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16:14 19.12.2018
Iris Rüdiger (50) arbeitet als Diplom-Kunsttherapeutin bei der Vorwerker Diakonie und malt mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Im Kunstraum stellt sie Farben bereit, mit denen die jungen Patienten malen können. Quelle: Cosima Künzel
St. Gertrud

Iris Rüdiger (50) stellt in der Vorwerker Fachklinik ein Dutzend Schalen mit Farben bereit. Gleich kommen die jungen Patienten in das Atelier im Souterrain. Rüdiger ist Diplom-Kunsttherapeutin und hilft Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen. Sie haben die Möglichkeit, beim Malen, Zeichnen oder Fotografieren Emotionen zum Ausdruck zu bringen. „Gefühle, für die es vorher keinen Raum gab“, sagt Rüdiger.

Drei Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren kommen herein. Kaum ein Lächeln in den ernsten Gesichtern. Eine Wand ist dicht mit Farbresten übersät. Sie wirkt wie ein eigenes Kunstwerk. Die jungen Patientinnen setzen sich der Wand gegenüber an den Tisch. „Ich dachte, dass ich Euch heute mal vom Dunklen zum Hellen und Bunten hin malen lasse“, sagt Rüdiger und zeigt schwarze Papiere mit 50 mal 70 Zentimetern Größe sowie Gouache-Farben und Stifte.

Kunsttherapie in der Fachklinik der Vorwerker Diakonie. Die junge Patientin malt mit bunter Pastellkreide auf schwarzem Papier. Quelle: Cosima Künzel

„Viele Jugendliche, die belastet, ängstlich, traurig sind, haben die Farbigkeit verloren und greifen oft zu dunklen Farben“, erzählt sie später. „Ich versuche, ihnen zu zeigen, dass das Dunkle nur mit dem Licht funktioniert.“ Während sich die Teilnehmerinnen Material holen, erklärt Rüdiger leise: „Es geht nicht darum, dass sie ein Kunstwerk erschaffen, sondern um den Entstehungsprozess.“

So können Sie helfen

Es ist erschreckend. Die Zahlen von Kindern und Jugendlichen, die wegen Depressionen, Traumata, Ängsten oder Zwangsstörungen behandelt werden müssen, steigt stetig. Die Vorwerker Diakonie ist seit drei Jahrzehnten mit der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie in den dazugehörenden Ambulanzen und Tageskliniken in diesem Hilfefeld aktiv. Allein in Lübeck werden stationär jährlich 500 Patienten behandelt. Den wachsenden Herausforderungen begegnet die Vorwerker Diakonie, in dem sie ihre Fachklinik für Junges Leben (Jule) ab 2019 komplett neu baut. Zwölf Millionen Euro werden dafür investiert, rund acht Millionen Euro Landeszuschüsse fließen ein. Die entstehende Lücke wird über Darlehen und – soweit möglich – über Spenden finanziert.“ Mehr Informationen über die neue Fachklinik finden Sie hier: www.jule-luebeck.de. Bei Fragen zur Arbeit der Fachklinik wenden Sie sich bitte per E-Mail an: kjp@vorwerker-diakonie.de

Das Spendenkonto

Kontoinhaber: Vorwerker Diakonie gemeinnützige GmbH

IBAN: DE50 2305 0101 0160 4397 41

BIC: NOLADE21SPL

Sparkasse zu Lübeck, Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent

Die Spender werden in den LN genannt. Wenn Sie das nicht möchten, vermerken Sie im Verwendungszweck „bitte anonym“. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Die Arbeiten könnten „als Spiegel und Ausdruck des Selbst“ verstanden werden, erklärt sie. „Das kann hilfreich für den Heilungsprozess sein.“ Ein Kind, das beispielsweise immer Albträume von einem tiefen Abgrund hat, kann diesen malen. So könnte das innere Bild seinen Schrecken verlieren. „Manchmal nehmen wir solche Bilder, packen sie gut weg oder zerstören sie sogar gemeinsam, um neue Möglichkeiten zu schaffen.“

