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Lübeck Altöl: Lübecker Behörde lässt Wallstraße untersuchen
Lokales Lübeck Altöl: Lübecker Behörde lässt Wallstraße untersuchen
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14:46 25.01.2020
Lübeck: Die Spezialfirma Mücke aus Bad Schwartau untersucht den Untergrund der Wallstraße vor der Kunsttankstelle auf Ölrückstände. Quelle: Holger Kröger
Innenstadt

Ende der vergangenen Woche rückten Mitarbeiter eines Spezialunternehmens für Bodenuntersuchungen aus Bad Schwartau am Holstentor an und entnahm Proben aus dem Untergrund der Wallstraße. Da wurde Peter Fischer etwas nervös. Er ist Vorsitzender des Vereins Defacto Art, der dort gerade das Gelände einer ehemaligen Tankstelle für das Kunst- und Kulturzentrum „Kunsttankstelle“ übernommen hat. Er rief beim Liegenschaftsamt an, aber dort wusste niemand etwas von den Bohrungen.

Die Bodenproben werden in beschriftete Gläser gefüllt und später im Labor untersucht. Quelle: Holger Kröger

Schon 2011 wurden Ölrückstände gefunden

Erst später stellte sich heraus, dass der Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz die Proben in Auftrag gegeben hatte. 2011 war der Untergrund des Geländes schon einmal ausführlich untersucht worden. Damals übernahm die Stadt das Grundstück vom ehemaligen Pächter, der dort jahrzehntelang eine Tankstelle betrieben hatte. Mit der Untersuchung sicherte sich die Stadt gegen verborgene Altlasten ab.

Öl von Militärlastern der britischen Besatzer?

Kerstin Oltmanns, Neurobiologie-Professorin an der Lübecker Uni, ist die Tochter des ehemaligen Tankstellenbetreibers. Sie erinnert sich gut an die Bodenuntersuchung. „Es gibt die alten Benzintanks unter der Erde“, sagt sie. „Die sind von der Firma Possehl vorschriftsmäßig gereinigt und verfüllt worden.“ Sie erinnert sich aber auch, dass es auf der Straße außerhalb des Grundstücks ein paar positive Proben gegeben habe. Oltmanns vermutet, dass diese Rückstände von Militärlastern herrühren könnten, die die britischen Besatzer zum Ende des Zweiten Weltkriegs dort abgestellt hätten.

Kleinere Rückstände aus dem Tankstellenbetrieb

Tatsächlich fand sich allerdings auch auf dem Grundstück selbst ein „MKW-Schaden“ aus dem Tankstellenbetrieb. (MKW steht für Mineralkohlenwasserstoffe.) Der ist nach Auskunft der Stadt aber nicht so gravierend, dass er saniert werden müsste. Jedenfalls nicht, solange es keine größeren Umbauarbeiten auf dem Gelände gebe wie „Erdarbeiten, Entfernen der Bodenversiegelung, Bau einer Versickerungseinrichtung, Gebäudeabriss oder ähnliches“, wie die Stadt auf Anfrage schriftlich mitteilte. Die gegenwärtigen Nutzer seien nicht betroffen. Das habe eine Raumluftuntersuchung im Jahr 2017 ergeben. Defacto Art plant den Umbau der Garagen zu Künstler-Ateliers. Dafür muss der Boden nicht geöffnet werden.

„Keine akute Gefährdung“

Bei den Funden vor dem Tankstellengelände, die jetzt untersucht werden, handelt es sich laut Stadt um „höherkettige MKW“, also schwer lösliches, zähflüssiges Öl. Über britische Militärlaster auf der Straße liegen der Stadt nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse vor. Ein Ziel der Untersuchung sei aber, die Schadensursache zu ermitteln. „Die ehemalige Tankstelle als Schadensverursacherin ist nach derzeitiger Kenntnis unwahrscheinlich.“ Dass die Spezialisten erst neun Jahre nach den ersten Funden anrückten, erklärt die Stadt so: „Die Untersuchung hatte seit 2011 keine Priorität, da keine akute Gefährdung vorlag.“

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Von Hanno Kabel