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Lübeck Wenn das Geld auf der Straße liegt
Lokales Lübeck Wenn das Geld auf der Straße liegt
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21:01 12.09.2014
Die Beamten in der Polizeiwache Hansestraße staunten nicht schlecht, als Arzu Vural die gefundenen 2995 Euro auf den Tisch legte. Schon wenige Stunden später meldete sich der 84-jährige Eigentümer. Für die ehrliche Finderin ließ er 100 Euro zurück. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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So einen Arbeitstag hat Arzu Vural in den vergangenen 17 Jahren auch noch nicht erlebt. Als die Taxifahrerin vorgestern gegen 10.30 Uhr einen Fahrgast am Bahnhof absetzt, will sie nur kurz wenden, um auf dem nahegelegenen Taxistand zu parken. Doch dann sieht sie auf der Straße jede Menge Geldscheine liegen.

„Ich habe mich gewundert und gedacht, dass es sich wahrscheinlich um Spielgeld handelt“, erzählt die 42-Jährige. Mehrere Passanten überqueren die Kreuzung, ohne das Geld aufzuheben. Sogar Autos überrollen die Scheine. Schließlich steigt Vural doch aus, um zu schauen, was es mit dem Geld auf sich hat. Beherzt sammelt sie die Scheine ein und merkt, dass sie echt sind. „Es waren jede Menge Hunderter und ein paar Fünfziger“, erzählt sie, „plötzlich halfen mir auch die anderen Passanten beim Aufsammeln.“ Doch weil Vural dem unverhofften Geldregen nicht traut, will sie mit der ganzen Sache zunächst gar nichts zu tun haben. Noch während sie das Geld in der Hand hält, ruft sie die Polizei. Sie berichtet den Beamten, dass sie viel Geld gefunden hat, und fragt, was sie tun soll. Die Polizisten schicken Vural daraufhin in das nahe gelegene Polizeirevier.

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Gezählt hat die Türkin das Geld nicht, als sie es in der Wache in der Hansestraße auf den Tisch legt. Der Beamte übernimmt das, es sind genau 2995 Euro. „Man ringt natürlich schon mit dem inneren Schweinehund, ob man das Geld behalten oder abgegeben soll“, erzählt Arzu Vural, „aber dann überwiegt doch die Ehrlichkeit.“ Sie ist erleichtert, als sie das Geld abgegeben hat. „So ein Pfadfindergefühl stellt sich da ein“, sagt sie lachend. Dann setzt die 42-Jährige ihre Taxifahrt fort, sechs Stunden Schicht liegen noch vor ihr.

Andernorts dürfte ein 84-jähriger Lübecker in diesem Moment bereits Blut und Wasser geschwitzt haben. Denn er hatte kurz zuvor 3000 Euro bei der Commerzbank abgehoben und es beim Überqueren der Straße verloren. Erst als der Mann zu Hause angekommen ist, bemerkt er den Verlust. Schnell erkundigt er sich bei der Bank und der Polizei nach dem Verbleib. Und er hat Glück. Gegen 16 Uhr kann er fast die volle Summe im 2. Polizeirevier abholen. Die fehlenden fünf Euro sind vermutlich weggeweht. „Ich hab mich richtig gefreut, als ich gehört habe, dass der Besitzer gefunden wurde“, sagt Vural. Für die ehrliche Finderin hinterlässt der Rentner einen Umschlag mit 100 Euro Finderlohn. „Davon werde ich shoppen gehen“, freut sich die Lübeckerin, „ich werde mit Sicherheit Schuhe kaufen.

Das werden die schönsten Schuhe überhaupt.“Als Taxifahrerin ist es für Arzu Vural nicht ungewöhnlich, Dinge anderer Menschen zu finden. Einen derart großen Fund hatte sie allerdings noch nie.

„Tagsüber verlieren die Menschen kaum etwas im Wagen“, erzählt sie, „aber bei der Nachtschicht fällt angetrunkenen Fahrgästen oft das Handy oder der Schlüssel aus der Tasche.“ Die Fundgegenstände werden an die Zentrale der Lübecker Funktaxen gegeben. „Das hier ist schon etwas aufregender“, sagt Vural, „und ich bin froh, dass ich zeigen kann, dass Taxifahrer auch ehrliche Menschen sind. Wir haben oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass wir einfach alles einstecken.“

Große Funde in Lübeck

16 000 Euro fand ein junger Lübecker im Jahr 2010 an einer Tankstelle in Genin. Ein eiliger Autohändler hatte das Geld vergessen. Der ehrliche Lübecker freute sich über 480 Euro Finderlohn.


Um 1000 Euro ging es im Jahr 2012. Damals fand ein Spaziergänger Geld, das zuvor jemandem aus der Hosentasche gefallen war.

1200 Euro lagen vor wenigen Monaten in einem Bus, eine 58-Jährige brachte den herrenlosen Beutel Bargeld zur Polizei.
Wer eine Sache findet, ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Fund anzuzeigen und die Sache dem Eigentümer zurückzugeben oder alles der Polizei zu übergeben.



Der Eigentümer muss einen Finderlohn zahlen. Bei einem Wert der Sache bis zu 500 Euro sind fünf Prozent und bei größeren Beträgen drei Prozent an den Finder zu zahlen.


Nur den halben Finderlohn gibt es, wenn Gegenstände in einer Behörde oder in öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden wurden.

Maike Wegner

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