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Lübeck Wegesperrungen am Dummersdorfer Ufer in Lübeck
Lokales Lübeck Wegesperrungen am Dummersdorfer Ufer in Lübeck
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17:27 06.06.2019
Das große Gatter am Stülper Huk und auch der Weg dahinter sind gesperrt worden. Quelle: Sven Wehde
Kücknitz

„Das ist ja ein Ding“, sagt Bernd Freitag. Er ist mit seinem Golden Retriever „Rudi“ extra aus Neustadt in Ostholstein gekommen, um am Dummersdorfer Ufer spazieren zu gehen. Zum ersten Mal hört er davon, dass ausgerechnet der Höhepunkt eines jeden Spaziergangs in dem Naturschutzgebiet gesperrt sein soll. An dem großen Gatter, hinter dem es hinunter zu der hakenartigen Halbinsel mit dem kleinen Berg geht, hängen seit einigen Wochen eindeutige Schilder. „Kein Weg“ und „Durchgang verboten“ steht darauf, und auch das Tor ist neu gebaut und fest verschlossen. „Also ich gehe da trotzdem runter“, sagt Freitag, „dafür sind wir ja hergekommen, ich habe extra meinen Fotoapparat dabei.“ Tatsächlich sind an den kleinen Klapptüren, die über kleine Pfade ganz in der Nähe des großen Tores erreicht werden können, keine Schilder angebracht. Im Gegenteil: Ein kleiner grüner Pfeil mit der Aufschrift Rundweg lädt sogar zum Wandern ein.

Rundweg oder gesperrter Weg?

Aber was ist jetzt richtig? Dürfen die Lübecker noch zum Stülper Huk? Angebracht hat die neuen Verbotsschilder der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer im Auftrag der Stadt. „Es stimmt, die Gatter sind jetzt fest verschlossen – und ein Durchgehen ist auch nicht mehr erlaubt“, sagt Angela Braun von Landschaftspflegeverein. Sie gibt aber zugleich Entwarnung: „Spaziergänger dürfen aber trotzdem weiterhin an das Stülper Huk gehen.“ Die Besucher sollen aber die kleinen Klapppforten nutzen, die einige Meter abseits des Hauptweges und unten in Ufernähe auf das Gelände führen. Diese Pforten fallen automatisch wieder zu, so dass Schafe, die zeitweise am Stülper Huk grasen, nicht entkommen können. Angela Braun bittet um Verständnis für die Maßnahme. Früher wurde das Gatter oft zerstört, aufgeschnitten oder nicht wieder ordentlich geschlossen. „Ich habe sogar schon jemanden erwischt, der einfach mit einem Auto und Pferdeanhänger dort durchgefahren ist, um unten an der Trave auszureiten. Das geht natürlich gar nicht“, sagt Braun. Es geht dabei nicht nur um den Schutz der Schafe, auch sehr viele Vögel brüten derzeit in dem Gebiet. „Wir appellieren daher grundsätzlich an alle Spaziergänger, Hunde immer an der Leine zu behalten und auf den Wegen zu bleiben“, sagt Braun. So wurde neben den Gattern auch nur ein weiterer Trampelpfad, der nicht zum offiziellen Wegenetz gehört, geschlossen.

Kein offizieller Weg gesperrt

„Das stimmt“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, „es ist grundsätzlich kein Weg gesperrt worden, der bisher zulässig den Besuchern zur Verfügung stand!“ Der Landschaftspflegeverein habe lediglich die Besucherlenkung vom alten Parkplatz im Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer zum Stülper Huk und zur Liegewiese hin verbessert, damit die Besucher nicht unwissentlich unzulässige Wege benutzen. Dafür seien zusätzlich kleine grüne Schilder angebracht worden, die auf den Rundweg und die Liegewiese hinweisen. Gesperrt ist jetzt allerdings auch der gern genutzte breite Weg, der vom Gatter direkt geradeaus hinunter zum Wasser führt. Diese Fahrspur sei aber ebenfalls kein zulässiger Weg, sondern werde nur für die Beweidung gebraucht. „Deswegen wurde dort ein Schild „Kein Weg“ aufgestellt“, so Dorel.

Besucher sollen am Stülper Huk laufen dürfen, aber nur auf dem Rundweg.

Alte Kiesgrube wird aufgefüllt

Für die Spaziergänger ist es ein Glück, dass sie zumindest weiter ans Stülper Huk dürfen. In den vergangenen Jahren wurden die Möglichkeiten für Wanderer an dem beliebten Ausflugsziel bereits eingeschränkt. So ist die Verbindung zwischen dem Dummersdorfer Ufer und der Straße Sandfeld derzeit gesperrt, und wird es auch noch bis zum Ende 2020 bleiben. Für den Neubau von zwei Hallen werden derzeit 900 000 Kubikmeter Erde am Skandinavienkai ausgehoben und damit eine ehemalige Kiesgrube am Dummersdorfer Ufer aufgefüllt. Damit Passanten nicht durch die Bagger gefährdet werden, ist der Zugang zur Straße geschlossen worden.

Bereits 2015 wurde der andere Teil der Kiesgrube rund um den Krebssee für Spaziergänger geschlossen. Dort weiden jetzt Galloway-Rinder als natürlich Landschaftspfleger. Sie halten die Vegetation kurz und schaffen so einen idealen Lebensraum für Reptilien. Das Fleisch der Rinder wiederum wird später als Biofleisch vermarktet. Als Ersatz wurde um die Weide herum ein kleiner Trampelpfad angelegt.

Sven Wehde