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Lübeck Werden Mädchen durch Knabenchöre diskriminiert?
Lokales Lübeck Werden Mädchen durch Knabenchöre diskriminiert?
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20:00 29.12.2018
Im Leipziger Thomanerchor singen nur Jungen – Mädchen werden nicht aufgenommen. Quelle: epd
Lübeck/Berlin

Eine Rechtsanwältin aus Berlin bläst zur Attacke auf die Knabenchöre: Sie sieht einen Verstoß gegen das Grundgesetz, weil in Knabenchören wie den berühmten „Thomanern“ keine Mädchen singen dürfen. „Die bislang in den Knabenchören allein Jungen vorbehaltenen Ausbildungs- und Auftrittschancen sollten beiden Geschlechtern gehören“, fordert Anwältin Susann Bräcklein, die sich derzeit mit drei Fällen beschäftigt, bei denen Mädchen von Spitzenchören abgelehnt wurden. In Lübeck verfolgt man die Debatte gelassen.

„Eigentlich singen mehr Mädchen.“

„Ich finde es richtig und wichtig, dass es die gleichen Möglichkeiten für Jungen und Mädchen geben muss“, betont Karl Hänsel, Leiter der Lübecker Knabenkantorei an St. Marien. Er würde aber einen anderen Schluss daraus ziehen: „Es muss neben Knabenchören auch Mädchenchöre und gemischte Singgruppen geben.“ In Lübeck gibt es parallel zur Knabenkantorei, dessen Konzertchor rund 50 Sänger hat, auch den Mädchenchor „Canta!“ der Gemeinnützigen. „Wir haben den glücklichen Umstand, dass wir seit einigen Jahren auch dieselbe Ausbildung für Mädchen anbieten können“, sagt Hänsel. Aus klanglicher und aus pädagogischer Sicht finde der Unterricht getrennt statt. Es sei schwierig genug, Jungen für einen Chor zu begeistern. „Eigentlich singen mehr Mädchen.“

Wolfgang Nagel, Vorsitzender des Lübecker Männerchores von 1842, zeigte sich überrascht von der Debatte. „Die Knabenchöre sind eine Mini-Sparte des Chorgesangs.“ Reine Männerchöre würden auch immer seltener. „Singen ist inzwischen eine Domäne der Frauen geworden.“ Der Lübecker Männerchor, einst um die 80 Mann stark, hat heute gerade mal 20 Sänger. „Das ist nicht gegen die Frauen gerichtet“, ergänzt Chorleiter Henning Zarnkow. Er führt musikalische Gründe an. „Es gibt ein spezielles Gesangsrepertoire für Männer.“

Aus dem Mittelalter

Die Wurzeln der Knabenchöre reichen bis ins Früh- und Hochmittelalter. Vor allem in Kirchen, in denen weiblicher Gesang noch bis ins 19. Jahrhundert verboten war, wurden Jungen und auch kastrierte Männer eingesetzt.

Der Leipziger Thomanerchor wurde 1212 gegründet und zählt nach dem Aachener Domchor, den Regensburger Domspatzen und dem Stadtsingechor zu Halle zu den vier ältesten Knabenchören Deutschlands und Europas.

Viele Sänger bleiben nach dem Stimmwechsel im Chor und singen in einer Männerstimme.

Musikwissenschaftler und Chor-Verantwortliche argumentieren auch damit, dass gerade Knabenchöre einen unverwechselbaren Klang besitzen. Auch sei für Jungen ein anderes Repertoire komponiert worden als für Mädchen. Das will Anwältin Bräcklein nicht gelten lassen: Das Argument der Werktreue sei relativ, stimmliche Besetzungen würden oftmals verändert. Sie hält es für problematisch, die Diskussion allein aus der Perspektive der Hörer und Konsumenten zu führen. „Primär sollte es um die Grundrechtsverwirklichung von Kindern gehen“, erklärte sie. Wenn Mädchen keinen Zugang zu bekannten Knabenchören hätten, die staatlich gefördert würden, sei dies eine Diskriminierung nach Artikel 3, Absatz 3 der Verfassung, der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts verbietet, sagte die Juristin. „Die bekannten Knabenchöre müssen sich bei einer Öffnung natürlich umstellen. Hier sehe ich schon die Gefahr des reflexhaften Widerstandes“, sagte Bräcklein. Sie appellierte an die Führungskräfte in den Chören, Traditionen mutig infrage zu stellen.

Julia Paulat

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