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Lübeck Wissenschaft beim Bier: Lübecker Science Pub
Lokales Lübeck Wissenschaft beim Bier: Lübecker Science Pub
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17:28 23.04.2019
Rund 100 Studenten haben am vierten Science Pub in einem Lübecker Irish Pub teilgenommen. Dr. rer. nat. habil. John F. Rauthmann beantwortete Fragen der Gäste zum Thema Persönlichkeitspsychologie. Quelle: Tim Jelonnek
Innenstadt

Der junge Professor gehört zu den wenigen, die bei dieser Vorlesung kein Bier trinken. Und gleich zu Anfang gesteht er, dass er keinen Vortrag vorbereitet hat. John Rauthmanns Katheder ist ein kleiner Podest gegenüber der Bar, an der sich die Studenten Guiness und Kilkenny bestellen.

Wenn sie so weit kommen. Denn im „Finnegan“ in der Mengstraße ist es an diesem Dienstag Abend Mitte April ungefähr so voll wie am St. Patrick's Day. Etwa hundert Besucher sind zum vierten Lübecker „Science Pub“ gekommen, um den Persönlichkeitspsychologen mit Fragen zu löchern.

Dabei gehen die Zuhörer gleich ans Eingemachte: Was ist Persönlichkeit? Können Computer Menschen analysieren? Gibt es Persönlichkeitstypen? Grundsätzlich sei es „nicht gut, Menschen in Schubladen einzuteilen“, stellt der Professor klar, denn sie bilden die Wirklichkeit nicht ab. Eine solche Schublade nutzen Werbespots, wenn sie Menschen mit Brille zeigen, weil sie besonders neugierig oder intelligent aussehen sollen.

Rund 100 Studenten haben am vierten Science Pub in einem Lübecker Irish Pub teilgenommen. Dr. rer. nat. habil. John F. Rauthmann beantwortete Fragen der Gäste zum Thema Persönlichkeitspsychologie. Sarah Freye und Helene Radloff (v.l.) haben das Veranstaltungsformat in Lübeck umgesetzt. Quelle: TIM JELONNEK

Es sei auch nicht immer klar, was Ursache und was Wirkung sei. Eine Studie hatte gezeigt, dass Menschen mit einem symmetrischen Gesicht weniger verträglich sind. Diese Ruppigkeit sei aber nicht angeboren, sondern „die Autoren erklären das so, dass schönere Menschen eher glauben, sich mehr herausnehmen zu können“.

Ähnlich verhalte es sich mit Mechanismen, die „Menschen mit dunklen Eigenschaften in mächtige Positionen“ bringen. So neigten Narzissten eher als der Durchschnitt dazu, Wirtschaft zu studieren und Karriere zu machen. Ein Zuhörer hebt die Hand: „So wie Donald Trump?“ Rauthmann zögert. „Ich mag keine Ferndiagnosen. Aber wenn wir uns sein Verhalten anschauen, und wie gekränkt er auf Kritik reagiert, dann deutet schon viel auf eine narzisstische Persönlichkeit hin“.

Psychoprofil aus dem Algorithmus

In seinem Wahlkampf hat Trump Micro-Targeting genutzt, also die Social-Media-Profile potentieller Wähler untersucht. So könnte er etwa an Menschen mit ängstlicher Persönlichkeit posten, dass sie unter Trump Waffen besitzen dürfen. „Ob sich damit Wahlen gewinnen lassen, wissen wir nicht“, sagt der Professor. Sicher ist: der Algorithmus kann „über viele Menschen ebenso viel wissen wie enge Freunde“, nur aufgrund ihrer Äußerungen im Netz. Auch Sprachassistenten könnten das, wenn sie das Sprechverhalten der Menschen analysieren. Technisch sei es kein Problem, diese Analysen dann an Amazon oder Google zu schicken. „Die Frage ist, ob man das will“.

Zu der Frage, was nun eigentlich Persönlichkeit ist, hat Rauthmann eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte ist, dass die Intelligenz mit dem Alter stetig abnimmt. Sein Trost: „Wie wir uns selbst definieren, ist ein großer Teil der Persönlichkeit“. Wir können also bis ins hohe Alter entscheiden, wie wir sein möchten.

Über den Tellerrand schauen

Die meisten „Studenten“ haben John Rauthmann heute zum ersten Mal gesehen. Maike Newson kennt ihn schon länger, sie studiert bei ihm Psychologie. „Er ist ein ganz besonderer Prof“, sagt sie. Sie fand es spannend, „seine mehr persönliche Seite kennen zu lernen“.

Es ist nicht einfach, Wissenschaftler zu finden, die so gut und allgemein verständlich reden können wie der Persönlichkeitspsychologe. Helene Radloff fragt deshalb gern Fach-Studierende, wen sie als Dozenten in den Pub einladen könnte. Gemeinsam mit ihrer Freundin Sarah Maria Freye und einer weiteren Kommilitonin organisiert sie den Pub einmal im Monat.

Sie hat das Format nach Lübeck geholt, „um über den Tellerrand zu schauen“. Die 21-jährige Medizinstudentin erzählt, wie es dazu kam: „Ich habe bei Jugend forscht mitgemacht und mich gefragt, wie ich mehr Menschen für Wissenschaft begeistern kann“. Über das Jungforscher-Netzwerk „Juforum“ erfuhr sie von den Science Pubs und organisierte im Oktober 2018 die erste „Vorlesung“ über Stromspeicher. Das Format, Wissenschaft gut verständlich in der Atmosphäre einer Kneipe zu vermitteln, ist noch jung: Nur eine Handvoll Städte in Deutschland bieten bisher Science Pubs an. Im Finnegan wird im Juni ein Informatiker Fragen beantworten.

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