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Lübeck Wie viele Touristen verträgt Lübeck?
Lokales Lübeck Wie viele Touristen verträgt Lübeck?
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15:22 28.01.2020
Hochbetrieb am Strand: Badegäste drängen sich bei sonnigem Wetter in Lübeck-Travemünde. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Es geht nur steil nach oben: Seit Jahren fahren Lübeck und Travemünde einen Rekord nach dem anderen ein. Die magische Zwei-Millionen-Marke bei den Übernachtungen hat die Hansestadt 2019 geknackt. Zum Vergleich: 880 000 Übernachtungen wurden 2001 in lübschen Hotelbetten gezählt.

Klar ist: Lübeck profitiert vom Trend, wieder in Deutschland Urlaub zu machen. Da ist die Hansestadt eine ideale Anlaufstelle für Touristen: Lübeck bietet mit der Altstadt urbanes Leben, Travemünde mit der Ostsee entspannten Strand-Urlaub.

HanseTalk: So melden Sie sich an

Zum HanseTalk unter dem Titel „ Wie viel Tourismus vertragen Lübeck und die Lübecker Bucht?“ laden die Lübecker Nachrichten für Donnerstag, 13. Februar, ins Europäische Hansemuseum ein. Beginn ist um 18.00 Uhr (Einlass 17.30 Uhr) im Saal „La Rochelle“.

Mit den LN-Moderatoren diskutieren Bettina Schäfer, ab 1. Februar Bürgermeisterin von Scharbeutz, Christian Martin Lukas, Chef der LTM (Lübeck und Travemünde Marketing), Axel Flasbarth, Lübecker Bürgerschaftsmitglied (Grüne) sowie Sven Hollesen, Chef der Planet-Haus AG und Ferienhaus-Investor am Priwall .

Im zweiten Teil der Diskussion sind Fragen aus dem Publikum erwünscht. Bitte melden Sie sich bis Montag, 10. Februar, 18 Uhr, an unter der Internetadresse: ln-online.de/tourismus

Die Hansestadt hat auch selbst etwas für den Touristen-Boom getan. Witziges Marketing, einheitlicher Weihnachtsmarkt – und vor allem die Tourismus-Offensive 2020. Die hat die Stadt 2012 gestartet. Das Ziel: mehr Betten, mehr Gäste, mehr Übernachtungen, mehr Geld. Vor allem Travemünde hat davon profitiert.

Touristen-Boom in Lübeck und Travemünde

Mehr Betten: 2012 gab es 8000 Gäste-Betten in der Hansestadt. Jetzt sind es 12 700 Schlafplätze für Touristen. Lübeck (6200 Betten) ist dabei von Travemünde (6500 Betten) überholt worden.

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Mehr Gäste: 747 000 Besucher hat die Hansestadt von Januar bis November 2019 gezählt. In Lübeck haben 513 000 Touristen genächtigt, in Travemünde 234 000. Während in Lübeck die Gästezahl nur leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, sind die Zahlen in Travemünde geradezu explodiert: Der Anstieg betrug fast 30 Prozent. In Lübeck blieben die Gäste zwei Tage im Durchschnitt, in Travemünde vier Tage.

Mehr Übernachtungen: Da ergibt sich dasselbe Bild. Lübeck wird langsam von Travemünde eingeholt. Die konkreten Zahlen liegen für Januar bis November 2019 vor: Lübeck zählt gut eine Million Übernachtungen, Travemünde rückt mit 860 000 Übernachtungen aber nah heran.

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Wirtschaftsfaktor Tourismus

Mehr Geld. Die Touristen lassen so viel Geld in der Hansestadt wie nie zuvor. 770 Millionen Euro Umsatz im Jahr verzeichnet die Hansestadt durch den Tourismus. Das hat eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts ergeben. Damit ist der Umsatz um zehn Prozent im Vergleich zu 2015 gestiegen. Da waren es 705 Millionen Euro Umsatz.

