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Lübeck Nach Protesten von Tierschützern: Lübecker Wachtelhalter schließt Betrieb
Lokales Lübeck Nach Protesten von Tierschützern: Lübecker Wachtelhalter schließt Betrieb
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18:49 11.06.2019
Wachtelzucht in Lübeck: Seit 2010 gibt es den Betrieb Hanse-Wachtel. Jetzt hat er zu gemacht. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Keine Wachteln. Der Betrieb Hanse-Wachtel hat geschlossen. Der Grund: Die Tierhaltung wurde massiv kritisiert. Tierschützer hatten TV-Sendern geheime Aufnahmen zugespielt, die die Tierhaltung zeigen, die berichteten dann über die Haltung. Allerdings: Das Veterinäramt der Stadt Lübeck war schon zuvor mit dem Fall vertraut.

Tierschützer sprechen von Tierquälerei

Der Vorwurf der Tierschützer: In dem Betrieb seien 2000 Tiere unter qualvollen Bedingungen in engen Käfiganlagen untergebracht. Zudem hätten sie unter Verhaltensstörungen und Verletzungen gelitten. „Solch tierquälerische Zustände dürfen niemals Realität sein“, so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros. Ein Verein mit mehreren Hundert Mitgliedern. Somit sei die Einstellung des Betriebs in Lübeck „ein kleiner Sieg für die Tiere“. Peifer hatte sich mit einer Begleiterin als Eier-Kunde ausgegeben und den Betrieb Hanse-Wachtel besucht. Dabei wurden heimlich Filmaufnahmen von der Tierhaltung gemacht.

Wachtelzüchter haben freiwillig aufgehört

Die Haltung der Wachtelzüchter: „Man erhält nur hygienische Eier, wenn man die Wachteln im Käfig hält“, erklärt Geschäftsführerin Helga Thorn, der der Betrieb Hanse-Wachtel gehörte. Denn die Tiere legen ihre Eier auf den Boden, nicht in Nester. Allerdings koten sie auch auf den Boden. Daher werden die Tiere in Käfigen gehalten, die Eier kugeln auf einem schräg geneigten Boden hinaus. „Wir haben freiwillig aufgehört“, sagt Helga Thorn, denn gegen die mediale Berichterstattung sei man nicht angekommen. Nach ihrer Darstellung wurden in den TV-Beiträgen extra negative Bilder ausgewählt, beispielsweise von alten Tieren. Thorn: „Wir haben seit Anfang April kein einziges Ei mehr verkauft.“ Seit 2010 hat sie die Wachteln gehalten. Jetzt ist Schluss.

Kein Gesetz zur Haltung von Wachteln

Das Problem: Es gibt kein Gesetz, wie Wachteln zu halten sind. Anders als bei Hühnern. Das Fehlen von Regeln kritisieren auch die Tierschützer. „Die Betreiber von Anlagen mit Wachtelhaltung haben einen Freifahrtschein und können die Tiere so halten wie sie möchten“, so Peifer. Daher hat sich Helga Thorn bei der Wachtel-Haltung auf eine Empfehlung aus Bayern gestützt. Von der Landesanstalt für Geflügel- und Kleintierhaltung in Kitzingen hat sie sich beraten lassen. Ihren Stall hat sie entsprechend eingerichtet.

Strafanzeige

Das Deutsche Tierschutzbüro aus Berlin hatte Anzeige gegen den Betrieb Hanse-Wachtel wegen Tierquälerei gestellt. Das war Anfang April. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen, bestätigt Sprecherin Ulla Hingst. Die Akten befänden sich aktuell bei der Polizei. Hingst macht klar: „Die Schließung des Betriebes ist nicht von der Staatsanwaltschaft veranlasst worden.“

Veterinäramt Lübeck ist unzufrieden

Doch damit war das Veterinäramt der Stadt Lübeck nicht zufrieden. Daher läuft ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Schleswig zwischen der Stadt und Helga Thorn. Die Stadt will zu den Details nichts sagen. Aber Hans-Joachim Thorn erklärt: „Die Stadt drängt auf eine Verordnung aus der Schweiz.“ Dabei gelte diese für Wildtiere, nicht für Nutztiere.

Verfahren vor dem Verwaltungsgericht

Die Stadt geht davon aus, dass das Verwaltungsgericht das Verfahren einstellt. Thorn indes hofft, dass das Verfahren vor dem Gericht zu Ende verhandelt wird, damit ein Präzedenzfall für die Haltung von Wachteln geschaffen wird. Denn bis es ein Gesetz für die Wachtelhaltung gibt, wird es noch dauern. Nach Aussage von Thorn ist gerade ein Forschungsprojekt an der Uni in München gestartet. Das beschäftigt sich mit der Haltung von Wachteln. Bis es ein Ergebnis gibt, dauert es aber drei Jahre.

Josephine von Zastrow

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