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Lübeck Weiher vs. Lindenau: Der letzte Schlagabtausch
Lokales Lübeck Weiher vs. Lindenau: Der letzte Schlagabtausch
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18:50 17.11.2017
Moderator Andreas Rackow (Mitte) führte durch einen Abend mit den Wohlfahrsverbänden sowie Kathrin Weiher und Jan Lindenau. Quelle: Margitta True
Lübeck

Ein wenig überrascht von der großen Resonanz war die Sprecherin der Freien Wohlfahrtsverbände Dorothee Martini, als sie die Zuhörer im voll besetzten Hoghehus begrüßte. Doch immerhin sollte es um die Zukunft „des sozialen Gesichts dieser Stadt“ gehen. Moderator Andreas Rackow führte durch einen Abend mit lebhaften Diskussionen.

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Auch wenn es bei vielen Themen gemeinsame Positionen gab – Weiher sprach sogar immer wieder Übereinstimmungen mit Lindenau an – stellten sich die Kandidaten mit unterschiedlichen Ansätzen vor. So verwies Kathrin Weiher, die im Wahlkampf von einem Bündnis aus CDU, Grünen, FDP, BfL und Linken unterstützt wird, bei vielen Themen auf das Subsidiaritätsprinzip: Die Stadt schafft die Rahmenbedingungen und wirkt unterstützend, lagert aber soziale Aufgaben zum Teil an freie Träger aus.

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Die Kultursenatorin wies mehrfach auf die Kompetenz und Erfahrung der Verbände hin. Das gelte auch in Bezug auf unbesetzte Stellen im sozialen Bereich: „Die Stadt muss nicht alles allein machen.“ Weiher verwies zudem auf Projekte, in denen beispielsweise Kommunen gemeinsam mit Fachhochschulen ein Konzept des dualen Studiums entwickelt hatten, um pädagogische Fachkräfte zu gewinnen: „In diese Richtung wird es gehen.“

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Lindenau dagegen plant, gezielt Stellen zu besetzen oder abzubauen. Bis 2030 gingen 1400 Mitarbeiter der Verwaltung in den Ruhestand. „Dann kommen wir an die Grenzen der Funktionsfähigkeit der Stadt.“ Durch die Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben könnten Stellen wegfallen, das sei im sozialen Bereich aber nicht möglich. „Ich glaube nicht an Kinderbetreuung per WLan“, so der SPD- Fraktionsvorsitzende. Hier müsse jetzt über den Bedarf hinaus eingestellt werden. Zudem strebt Lindenau eine Koordinierungsstelle für das Ehrenamt an, „für eine bessere Kooperation mit der Stadt und zur Unterstützung beim Einwerben von Drittmitteln.“ Weiher lehnt die Idee ab: „Ich denke nicht, dass wir als Kommune in diese Lücke stoßen müssen.“ Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass die Bewältigung der Flüchtlingskrise ehrenamtlich ohne eine enge Kooperation mit der Verwaltung nicht möglich gewesen sei.

Neben der veralteten Webseite der Stadt, die viele heute selbstverständliche digitale Angebote nicht leiste, waren auch die Stadtteilbüros Thema. Weiher sagte, bis Ende des ersten Quartals im kommenden Jahr würden die freien Stellen am Meesenring besetzt. Zudem könnten Mitarbeiter auch mobil in den Stadtteilen oder in Schulen Dienstleistungen erbringen. Der Bürgerkoffer sei eine Option, die in anderen Kommunen gut funktioniere. Lindenau favorisiert einen zentralen Verwaltungsstandort in der Innenstadt sowie mehrere Stadtteilhäuser. Im Sinne der Barrierefreiheit müssten dort alle Erledigungen möglich sein – ganz gleich, ob Wohngeldantrag oder neuer Personalausweis – und die Internetseite entsprechend modernisiert werden. Schulen litten jetzt schon unter Platzmangel, Raum für mobile Verwaltungsdienstleistungen gebe es dort nicht. „Es ist effizient, die Räume zu nutzen, die man hat“, hielt Weiher dagegen.

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Im sozialen Bereich spielt nicht nur der Mangel an bezahlbaren Wohnungen eine Rolle, sondern auch die fehlende Barrierefreiheit. In vielen Wohnungen, so die Kritik aus dem Publikum, sei Pflege zu Hause aufgrund fehlender baulicher Voraussetzungen gar nicht möglich. „Ich kenne die Situation“, so Weiher. Die Diplom-Diakoniewissenschaftlerin sagte zu, jede Chance der Einflussnahme bei Bauvorhaben zu nutzen. Allerdings seien die Möglichkeiten der Stadt hier begrenzt. Die Bauindustrie wolle vor allem im Hochpreissegment bauen. Daher gelte es, die Wohnungsbaugesellschaft „Trave“ weiter zu stärken. Lindenau forderte außerdem baurechtliche Veränderungen, um die weitere Umnutzung von Wohnungen in Ferienwohnungen zu verhindern.

Roter Faden der Diskussion war neben dem Personalmangel im sozialen Bereich auch der Sanierungsbedarf in Gebäuden. In einigen Seniorenheimen seien die Betriebskosten zu hoch, nicht jedes städtische Heim könne erhalten werden, so Weiher. Sie regt Mehrgenerationenhäuser an. Lindenau sprach sich für mehr Neubauten aus.

 Von Margitta True