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Lübeck Weniger Straftaten, höhere Aufklärungsquote in Lübeck
Lokales Lübeck Weniger Straftaten, höhere Aufklärungsquote in Lübeck
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19:32 02.04.2019
Präsentierten am Dienstag im Behördenhochhaus die Kriminalitätsstatistik für 2018: Detlef Riedel (v. l.), Jochen Berndt, Detlev Zawadzki, Norbert Trabs und Dr. Lars Riesner vom LKA, der die Dunkelfeld-Studie erstellt hat. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Es war eine Premiere, auf die Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck, sichtlich stolz ist: Erstmals wurde neben der Kriminalitätsstatistik, die das sogenannte „Hellfeld“ der registrierten Straftaten abbildet, auch das „Dunkelfeld“ in einer Studie aus dem Landeskriminalamt beleuchtet.

Aufklärungsquote über Landesschnitt

Insgesamt 929 Straftaten weniger als im Vorjahr wurden in Lübeck im Jahr 2018 registriert – der niedrigste Stand seit zehn Jahren – die Aufklärungsquote stieg von 54,9 auf 56,1 Prozent und liegt geringfügig über der des Landes (54,5 Prozent).

Norbert Trabs, Leiter Polizeidirektion Lübeck: „Die Zahl der erfassten Straftaten ist auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Das Minus bei den Straftaten geht zum großen Teil aufs Konto des Rückgangs der Diebstähle. Neben einem Rückgang der Ladendiebstähle besonders erfreulich: Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle sank zwischen 2017 und 2018 um 121 oder 30,3 Prozent auf 278. Zudem stieg die Aufklärungsquote in diesem Bereich von 12,3 auf 14,4 Prozent. Noch gravierender der Vergleich mit 2014 bis 2016: Hier waren es mehr als 500 Einbruchsdiebstähle, 2015 sogar 611.

Prävention zahlt sich aus

„Wohnungseinbruchsdiebstahl“, so Polizeidirektor Trabs, „geht unter die Haut“. Deshalb sei es seit Jahren ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit. Der Rückgang allerdings sei zurückzuführen auf verstärkte Anstrengungen von allen Seiten: Bewohner sicherten ihre Häuser besser, Nachbarn seien aufmerksamer. Zudem habe die Polizei in Lübeck eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, die vom Herbst bis zum Frühjahr, also in der dunklen Jahreszeit, tätig werde.

In Zahlen

119 Kraftfahrzeugewurden auf Lübecker Gebiet noch im Jahr 2017 geklaut – nur noch etwas mehr als die Hälfte, nämlich 68, waren es im vergangenen Jahr. Die Polizei führt das auf bessere Sicherung der Autos zurück.

Straßenkriminalität ist in Lübeck seit Jahren rückläufig – zwischen 2017 und 2018 sank sie in der Hansestadt von 5712 auf 5368 Delikte und damit um sechs Prozent.

Die Zahl der registrierten Sexualdelikteist ebenfalls gesunken: Wurden im Jahr 2017 insgesamt 56 Vergewaltigungen angezeigt, waren es 2018 exakt 42. Sexueller Missbrauch von Kindern schlägt sich in der Statistik für 2017 noch 64mal nieder, im Jahr 2018 waren es 44 Fälle.

Die Innenstadtsteht mit 5190 Straftaten im Jahr 2018 (2017 = 5294) an erster Stelle, gefolgt von St. Lorenz Nord mit 4193 Delikten 2018 (2017 = 4698). Die wenigsten Straftaten wurden 2018 in Schlutup verzeichnet: 428 – allerdings mehr als im Vorjahr (393).

In einem Bereich verzeichnet die Kriminalitätsstatistik für Lübeck allerdings einen Anstieg der registrierten Straftaten: bei den Rauschgiftdelikten. Statt 1529 im Jahr 2017 wurden 1704 im Jahr 2018 verzeichnet. Was Trabs jedoch auf einen gewissen Kontroll- und Ermittlungsdruck zurückführt. Die Zahl sei „ein Beleg für die intensive Polizeiarbeit“. Dabei handele es sich vor allem um Delikte im Bereich des Konsums und des „kleinen Handels“, ergänzt Kriminaldirektor Detlev Zawadzki.

Gewerkschaften fordern mehr Personal

Während Jörn Löwenstrom von der Regionalgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) die höheren Fallzahlen ebenfalls als Erfolg bewertet und mehr personelle Ressourcen anmahnt, betrachtet die Deutsche Polizeigewerkschaft im dbb (DPolG) den Anstieg der Rauschgiftdelikte mit Sorge.

Die Steigerung lasse sich nicht allein mit dem polizeilichen Verfolgungsdruck erklären. Auch Kreisvorsitzender Thomas Nommensen mahnt mehr Personal an. Aber: „Die Schwerpunkte in dem Bereich liegen zu sehr auf der Bekämpfung des Kleinhandels und Konsum von Drogen.“ Er fordert, die Priorität müsse „zukünftig klar bei der strafrechtlichen Verfolgung der mittleren und oberen Händlerebene liegen.“

Betrug an Älteren

Starken Aufholbedarf, räumt Kriminaldirektor Jochen Berndt ein, habe die Polizei noch bei Straftaten, die sich gegen ältere Mitbürger richten. Er spricht nicht von Gewalttaten, sondern von Betrug wie Enkeltrick oder – aktuell besonders beliebt – den falschen Polizeibeamten. „Trotz großer Aufklärungsarbeit“, so Berndt, „haben wir immer noch wöchentlich Opfer zu beklagen, und die Summen sind oft sehr hoch.“

Jochen Berndt, Kriminaldirektor: „Der Betrug an älteren Mitbürgern wird uns die nächsten Jahre noch stark beschäftigen.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Ein Problem aus Sicht des Kriminaldirektors: „Die Menschen in den Call-Centern, die die Anrufe tätigen, sind unglaublich gut geschult.“ Immer wieder würden wellenartig bestimmte Bereiche angerufen, „und leider kommen wir oft zu spät.“ Diese Art Betrug werde die Polizei in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen.

Lübeck landesweit an zweiter Stelle

Übrigens: Auch wenn Lübeck sicherer geworden zu sein scheint: Landesweit steht die Hansestadt immer noch an zweiter Stelle hinter Neumünster, auch wenn die Zahl der Straftaten von 10 896 je 100 000 Einwohner im Jahr 2017 auf 10 487 im Jahr 2018 gesunken ist.

Sabine Risch

Eine Erhebung der Polizei beleuchtet das sogenannte Dunkelfeld. Besonders selten werden Bedrohungen und Sexualdelikte gemeldet. Untersucht wurde auch, wie sicher sich die Menschen fühlen und wie sie sich in Hinblick auf ihre Sicherheit verhalten.

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