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Lübeck Wie gut ist Lübecks Wasser?
Lokales Lübeck Wie gut ist Lübecks Wasser?
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18:29 25.11.2013
Leitungswasser oder doch lieber Mineralwasser? Stephanie Grüneberger machte den Test. Der 15-Jährigen schmeckt das Lübecker Wasser genauso gut wie die Konkurrenz aus der Flasche. 1000 Liter aus dem Küchenhahn kosten gerade mal 1,89 Euro. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

71 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. In Äpfeln, Käse, Brot, Milch — überall ist das flüssige Gut enthalten. Selbst der menschliche Körper besteht zu 60 bis 70 Prozent daraus.

Keine Frage, Wasser ist Leben. Circa 122 Liter verbraucht jeder Bundesbürger pro Tag. Aber wo kommt eigentlich das Wasser her, das zu Hause aus dem Hahn sprudelt? Wie gesund und sicher ist es? Die Lübecker Nachrichten wollten es wissen und begaben sich auf Wasser-Tour.

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So funktioniert die Wasserversorgung Lübecks.

Ein kontinuierliches Zischen durchströmt die Halle der Speicher- und Druckerhöhungsstation Roggenhorst. „Laut hier“, schreit Martin Pieper, Leiter des Bereichs Wasserwirtschaft bei den Stadtwerken Lübeck, gegen den Lärm an. Auf Stelzen ist ein großes blaues Leitungsrohr kurz über dem Hallenboden befestigt. Pieper deutet auf das Display: „482,7 Kubikmeter pro Stunde, so viel Wasser fließt hier durch.“ Wasser aus Hamburg.

Seit 2009 kooperieren die Stadtwerke mit dem kommunalen Wasserversorger „Hamburg Wasser“. Über eine 37 Kilometer lange Leitung kommen jährlich rund vier Millionen Kubikmeter Wasser aus Großhansdorf in die Hansestadt, werden ins hiesige Netz gespeist oder in den riesigen Wassertanks am anderen Ende der Halle zwischengespeichert. Ein Drittel des Lübecker Wasserverbrauchs wird so gedeckt, die übrigen acht Millionen Kubikmeter kommen von hier. Oder besser aus dem Lübecker Grund, aus etwa 100 Metern Tiefe.

„Wir haben eine privilegierte Situation, was die Grundqualität des Wassers betrifft“, sagt Lars Hertrampf, Pressesprecher der Stadtwerke. So würde nur Tiefengrundwasser zur Versorgung entnommen werden. Probleme mit Rückständen etwa aus Düngemitteln gäbe es dank der 30 bis 40 Meter dicken Tonmergelschichten in der Region nicht. „Sie wirken wie natürliche Filter“, so Hertrampf.

Künstliche Filter gibt es zudem. Vierzehn riesige, hellgrüne Eisen- und Manganfilterkessel stehen in der Halle des Wasserwerkes Kleinensee in Ratekau. „Wir reichern das Wasser mit Sauerstoff an, entziehen Eisen und Mangan“, erklärt Hertrampf. Frank Meister hat die grünen Riesen im Blick. Konzentriert schaut er auf zwei Computerbildschirme im Kontrollraum des Wasserwerks. Anhand von Graphiken und Zahlen kann er genau sehen, wie viel Wasser wann und wo durchgefahren wird. Zudem erhält er Nachricht, wenn sich jemand unerlaubt Zutritt zu Hallen und Brunnen verschafft. „Alle Anlagen sind mit Objektschutz ausgestattet“, sagt Hertrampf. Mitarbeiter müssen sich anmelden. Das gesamte System sei terrorsicher, so Hertrampf.

