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Lübeck Kriegsmunition: Kurdirektor fordert Bergung der Altlasten
Lokales Lübeck Kriegsmunition: Kurdirektor fordert Bergung der Altlasten
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14:41 21.08.2019
Immer wieder werden Munitionsreste (hier ein Torpedo) aus dem Zweiten Weltkrieg an Ostseestrände in der Lübecker Bucht angespült. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

„Ich bin sprachlos, wie dramatisch die Lage ist.“ Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff fordert eine zügige Bergung dermilitärischen Altlasten vom Boden der Ostsee. Nach Angaben von Jens Sternheim vom Kieler Innenministerium lagern rund 50 000 Tonnen Weltkriegsmunition in der Lübecker Bucht – von der Mine bis zum Torpedokopf. „Die Lübecker Bucht ist die tourismusintensivste Region Deutschlands“, sagte Kirchhoff im Umweltausschuss der Bürgerschaft, „alle, die vom Tourismus oder von der Fischerei leben, müssen jetzt aufschreien. Wir entziehen uns unsere Grundlage, viele Tausend Arbeitsplätze sind bedroht.“

„Die Lage ist dramatisch“: Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Quelle: Thomas Krohn

Über mögliche Gefahren aufklären

An Stränden der Lübecker Bucht sei bisher sechs Mal Munition gefunden worden, erklärte Sternheim. Der Experte riet den Lübeckern, die Bevölkerung über mögliche Gefahren aufzuklären. In Heikendorf beispielsweise seien Merkblätter an Camper verteilt worden. Die Touristen würden nachweislich nicht abgeschreckt, versicherte der Fachmann aus dem Umweltministerium. „Wir fordern seit Jahren Aufklärung der Bürger“, sagte Rolf Müller (FDP), „die Lübecker müssen grundsätzlich Bescheid wissen.“

Tumore bei Fischen

Welche Schäden die Munitionsreste auf dem Boden der Ostsee verursachen, schilderte Jens Sternheim anhand einer Untersuchung in der Kieler Bucht. Dort seien Fische und Muscheln untersucht worden. Bei 30 Prozent der Fische seien Tumore gefunden, die Wissenschaftler auf den Sprengstoff zurückführen, der aus rostender Munition entweicht. Sternheim kündigte eine entsprechende Untersuchung für dieses und nächstes Jahr in der Lübecker Bucht an. Sternheim: „Dazu werden Wasserprobe genommen und Miesmuscheln in Käfigen ins Wasser gebracht. Nach vier Wochen sehen wir, wie groß die Anreicherung von Munition in den Muscheln ist.“

„Wir brauchen die Bergung

Eine Untersuchung der Lage reiche nicht, warnte Kurdirektor Kirchhoff: „Wir brauchen die Bergung. Je länger wir warten, desto schwieriger wird es, verrostete Minen herauszuholen.“ Sternheim, der eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Munition im Meer leitet, machte klar: „Eine Bergung kann Schleswig-Holstein nicht allein bezahlen.“ Diese Aufgabe erfordere mehrere Jahrzehnte Zeit und koste immense Summen. „Wir brauchen ein Sanierungskonzept, das für Jahrzehnte durchfinanziert ist“, erklärte der Experte.

Eine Frage des Geldes

Von Unterwasser-Sprengungen riet Sternheim dringend ab. Erstens würde der Sprengstoff dabei nicht vollständig verbrennen – und zweitens seien Schallwellen kilometerweit für Meereslebewesen tödlich. Sternheim hält 80 Prozent der Munition für bergungsfähig. „Das ist keine technisches Problem, sondern eine Frage des Geldes.“ Man könne sogar Entsorgungsanlagen auf dem Meer betreiben. Sternheim: „Wenn Bund und Länder es ernst meinen, dann können wir sofort loslegen.“

Der Umweltausschuss will in seiner nächsten Sitzung am 17. September einen Appell an den Landtag verabschieden, dass Schleswig-Holstein endlich handeln soll.

Von Kai Dordowsky

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