Die Zeichnung erinnert das junge Mädchen an Weihnachten, sagt sie. Sie wollte den Mann mit Rauschebart schon lange abmalen. Quelle: Cosima Künzel

Weitere Angebote im Rahmen der Fachtherapie sind Ergo-, Bewegungs- und Musik-Therapie. Die Krankheitsbilder der jungen Patienten der Psychotherapiestationen „Seeteufel“, „Blauer Ozean“, „Korallenriff“, „Wellenreiter“ oder „Poseidon“ sind verschieden. Auch Kinder mit Zwängen sind dabei. Zwangserkrankungen beruhen auf der Angst vor etwas und der Idee, diese Angst durch Gedanken oder Rituale (Zählen, Händewaschen, Gegenstände berühren) zu beruhigen. „Im Ansatz kennen das die meisten Menschen“, erklärt Diplom-Psychologin Valeska Bohnert. „Doch spätestens, wenn die Teilhabe am Leben durch Intensität und Umfang dieser Rituale nicht mehr möglich ist, spricht man von einer Zwangserkrankung.“ Diese schwerwiegende psychische Erkrankung benötigt dann therapeutische Hilfe.

In der Kunsttherapie geht es nicht darum, dass ein Kunstwerk entsteht. Wichtig ist der Schaffensprozess. Quelle: Vorwerker Diakonie/Olaf Malzahn

Bevor das Malen beginnt, führt Iris Rüdiger Vorgespräche. Sie fragt die jungen Leute, was heute ihr Thema ist? Oder ob es Emotionen, Beziehungen gibt, die sie beschäftigen. Ein Mädchen hat als Vorlage einen Mann mit Rauschebart dabei. „Er erinnert mich an Weihnachten“, verrät sie und hat schon „lange davon geträumt, ihn zu malen“. Eine andere Patientin übermalt das Schwarz komplett mit roter Farbe, die sie in ein Schwämmchen taucht. Das dritte Mädchen zeichnet Kreise in Pastell aufs Blatt. Es wird so still im Raum, dass man das Geräusch der Stifte auf dem Papier hören kann.

 

Zwangserkrankungen

Zwangserkrankungen haben häufig eine genetische Veranlagung. In der Grundschulzeit sind Zwangsrituale wie Fugenlaufen bei vielen Kindern zu beobachten. Häufig gibt es einen Auslöser. So kann es sein, dass das Kind eine schwierige Situation mithilfe von Gedanken oder Ritualen gemeistert hat. Das unangenehme Gefühl konnte dadurch beruhigt werden. In der Folge vermeiden die Kinder diese Gefühle und Anspannungen durch die „erfolgreich angewandten“ Strategien. So gelangen sie in den Kreislauf der Zwangsgedanken oder -handlungen.

Eltern sind oftmals unbewusst Teil dieses Kreislaufes und können durch Reaktionen den Kreislauf negativ oder positiv beeinflussen. Häufigste Zwangshandlungen sind Putz- oder Waschzwänge. Auch Ordnungs-, Kontroll-, Wiederholungs- oder Zählzwänge treten auf. Häufigste Zwangsgedanken sind unter anderem Angst vor Verschmutzung, Verseuchung oder religiöse Zwangsgedanken.

Während die Kinder arbeiten, dringt trübes Licht durch die Souterrain-Fenster. Rüdiger freut sich auf den geplanten Neubau der Fachklinik, denn das neue Atelier wird über deutlich mehr Platz und auch ausreichend Tageslicht verfügen. „Das vermissen wir hier sehr.“ Inzwischen sind die Mädchen fertig und hängen ihre Bilder zum Betrachten an die Wand. Entstanden sind leuchtend bunte Planeten zwischen Sternen und ein „Weihnachtsmann“, der die 16-jährige Zeichnerin lächeln lässt.

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