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Lübeck Vorderreihe soll ganzjährig Fußgängerzone werden
Lokales Lübeck Vorderreihe soll ganzjährig Fußgängerzone werden
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18:03 08.05.2019
Fußgängerzone auch ohne Umwidmung: Die Vorderreihe ist spätestens mit Beginn der Saison fest in der Hand von Spaziergängern. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Zankapfel Vorderreihe: Im Winter darf sie von Kraftfahrzeugen befahren werden, in der Sommersaison ist sie lediglich für Taxis, Hotelgäste und Lieferanten geöffnet. Radfahrer dürfen sie das ganze Jahr über in beide Richtungen nutzen. Aber auch Spaziergänger flanieren auf der Straße und machen die Meile selbst zur Fußgängerzone. Das führt seit vielen Jahren zu Streit unter den Verkehrsteilnehmern und zu kontroversen Diskussionen in der Politik. Jetzt haben die städtischen Verkehrsplaner ein Mobilitätskonzept für das lübsche Seebad erarbeitet. Es sieht unter anderem vor, die Vorderreihe ab 2020 ganzjährig zur Fußgängerzone umzuwidmen. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Kritische Stimmen gibt es aus dem Ortsrat und von der Wirtschaftsgemeinschaft.

Das Konzept soll zusammen mit weiteren Maßnahmen den Rahmen für die zukünftigen verkehrlichen Veränderungen in Travemünde darstellen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Eine Bürgerbeteiligung in 2017 habe ergeben, dass sich die Menschen einen attraktiven Lebensraum mit einer möglichst intakten Umwelt und einem nachhaltigen Verkehrsangebot wünschten. Travemünde solle „ein (er)lebenswerter Ort der kurzen Wege für Fußgänger und Radfahrer werden, der im Halbstundentakt mit der Bahn zu erreichen ist und in dem Autofahrer attraktive Parkplätze in ausreichender Anzahl vorfinden“. Die Planer ermittelten, dass der Kfz-Verkehr bei voller Umsetzung der Vorhaben von Wohnungsbau und Tourismus um durchschnittlich 25 Prozent zunehmen werde.

Die Problematik in der Vorderreihe ist den Planern nicht verborgen geblieben: „Die Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr schränken die Aufenthaltsqualität ein“, heißt es in einer Vorlage für die Sitzung des Verkehrsausschusses am 13. Mai. Die hohe touristische Nutzung führe dazu, dass die Außengastronomie viel Fläche des straßenbegleitenden Gehwegs, zu deren Nutzung Fußgänger prinzipiell verpflichtet sind, einnehme. Deshalb soll die Vorderreihe ganzjährig zur Fußgängerzone werden. Einer saisonabhängigen Einrichtung erteilen die Planer eine Absage: „Eine temporäre Einrichtung hat keine straßenverkehrsrechtliche Grundlage und damit keine realistische Umsetzungsperspektive.“ Prinzipiell sei auch die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs mit entsprechender Zufahrtsregelung und Beschilderung geeignet, eine „Mischnutzung mit saisonaler Abhängigkeit“ herzustellen. Allerdings müsste die Straße dafür umgebaut werden. Dieser zusätzliche Aufwand werde mit durch eine „Fußgängerzone“ vermieden.

Ortsratsvorsitzender Gerd Schröder (CDU) hat einen anderen Vorschlag: „Im Sommer wird die Vorderreihe für Fußgänger geöffnet, Radfahrer dürfen auf ihr nicht fahren, und im Winter dürfen sie alle, auch Autos, wieder nutzen.“ Der Christdemokrat befürchtet: „Wenn die Vorderreihe das ganze Jahr über zur Fußgängerzone wird, gehen die Geschäfte kaputt.“ Eine bauliche Einschränkung etwa durch Poller sei „rausgeschmissenes Geld.“ Schröder fordert zudem: „Das Ordnungsamt muss mehr kontrollieren.“ Auch Ulf von Danckelmann, Vorsitzender der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft, hat Bedenken gegen die Einrichtung einer ganzjährigen Fußgängerzone. „Die Vorderreihe hat Versorgungscharakter, die Unternehmen müssen erreichbar sein, und die Innenstadtlage muss attraktiv bleiben.“ Die Stadt müsse Anreize schaffen, dass die Besucher weg vom Auto kommen, etwa die Einrichtung eines Shuttleverkehrs mit kleinen Fahrzeugen, wie das Mitte April in Hamburg gestartete Projekt MOIA. Dort ist ein Shuttleservice mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen unterwegs, die den öffentlichen Nahverkehr ergänzen und eine Alternative zum privaten Pkw bieten sollen.

Das Mobilitätskonzept der Verkehrsplaner steht am 13. Mai auf der Tagesordnung des Wirtschaftsausschusses. Am 20. Mai beschäftigt sich der Bauausschuss damit, am 21. Mai der Hauptausschuss. Anschließend geht die Vorlage in die Bürgerschaft.

Mobilitätskonzept für Travemünde – das ist geplant

Bahnverbindung nach Travemünde: Einführung eines 30-Minuten-Takts an den Wochenenden des Sommerfahrplans ab 2022.

Einmündung Gneversdorfer Weg/Travemünder Landstraße/Torstraße: Verbreiterung des südlichen Endes des Gneversdorfer Wegs, um einen breiten Linksabbiegestreifen einzurichten.

Zweite Ortszufahrt: Untersuchung einer zweiten Haupterschließung von der Bundesstraße 75 ins Travemünder Zentrum.

Verkehrsberuhigung Altstadt: Einschränkung der Befahrbarkeit für den Kfz-Verkehr durch die Installation eines Absenkpollers oder einer anderen Einrichtung in der St.-Lorenz-Straße (Ecke Torstraße/ Kurgartenstraße).

Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich Altstadt: Danzmannstraße, Jahrmarktstraße, Kirchenstraße, Kurgartenstraße, St.-Lorenz-Straße und Torstraße werden eine Tempo-20-Zone. Die Einfahrt ist nur Anliegern, Linienbus- und Radverkehr gestattet. Anlieger umfasst Lieferverkehr, Besucher und Kunden.

ÖPNV und Pkw-Parken am Fahrbahnrand: Durch parkende Kfz im Streckenverlauf kommt es insbesondere für die Linie 35 bei der Befahrung des Wohngebietes und der Linie 30 im Steenkamp zu Behinderungen. Mit der Einrichtung von Haltverboten an den besonders prekären Stellen könnte eine Verbesserung erreicht werden.

Baggersand: Der Radverkehr wird zukünftig im Mischverkehr auf der Fahrbahn geführt.

Die komplette Übersicht aller geplanten Veränderungen in Travemünde finden Sie auf www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Wird-die-Vorderreihe-zur-Fussgaengerzone

Thomas Krohn

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