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Lübeck Was wird aus der „Lachswehr“ ?
Lokales Lübeck Was wird aus der „Lachswehr“ ?
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21:00 05.05.2018
Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Lorenz Süd

Stattlich und trutzig steht das Haus am linken Ufer des Kanals. Von Weitem jedenfalls macht das 1751 nach Plänen von Johann Adam Soherr im Stil der Sommerhäuser errichtete Backstein-Gebäude noch eine Menge her. Wer näher herantritt, entdeckt die beiden Verkehrshütchen auf der Freitreppe, die ins Erdgeschoss des Hauses führt: Eine Steinstufe ist herausgebrochen und wackelt.

Stefan Brockmann zückt den Haustürschlüssel und führt in den ebenfalls einst stattlichen Eingangsbereich. Auch hier: Macken und fehlende Farbe im Holz des historischen Treppengeländers, stark abgenutztes Parkett, schmutzige Wände – nichts, was nicht zu beheben wäre, „aber eine Viertelmillion Euro müsste man wohl in die Sanierung investieren“, meint Brockmann, Vizepräsident des Lübecker Motorboot-Clubs (LMC).

Der Verein ist Eigentümer der Immobilie. Und das seit 1976, „denn wir brauchten für Mitglieder und Gastlieger Sanitäranlagen, durften aber unten am Wasser keine bauen.“ Da habe es der damalige Präsident für sinnvoll gehalten, die ganze „Lachswehr“ zu kaufen. Die Gastronomen wechselten häufig. Ein bayerischer Pächter betrieb einen Biergarten, Lothar Tubbesing betrieb das Restaurant als feine Adresse in der Hansestadt. Als Tubbesing aufgab, gab es eine Zeitlang Leerstand, dann, nach einer Sanierung, in die der LMC nach Brockmanns Angaben 400000 Euro investierte, übernahm Sascha Breitbach. Der musste wenig später aus gesundheitlichen Gründen aufhören und verpachtete an den jungen Gastronom Leon Sahin unter. Bis der Vertrag Ende Oktober 2017 auslief und außer Sahin niemand verlängern wollte.

120 Kubikmeter Müll, erzählt Brockmann, habe Breitbach aus dem Haus geschafft. Geblieben sind nur der riesige Tresen, den Sahin hatte einbauen lassen, und der Flügel im „Tanzsaal“, der dem Verein gehört. Dennoch: Mit seinen um den Saal herumlaufenden Räumen, mit dem Wintergarten samt Terrazzofliesen, ist allein das Erdgeschoss der „Lachswehr“ eine schöne, romantische Location. Im Obergeschoss gibt es weitere Räume, die zuletzt als Büro und als Wohnung für Sahin genutzt wurden.

560 Quadratmeter Nutzfläche sind es insgesamt, dazu kommt ein Garten mit dem wohl größten (und mückenabweisenden) Walnussbaum Lübecks. „Künftig“, so Vereinsvize Brockmann, „möchten wir gern einen Mieter fürs ganze Haus.“ Vereinsmitglied Wolf-Christian Wittke, Inhaber der Immobilienfirma Wittke & Lorenzen, habe man mit der Vermarktung beauftragt. Gefordert wird eine Pacht von 3500 Euro im Monat. Die kann oder will nicht jeder aufbringen. „Wir haben schon einige Interessenten, manche mussten wir allerdings auch ablehnen“, sagt Brockmann. Ein „sehr bekannter“ Lübecker Gastronom habe großes Interesse gezeigt, wollte allerdings ein Nebengebäude für die Küche errichten lassen. Was die Denkmalpflege abgelehnt habe.

Die Küche ist ein Thema, das viele Interessenten abschrecken könnte, wie der Vizepräsident ganz offen einräumt: Sie liegt im Keller. Zwar gibt es einen Lastenaufzug, „doch dort passen höchstens sechs Teller hinein – zu wenig für größere Veranstaltungen“, sagt Brockmann. Alternativ müsse das Essen aus dem Keller an den Toiletten vorbei die Treppe hochgetragen werden. Ein klares Manko.

Wenn es nach den Idealvorstellungen des LMC liefe, würde ein neuer Pächter das Restaurant wieder als Location für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten betreiben, „aber nicht wieder als Party-Location mit Techno-Musik bis tief in die Nacht“.

Durch eine Änderung im Grundbuch muss die „Lachswehr“ nach Jahrhunderten nicht mehr zwingend ein Restaurant beherbergen. Denkbar wäre auch eine Vermietung an eine Anwalts-Kanzlei oder ein anderes Büro. Doch erst einmal will man abwarten. „Wir haben Interessenten in beide Richtungen, aber noch ist nichts spruchreif.“

Von Sabine Risch

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