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Lübeck Vor der Europa-Wahl: Lübecker Schüler befragen Politiker
Lokales Lübeck Vor der Europa-Wahl: Lübecker Schüler befragen Politiker
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08:18 28.04.2019
Schüler befragen Politiker: Vincent Schmedemann (Ernestinenschule) mit Niclas Herbst (CDU), Enrico Kreft (SPD), Helmer Krane (FDP), Lasse Petersdotter (Bündnis 90/ Die Grünen) und Sebastian Kai Ising (Linke) Quelle: foto: Grabitz
Lübeck

„Wie kann man Jugendliche in die Europapolitik einbinden?“, fragt der Friedrich-List-Schüler Vincent Schmedemann die fünf Europa-Politiker. Während diese über Antworten nachdenken, kommt eine Antwort prompt aus dem Publikum: „Das Wahlrecht mit 16 einführen!“

Das Publikum besteht aus rund 500 Schülerinnen und Schülern der Lübecker Europa-Schulen, die an diesem Mittwochvormittag die Chance haben, Politiker und Europa-Kandidaten der großen Parteien mit ihren Fragen in den Schwitzkasten zu nehmen. Vor dem voll besetzten Saal des Kolosseums moderieren die Schüler ein Gespräch zwischen den Politikern, stellen Fragen und haken nach. Obwohl die meisten von ihnen wahrscheinlich zum ersten Mal vor so vielen Menschen sprechen, wirkt es, als sei das für sie Alltag.

Vier Schüler-Gruppen haben sich auf jeweils einen Themenblock vorbereitet. Zuerst geht es um Klimaschutz, ein Thema, das vielen der Schüler besonders wichtig ist. Die Politiker sind sich nicht einig, was zu tun ist. So kritisiert der Landtagsabgeordnete der Grünen, Lasse Petersdotter, dass die Automobilkonzerne nach den Diesel-Skandalen nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Das liege daran, dass die Automobilindustrie eine besonders starke Lobby habe, sagt der Linken- Kreisvorsitzende Sebastian Kai Ising. „Wie unabhängig ist eine Politik, die Gelder von dieser Lobby bekommt? Deswegen nehmen wir als einzige Partei keine Spenden aus der Industrie an“. „Wollen Sie dazu etwas sagen, Herr Herbst?“, fragt der Schüler Hanno Wulff den Europa-Spitzenkandidaten der CDU, Niclas Herbst. „Nein, dazu sage ich nichts“, entgegnet der. „Aber wenn Daimler Leute entlässt, dann regen sich die Leute auf“. Zudem würden auch die Schiffe Feinstaub in die Luft blasen. Der Schüler lässt sich nicht abwimmeln: „Kommen Sie bitte zurück zu unserer Frage“.

Auch zum Thema Migration entwickelt sich eine lebhafte Debatte. Niclas Herbst plädiert dafür, „Afrika als Partner zu sehen“, um Fluchtursachen zu beseitigen. Der Lübecker SPD-Europa-Kandidat Enrico Kreft prangert an, dass Deutschland Fachkräfte aus anderen Ländern holt, die dann dort fehlen. Der junge FDP-Europa-Kandidat Helmer Krane spricht sich für „mehr Ordnung und Humanität in der europäischen Flüchtlingspolitik“ mit einer starken Frontex-Agentur aus.

Einig sind sich die Kandidaten darin, dass es ein starkes und soziales Europa braucht, um die Wähler nicht an Populisten von rechts zu verlieren. Auch das Thema Bildung wird diskutiert: Programme wie Erasmus, erinnert Herbst, zeigen das große Potenzial der EU.

Die Veranstaltung hat die Gemeinnützige im Rahmen der Reihe „Mittwochsbildung“ gemeinsam mit dem Kreisverband der Europa-Union organisiert. Auf die zu Anfang gestellte Frage, wie sich Jugendliche in die Europapolitik einbinden lassen, war sie selbst die Antwort: Indem die Kandidaten mit ihnen sprechen – und sich ihren Fragen stellen. Die Europaschüler zeigten den Politikern eindrucksvoll, dass kritisches und weitsichtiges Denken ein gutes Rezept gegen Politikverdrossenheit ist.

Friederike Grabitz

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