 34,5 Meter lang, sieben Meter breit, hat einen Tiefgang von 3,30 Metern. Die Fregatte verfügt über zehn Segel mit einer Gesamtfläche von 620 Quadratmetern. Zwei Volvo-Motoren leisten je 560 PS. Die Höchstgeschwindigkeit unter Segeln beträgt elf Knoten. Die Besatzung besteht aus 40 Personen. Heimathafen ist St. Petersburg.

Heiko Pump