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Lübeck Was läuft schief bei Lübecks Radverkehr?
Lokales Lübeck Was läuft schief bei Lübecks Radverkehr?
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00:00 01.04.2019
Die Hansestadt führt die traurige Tabelle an, nirgendwo im Land verunglücken mehr Radfahrer. Kreisel wie der Lindenteller sind Unfallschwerpunkte. Quelle: LN-Archiv
Lübeck

2013 beschloss die Bürgerschaft das Konzept „Fahrradfreundliches Lübeck“. Ziel: Bis 2020 sollte die Zahl der Radunfälle halbiert werden. „Tatsächlich ist die Zahl seitdem um sieben Prozent angestiegen“, hat ADFC-Chef Wolfgang Raabe ausgerechnet. „Mit diesem Ziel ist die Stadt krachend gescheitert“, sagt der Vorsitzende des Fahrrad-Clubs.

Radfahrer sind wie hier am Gustav-Radbruch-Platz oft sehr schnell unterwegs. Die Zahl verunglückter Pedelec-Fahrer schnellt in die Höhe. Quelle: 54° / John Garve

Lübeck ist die Hauptstadt der Fahrradunfälle“, sagt Rainer Dürkop, Verkehrssicherheitsexperte der Polizei – und das schon seit Jahren. 2016 war das so, 2017 lag die Hansestadt knapp hinter dem Kreis Pinneberg, in dem auch immer viele Radfahrer verunglücken, 2018 hat Lübeck wieder die traurige Tabellenspitze übernommen. Mit 598 Unfällen, Kiel verzeichnet 506 und der Kreis Pinneberg 502.

Ein Blick in die Landesstatistik zeigt, dass die Hauptunfallursachen überall gleich sind. Autofahrer missachten die Vorfahrt von Radfahrern und übersehen sie beim Abbiegen. Radfahrer wiederum benutzen allzu oft die falsche Fahrbahn oder den falschen Radweg. Aber ADFC-Chef Raabe stellt klar: „Nur in einem Drittel der Unfälle sind die Radfahrer die Verursacher.“

Dr. Wolfgang Raabe, Vorsitzender des Lübecker Fahrrad-Clubs ADFC: „Zwei Millionen Euro sind nur ein sehr zaghafter Schritt.“ Quelle: 54° / Felix König

Die Radwege seien zum Teil in einem „erbärmlichen Zustand“, sagt Raabe, „und viele sind einfach zu schmal.“ Die Kreisverkehre seien mit dem Radverkehr „schlicht nicht kompatibel“. Aus Sicht des Fahrrad-Clubs steckt Lübeck weiterhin zu wenig Geld in den Radverkehr. Raabe: „Der Nationale Radverkehrsplan sieht zwischen 14 und 20 Euro pro Einwohner vor, das wären vier Millionen Euro.“ Die Hansestadt will die Hälfte ausgeben.

Der frühere Fahrradbeauftragte Nils Weiland, der jetzt in Bremen arbeitet: „Kreisverkehre und die vielen Zweirichtungs-Radwege sind besonders unfallträchtig.“ Quelle: 54° / Felix König

Der frühere Fahrradbeauftragte Nils Weiland, der jetzt in Bremen arbeitet, sieht neben den Kreisverkehren auch die vielen Zweirichtungs-Radwege als Gefahrenquelle. „Die sind sehr unfallträchtig“, erklärt Weiland. Ulrich Pluschkell, der seit über 30 Jahren in der Hansestadt Politik macht und verkehrspolitischer Sprecher der SPD ist, erklärt den Unterschied zwischen Kiel und Lübeck mit dem Straßennetz. Das sei in der Hansestadt einfach sehr alt und schmal und mache den Schutz der Radfahrer nicht einfacher.

Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, sieht die Polizei auch in der Verantwortung: „Die drückt sich und zeigt auf die Hansestadt.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Während die Polizei die Zustände von Radwegen kritisiert, spielt Pluschkell den Ball zurück. „Die baulichen Möglichkeiten sind irgendwann ausgeschöpft“, sagt der SPD-Politiker. Die Polizei dürfe nicht einfach auf die Stadt zeigen, sondern sei genauso verantwortlich für die Vermeidung von Unfällen. Pluschkell: „Davor drückt sie sich. Wann haben die Lübecker in den letzten Jahren am Unfallschwerpunkt Lindenplatz gezielte polizeiliche Maßnahmen im Rahmen der Verkehrsunfallprävention und der Verkehrsüberwachung erlebt?“

Trauriger Spitzenreiter

598 Unfälle mit Radfahrern registrierte die Polizei 2018 in Lübeck. Im Landesvergleich folgen Kiel mit 506 und Pinneberg mit 502. 169 Unfälle passierten, weil Autofahrer die Radfahrer beim Abbiegen übersahen. 100, weil sie ihnen die Vorfahrt nahmen. 107 Unfälle verursachten Radfahrer, weil sie die falsche Fahrbahn benutzten. Immerhin 36 Mal verunglückten Radfahrer, weil sie betrunken waren.

Schleswig-Holstein zählte 2018 die höchste Zahl an Radunfällen seit Jahren (4493). 549 Radfahrer wurden schwer verletzt, zwölf wurden getötet. Die Unfallursachen sind mit denen in Lübeck absolut identisch.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert, dass die Verkehrsüberwachung deutlich verstärkt wird. Thomas Nommensen, stellvertretender Landesvorsitzender: „Dabei helfen keine Lippenbekenntnisse, sondern ausschließlich mehr Personal.“

Ex-Fahrradbeauftragter Weiland sieht auch positive Entwicklungen. In der Schwartauer und der Travemünder Allee sollen Radwege neu gebaut werden. Große Hoffnungen setzt Weiland auf die geplante Stadtgrabenbrücke am Lindenteller: „Die wird die Sicherheit erhöhen.“

Kai Dordowsky

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