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Lübeck Wie viele Ferienwohnungen verträgt die Altstadt?
Lokales Lübeck Wie viele Ferienwohnungen verträgt die Altstadt?
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22:05 10.04.2018
Die Altstadtinsel ist bei Touristen sehr beliebt, viele Eigentümer von Wohnungen vermieten daher an Urlauber – ein gutes Geschäft. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Mitten in der trubeligen Altstadt wohnen und die Stadt genießen – für das echte Lübeck-Feeling. Das wollen Touristen, die ihren Urlaub lieber in privaten Ferienwohnungen bei Lübeckern verbringen als in einem Hotelzimmer. Auf Internetportalen werden die Unterkünfte mit der einzigartigen Lage beworben: „Am Rande der Altstadt, im Schatten der Domtürme...“ oder „Romantisches Ganghaus im Herzen der Altstadt“. Das Problem: Auf der Altstadtinsel entstehen immer mehr Ferienwohnungen. Die Stadt geht von 160 aus, die bei Internetportalen wie Airbnb angeboten werden. Auch die stadteigene Tourismus GmbH (LTM) vermittelt diese attraktiven Unterkünfte. Sie hat aktuell 61 Häuser und Wohnungen auf der Altstadtinsel im Angebot.

. Ganz, gar nicht oder nur ein bisschen? Das ist die Gretchenfrage beim Thema Ferienwohnungen in der Altstadt. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Aus Sicht der Stadt sind sie illegal. Jetzt wollen die Politiker den Wildwuchs eindämmen. Unklar ist aber wie.

„Es ist eine pfiffige Sache seine Wohnung ein paar Mal im Jahr übers Internet zu vermieten.

Burkhart Eymer (CDU)

Doch für die Stadt sind die meisten Ferienwohnungen illegal. Denn: Sie sind gar nicht registriert. „Es gibt kaum angemeldete Ferienwohnungen auf der Altstadt“, sagt Karl-Heinz Bresch von der Stadtplanung. Wer eine Dauer-Wohnung als Ferienapartment vermieten will, muss das von der Stadt genehmigen lassen. Im Beamtendeutsch heißt das: Antrag auf Nutzungsänderung. Der muss bei der Bauaufsicht gestellt werden. Doch das tut kaum jemand.

Daher fordert die SPD eine radikale Lösung – und will nicht genehmigte Ferienwohnungen verbieten. „Wir wollen den Trend erst einmal stoppen und die Altstadt als Wohnort erhalten“, macht SPD- Fraktionschef Peter Petereit klar. Ein entsprechender Antrag wird im Bauausschuss diskutiert. Denn: „Eine endlose Erweiterung der Ferienwohnungen geht nicht.“ GAL-Fraktionschefin Antje Jansen macht ebenfalls klar: „Wir sind für eine Einschränkung. Denn wir brauchen Wohnraum.“ Grünen-Frontfrau Michelle Akyurt meint indes: „Alle Ferienwohnungen zu verbieten, wäre populistisch.“ Sie kann sich vorstellen, dass in einigen Quartieren der Altstadt Touristen-Unterkünfte erlaubt werden, in anderen nicht.

Liberaler sehen das CDU und BfL. „Es ist eine pfiffige Sache, seine Wohnung ein paar Mal im Jahr übers Internet zu vermieten“, sagt Burkhart Eymer (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Er fordert „eine Regel mit Augenmaß“. Eymer: „Ich stehe stumpfen Instrumenten skeptisch gegenüber.“ BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner will die Perspektivwerkstatt für die Altstadt abwarten. Dort will die Stadt das Thema mit den Lübeckern diskutieren. Aber er sagt: „Ich habe viel Sympathie für die 15-Prozent-Regel.“ Die hat die Stadt ins Spiel gebracht. Denn: Für die Altstadt gibt es keine Regeln in Sachen Ferienwohnungen, weil große Teil der Altstadtinsel keinen Bebauungsplan haben. Für diese freien Areale müssten neue B-Pläne aufgestellt werden. Dafür gibt es drei Varianten. Nummer eins: Die radikale Lösung. Ferienwohnungen werden dort überall erlaubt und dürfen bis zu 15 Prozent ausmachen. Das wäre immerhin jede siebte Wohnung. Formal würden diese Areale dann zu allgemeinen Wohngebieten.

Variante zwei: Ebenfalls eine radikale Lösung. Die Stadt verbietet Ferienwohnungen komplett. Alle illegalen Apartments für Touristen müssten wieder Dauer-Wohnungen werden. Dann würden die unbeplanten Areale zum reinen Wohngebiet erklärt. Variante drei: der Kompromiss. In einigen der unbeplanten Areale werden Ferienapartments verboten, in anderen erlaubt. Beispielsweise könnten Touristen-Unterkünfte im Malerwinkel, Aegidienviertel und im Nordosten der Altstadt verboten werden. Sie würden zu reinen Wohngebieten werden. Hingegen könnten an der Untertrave, Obertrave und Beckergrube 15 Prozent Ferienwohnungen erlaubt werden – sie würden allgemeines Wohngebiet.

Schon 2014 wollte die Stadt die Sache für die Ganghäuser regeln, weil die Nachbarn von den Touristen genervt waren. Pro Gang sollten nur 20 Prozent der Häuschen vermietet werden. Doch Eigentümer protestierten dagegen.

 Josephine von Zastrow