Regelmäßige Kontrolle

Etwa zwölf Stunden dauert es, bis das Lübecker Wasser das System durchlaufen hat — vom Brunnen, durch die Filter zum Wasserhahn in Badezimmer, Küche und Garten. Vom Rohwasser bis zum Reinwasser mit Trinkwasserqualität. Damit die Qualität stimmt, müssen die Lübecker Stadtwerke wie alle Wasserversorger in Deutschland die Trinkwasserverordnung erfüllen. Sie müssen gewährleisten, dass die Konzentration von Mikroorganismen wie Bakterien und Viren im Wasser unbedenklich ist und auch chemische Inhaltsstoffe wie Eisen und Mangan die Grenzwerte nicht überschreiten. Je nach abgegebener Wassermenge sind Tests durchzuführen.

Langsam dreht Frank Meister den Wasserhahn an einem der Filterkessel los. Schnell füllt sich das kleine Eimerchen darunter mit Wasser. Meisters Untersuchsobjekt. Mit einem kleinen Messgerät stellt er PH- und Mangan-Wert des Wassers fest. Dreimal die Woche wird das Wasser im Wasserwerk getestet. „Wir haben ein großes Interesse, ein Spitzenlebensmittel zu liefern“, sagt Martin Pieper. Deshalb testen die Stadtwerke nicht nur öfter als gesetzlich vorgesehen, sondern auch an der Endabnahmestelle — also das Wasser aus dem Hahn beim Verbraucher.

Vierzig solcher Stationen gäbe es im Netz. Mehrmals in der Woche würden Proben an verschiedenen Adressen in Lübeck genommen. Laut Trinkwasserverordnung müsste die Reinheit nur bis zur Wasseruhr, also dem Hausanschluss gewährleistet werden. Was danach passiert, dafür ist der Eigentümer der Hausinstallation verantwortlich. „Wir wollen einfach wissen, wie das Produkt beim Verbaucher ankommt“, begründet Pieper die zusätzlichen Untersuchungen. 1087 waren es insgesamt in 2012.

Letzte Keimbelastung in 2010

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurden dennoch im Lübecker Wasser schon unzulässige Keime gefunden. 2010 brach ein Rohr in der Trave. Flusswasser drang ins Trinkwassernetz, 150 Haushalte mussten ihr Wasser vorübergehend abkochen, ehe die Verkeimung nach einer Woche beseitigt war. Davor war es 2003 zu einem Störfall mit verkeimten Wasser gekommen.

„Das Wasser ist gut“, stellt Werner Solbach, Professor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am UKSH dennoch fest. Seine Kollegin Nina Krause stimmt ihm zu: „Wasser ist das am besten überwachte Lebensmittel.“ Auf Mineralwasser könne man beruhigt verzichten, finden beide. Auch eine mögliche nachträgliche Keimbelastung durch verunreinigte Hausinstallationen mit dem Pfützenkeim Pseudomonas sei „an sich harmlos“, der Erreger nur für Menschen mit Immunschwächen bedenklich, so Solbach.

Wer dennoch ganz sicher gehen will, dass das Leitungswasser, das zu Hause aus dem Hahn kommt, absolut gesund ist, kann es einfach an der Universität testen lassen. Je nach Untersuchung gibt es einen solch individuellen Wassertest schon ab etwa 20 Euro — soviel kosten übrigens rund 10 000 Liter Stadtwasser.

Mehr über die Wasseraufbereitung gibt es auf www.ln-online.de/Videos

Morgens hoher Verbrauch
32 000 bis 35 000 Kubikmeter Wasser liefern die Stadtwerke pro Tag. Seit 1867 übernehmen sie die Wasserversorgung in der Stadt. Etwa 120 000 Haushalte sind ans öffentliche Wassernetz angeschlossen. Guss-, Stahl-, PE- und PVC-Leitungen sind insgesamt 737 Kilometer lang. Das meiste Wasser am Tag wird morgens zwischen sechs und zehn Uhr verbraucht — und in den Halbzeitpausen während Fußball-Weltmeisterschaften. Dann müssen die Pumpen im Wasserwerk extra hochgefahren werden.

Britta Kessing

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