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Lübeck Wie bei den Piraten: Traditionssegler geplündert
Lokales Lübeck Wie bei den Piraten: Traditionssegler geplündert
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10:48 07.12.2014
Die Tampen, mit denen das Großsegel befestigt war, sind zerschnitten. Crew-Mitglied Bernd Ney (l.) und Skipper Olaf Haupt können es nicht fassen, dass Diebe ihren Traditionssegler „Hansine“ heimgesucht haben. Der Schaden ist immens. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Fassungslos blicken Olaf Haupt und seine Crew auf das Ausmaß des Diebstahls auf ihrem Traditionssegler „Hansine“. „Das ist unglaublich, einfach dreist!“, sagt Haupt.

Vermutlich in einer penibel geplanten Aktion haben Unbekannte das an der Wallhalbinsel liegende Schiff regelrecht geplündert. Der Skipper ist stinksauer.

Am gestrigen Sonnabend wollten der Kieler Haupt und seine Frau Franziska sowie die beiden aus Berlin angereisten Segler Bernd Ney und Michael Nadolny das Schiff winterfest machen. Doch daraus wurde erstmal nichts. Die „Piraten“ hatten bis auf den hinteren Besan alle Segel mitgenommen. „Großsegel und Großschot wurden herausgetrennt“, erzählt Bernd Ney und zeigt die zerschnitteten Tampen. Auch der Klüver, die Fock, das Topsegel und alle Ersatzsegel sind futsch. Doch das ist noch lange nicht alles. Die dreisten Diebe haben auch die gesamte elektronische Anlage mit Funk- und Navigationsgeräten sowie die Steuerungsanlage fachmännisch ausgebaut. Sowohl der Steuer- als auch der Kreiselkompass fehlen. Immerhin, damit das Hydrauliköl nicht auf die Planken läuft, haben die Täter eine Auffangwanne druntergestellt. Auch das historische hölzerne Steuerruder wurde sauber abmontiert. „Es müssen mehrere Personen gewesen sein. Und sie müssen einen Transporter dabei gehabt haben oder sogar mit einem anderen Schiff längsseits gelegen haben“, glaubt Olaf Haupt. Allein das Großsegel wiegt schon 200 bis 300 Kilogramm. Und die verschwundene Rettungsinsel (300 Kilogramm) ist kaum von einer oder zwei Personen zu transportieren.

Auch unter Deck haben die „Piraten“ gewütet. Sie haben die Schlösser der Luken geknackt und die Kartenplotter samt Monitor ausgebaut. Sogar vor dem Besteck, den Sitzkissen und Klappstühlen haben sie nicht Halt gemacht. „Alles in allem dürfte sich der Schaden auf mindestens 100000 Euro belaufen“, schätzt Haupt. Noch unklar ist, ob die Ausrüstung versichert ist.

Die „Hansine“ war am 1. November zusammen mit fünf Schiffen auf der Ostsee zum Absegeln unterwegs. Danach konnte der Traditionssegler nicht wie üblich an seinem angestammten Liegeplatz im Museumshafen vor der Musik- und Kongresshalle (MuK) festmachen, weil die Drehbrücke nicht geöffnet werden konnte. Also legte man sich hinter die „Lisa von Lübeck“. Heute wird die fahruntüchtige „Hansine“ vom Museumsschiff „Titan“ an ihren alten Platz geschleppt. „Wir wollten an diesem Wochenende alles ausbauen, Segel und Ausrüstung einlagern“, so Olaf Haupt. „Jetzt haben wir nur noch drei Monate Zeit, um Ersatz zu beschaffen und das Schiff für die neue Saison klar zu machen. Polizei und Crew bitten um Hinweise auf verdächtige Aktivitäten zwischen dem 27. November und 5.

Dezember. Auffällig ist das Großsegel. Es trägt die alte Fischereikennung FN 121.

Haikutter „Hansine“
1898 wurde der Fischkutter in Dänemark gebaut. Wegen seiner Schnelligkeit wurde das 19 Meter lange Schiff auch Haikutter genannt. Die Crew fischte „ wie die Haie“ den anderen den Fang weg. Noch heute trägt die „Hansine“ ihr damaliges Fischereizeichen FN 121. Seit der Restaurierung 2008 ist der Traditionssegler auf der Nord- und Ostsee unterwegs.

Heiko Pump