Am meisten Geld nehmen Hotels, Restaurants (325 Millionen Euro) ein, gefolgt vom Einzelhandel (315 Millionen Euro) sowie den touristischen Dienstleitungen wie Freizeit- und Kulturangeboten (137 Millionen Euro). Im Vergleich zu 2015 ist die touristische Dienstleistungsbranche am stärksten gewachsen – plus 19,4 Prozent. Und das bedeutet auch viele Arbeitsplätze: In der Tourismus-Branche arbeiten fast 16 000 Lübecker – es gibt exakt 15 780 Jobs. Das sind 16 Prozent aller Arbeitsplätze der Hansestadt.

Diese Gäste kommen in die Hansestadt

In der Hansestadt gibt es viele Tagesgäste: 14,8 Millionen pro Jahr. Hinzu kommen zwei Millionen Übernachtungsgäste und zwei Millionen Gäste, die in Lübeck Verwandte oder Freunde besuchen. Im Durchschnitt sind 52 400 Touristen pro Tag in Lübeck und Travemünde unterwegs. Bei 220 000 Einwohnern ist das etwa ein Viertel der lübschen Bevölkerung.

Klar ist: Die Tagesgäste lassen am meisten Geld in der Hansestadt – 444 Millionen Euro pro Jahr. Denn sie sind die größte Touristen-Gruppe. Sie geben 30 Euro pro Tag aus, wie auch die Verwandten-Besucher. Der Übernachtungsgast lässt 135 Euro pro Tag in der Stadt.

Das ist der Konflikt: Ferienwohnungen in Lübecks Altstadt

Die Stadt will alle Ferienwohnungen auf der Altstadt verbieten. So soll der Wohncharakter auf der Altstadtinsel bewahrt werden. Das Problem: Immer mehr Privatleute vermieten Wohnungen an Touristen. Dadurch gibt es in manchen Gängen und Höfen manchmal mehr Unterkünfte für Touristen als für Lübecker. Immer häufiger werden die Unterkünfte in Internet-Portalen wie Airbnb angeboten.

Lesen Sie auch: Verbot von Ferienwohnungen in der Lübecker Altstadt – immer noch keine Entscheidung

Metropolen wie Barcelona und Berlin haben bereits ein Verbot. In Lübeck soll die neue Satzung solche Touristen-Unterkünfte auf der Altstadtinsel verbieten. Bisher haben die Politiker das Thema vertagt. Daher gilt noch eine alte Satzung von 1979. Demnach sind Unterkünfte in Gängen, Höfen und kleinen Häusern verboten. Die Stadt hat die Vermietung untersagt. Allerdings: Ferienhaus-Besitzer haben geklagt. Jetzt liegt das Ganze beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig.

Das ist der Konflikt in Travemünde: Hotels und Natur

Es geht um den Kohlenhof auf dem Priwall. Auf dem 11 000 Quadratmeter großen Areal steht ein kleiner Wald. Es gibt den Plan, an der Spitze ein Hotel mit maximal 200 Zimmern zu errichten – und in Richtung Fährvorplatz sind sieben Villen mit 56 Wohnungen vorgesehen. Das ist im Jahr 2007 beschlossen worden. Das Areal am Kohlenhof ist bereits verkauft. Die Stadt hat das Grundstück Ende Dezember 2017 an Investor Sven Hollesen veräußert. Der Kaufpreis für den Kohlenhof: 2,36 Millionen Euro. Aber: Das Geld wird erst überwiesen, wenn es Baurecht an dieser Stelle gibt. Dazu muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Den müssen die Politiker beschließen.

Das Problem: Der Protest gegen ein neues Hotel bei den Travemünde ist massiv gewachsen. Im Oktober haben 1000 Menschen gegen die Pläne protestiert. Das Argument: Es gibt bereits zu viele neue Touristen-Unterkünfte – und zu wenig Natur. Mittlerweile ist ein Teil des Wäldchens unter Schutz gestellt worden. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) hat sich inzwischen festgelegt: „Die Kohlenhofspitze wird nicht bebaut“, sagte er vor wenigen Tagen. Möglicherweise werde es aber auf dem bestehenden Waterfront-Gelände weitere Häuser geben.

Lesen Sie auch: Lindenau: Kohlenhofspitze wird nicht bebaut

Priwall - Wird das Kohlenhof-Hotel gestoppt?

Von Josephine von Zastrow

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