Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wie verhalte ich mich richtig? Wie leiste ich Erste Hilfe?
Lokales Lübeck Wie verhalte ich mich richtig? Wie leiste ich Erste Hilfe?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 15.12.2019
In dieser Commerzbank-Filiale in der Fackenburger Allee wurde die tote Frau gefunden. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Der Fall der toten Frau, die mitten am Tag in der Commerzbank-Filiale in der Fackenburger Allee von einem Feuerwehrmann gefunden wurde, beschäftigt viele Menschen aus Lübeck. Zahlreiche Leser auf Facebook zeigen Mitleid für die Frau, Respekt für den Helfer und diskutieren die Frage: Wie verhält man sich in so einer Situation richtig?

Johanniter: Ansprechen, Anfassen, Atmung kontrollieren

Das weiß Tanja Bruhn von den Johannitern. Die 51-Jährige ist zuständig für die Ausbildung zur Ersten Hilfe und gibt Kurse dazu, außerdem ist sie seit 15 Jahren Feuerwehrfrau. „Wenn man in solch eine Situation kommt, dann muss man zunächst feststellen, ob die Person ansprechbar ist“, sagt Bruhn.

„Wenn das nicht der Fall ist und die Person auch nicht auf Berührungen reagiert, muss die Atmung der Person kontrolliert werden.“ Dafür sei es am besten, wenn man den Kopf der Person überstreckt, sich wenige Zentimeter über das Gesicht der Person beugt und dann prüft, ob sie noch atmet. „Wir sprechen da von den drei A’s: Ansprechen, anfassen, Atmung kontrollieren.“

Stabile Seitenlage oder Herz-Lungen-Wiederbelebung

Ob die bewusstlose Person atmet oder nicht, in beiden Fällen sollte man zu diesem Zeitpunkt einen Notruf absetzen und sich dann wieder um die Person kümmern. „Wenn Atmung festgestellt wurde, muss die Person in die stabile Seitenlage gebracht und die Atmung solange weiter kontrolliert werden, bis die Rettungskräfte eintreffen“, sagt Bruhn.

Wenn die Person nicht mehr atmet, muss schnell mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. „Dafür drückt man mit dem Handballen 30 Mal auf die Mitte des Brustkorbs, immer im Wechsel mit zwei Beatmungen, entweder Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase“, sagt Bruhn. Auch die Reanimation muss solange gemacht werden, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Wer nichts tut, macht sich strafbar

Eine Leserin berichtet auf Facebook, dass sie sich nicht sicher sei, wie sie in dieser Situation reagiert hätte. Andere sagen, sie hätten gewiss nichts getan, schließlich könne es auch sein, dass die obdachlose Person nur schlafe. Tanja Bruhn stellt fest: „Wenn ich eine Person sehe, die regungslos herumliegt, und ich tue nichts, dann ist es unterlassene Hilfeleistung – und das ist eine Straftat.“

In §323c des Strafgesetzbuches heißt es: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Helfer werden auch bei Fehlern nicht bestraft

Wer allerdings versucht zu helfen, ist auf der sicheren Seite, selbst wenn er in solch einer Extremsituation nicht alles richtig macht. „Wenn jemand Erste-Hilfe-Maßnahmen vornimmt und dabei Fehler macht, die vielleicht sogar schlimme Folgen haben, wird nicht bestraft. Es gibt also keinen Grund, nicht zu helfen.“

Weitere Nachrichten zum Thema „Obdachlose in Lübeck“

Essensausgabe und Notunterkünfte: Hier bekommen Obdachlose in Lübeck Hilfe

Viele Bürger engagieren sich: Wie Lübeck den Obdachlosen hilft(Januar 2017)

Warme Decken und eine heiße Suppe: Wie eine private Initiative Obdachlosen in Lübeck helfen will (November 2017)

Obdachloser in Lübeck gestorben: Helfer fordern Kältebus (November 2018)

Sozialausschuss entscheidet: Lübeck bekommt doch einen Kältebus – aber erst 2019 (Dezember 2018)

Von Hannes Lintschnig