Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wissen aus Lübeck hilft Kindern mit Hörverlust weltweit
Lokales Lübeck Wissen aus Lübeck hilft Kindern mit Hörverlust weltweit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 21.08.2019
Gladys Asmar (v.l.), Myroslava Pylypiuk und Elizabeth Wambui probieren bei Gastdozentin Barbara Michaela Münch ein audiologisches Messverfahren. Quelle: Agentur 54°
St. Jürgen

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker, Jakob Stephan Baschab, spricht gerne mal vom „Cambridge des Nordens“, wenn er den Campus Hörakustik an der Bessemerstraße beschreibt.

Hier ist das weltweit größte Ausbildungs- und Kompetenzzentrum der Hörakustik angesiedelt, und aktuell werden in dem Gebäudekomplex rund 3200 Auszubildende in diesem Gesundheitshandwerk ausgebildet. Mittlerweile hat auch Landeswirtschaftsminister Bernd Buchholz, der hier vor kurzem zu Besuch war, diesen Terminus übernommen.

Der Vergleich mit der englischen Elite-Hochschule drängt sich vor allem dann auf, wenn wieder Gäste aus aller Welt extra in die Hansestadt reisen, um etwas von diesem Wissensschatz vermittelt zu bekommen.

„Die International Summer Academy bieten wir nun seit über zehn Jahren an“, weiß Dr. Frederick Hahn, Leiter Fort- und Weiterbildung auf dem Campus, der aus der Akademie für Hörakustik und der Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustiker besteht.

Hörgeräte: Eklatante Unterversorgung

Mit dabei unter den knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind diesmal: Eine Hörakustikerin aus Kenia, eine Medizinerin aus der Ukraine und eine Kinderkrankenschwester aus dem Libanon. Das Trio hat ein gemeinsames Ziel: Mit ihrem Fachwissen wollen sie in ihrer Heimat Kindern helfen, die einen Hörverlust haben und deren Familien sich weder ärztliche Behandlung noch Hörgeräte leisten können. Nach Lübeck kommen sie auf Einladung der Förderstiftung „Hear the World Foundation“, für deren Projekte sie in ihren Ländern arbeiten.

Die Situation: Über 370 Millionen von Hörverlust Betroffene leben in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen und haben oft keinen Zugang zu audiologischer und medizinischer Versorgung. Es fehlt an geschulten Fachkräften und passendem Material. So trägt in Ländern mit niedrigem Einkommen nur einer von 40 Schwerhörigen ein Hörgerät.

Die Folgen sind gravierend: Kinder, die nicht richtig hören können, haben in diesen Regionen kaum Zukunftsperspektiven. Denn wer nicht hört, kann nicht sprechen lernen und hat somit nur geringe Chancen auf Schulbildung und eine altersgerechte Entwicklung.

Ein einziger Audiologe in Nairobi

Besonders desolat sei die Lage in Afrika, weiß Gastdozentin Barbara Michaela Münch, die in den vergangenen 15 Jahren bereits Projekte in 65 Ländern betreut hat. Kursteilnehmerin Elizabeth Wambui, die in einem Missionskrankenhaus im kenianischen Kijabe, tätig ist, bestätigt dies. Sie berichtet, dass es nur einen einzigen Audiologen in der Hauptstadt Nairobi gebe. „Und insgesamt ist die Versorgung mit Hörgeräten sehr teuer, sodass sich nur sehr wenige so ein Equipment leisten könnten“, berichtet die ausgebildete Hörakustikerin.

Um ein Vielfaches besser stellt sich die Situation im Libanon dar. „Allerdings hatten wir bis vor drei Jahren kein Neugeborenen-Screening, sodass nach der Geburt bei zahlreichen Kindern die Höreinschränkung nicht entdeckt worden ist. Entsprechend haben wir es nun mit den Folgen zu tun und müssen die Diagnose und Versorgung sicherstellen“, sagt Krankenschwester Gladys Asmar.

Myroslava Pylypiuk ist HNO-Ärztin an einer Klinik in der West-Ukraine. „Es gibt zwar das Wissen, aber unglücklicherweise ist Audiologie unpopulär in unserem Land, sodass es nur sehr wenige spezialisierte Kliniken gibt, weil auch die teuren Geräte fehlen.“ Für den Lübecker Campus Hörakustik ist die Mission also noch lange nicht beendet.

Kieler Minister zu Besuch

Bei einem Rundgang über den Campus Hörakustik informierte sich Wirtschaftsminister Bernd Buchholz über den Ausbildungsberuf und bekam einen Einblick in die duale Ausbildung in der Hörakustik. „Wir sind stolz auf dieses einzigartige und renommierte Kompetenzzentrum in Schleswig-Holstein. Der Campus Hörakustik ist ein internationales Vorzeigemodell, eine Art ‚Cambridge des Nordens‘ für das Hörakustik-Handwerk“, sagte der Kieler Gast.

Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker, die die Akademie für Hörakustik unterhält, betonte die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein. „Die Unterstützung ist sehr gut. Wir sind stolz auf diesen Standort und freuen uns, mit der erfolgreichen Ausbildung junger Menschen etwas zurückzugeben“, sagte sie. Dabei helfe gerade die Zentralisierung in Lübeck in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Hochschulen und der Uniklinik.

Auf die Frage „Würden Sie gerne noch mehr ausbilden?“ des Ministers kam ein deutliches „Ja“. Frickel: „Wir werden dieses Zentrum in der Hansestadt weiter ausbauen. Damit sichern wir die Zukunft der Branche, was wiederum den circa 5,4 Millionen Schwerhörigen in Deutschland zu Gute kommt. Nur eine bundesweit einheitliche, qualitativ hochwertige Ausbildung kann beste Versorgungsergebnisse sichern.“

Von Michael Hollinde

Die Firma Scheel hat für ihre Aufbereitungsanlage MAZ eine Betriebsgenehmigung, streitet aber mit der KWL über das Grundstück. Firmenchef Marc Scheel sagt: „Wir haben nichts zu verbergen.“

21.08.2019

In der Geniner Dorfstraße auf Höhe des Friedhofes in Lübeck kam es zu einem Fahrzeugbrand am Mittwochnachmittag. Nach ersten Löscharbeiten fing das Auto wieder Feuer. Es kam zu einer dramatischen Situation.

22.08.2019

Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff sieht in den 50 000 Tonnen Weltkriegsmunition in der Lübecker Bucht eine Bedrohung für Tourismus und Fischerei

21.08.2019