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Lübeck Wölfe in Lübecker Wäldern?
Lokales Lübeck Wölfe in Lübecker Wäldern?
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22:30 03.03.2019
Tummelt sich ein Wolf im Wesloer Forst? Dieses Tier ist am 23. Februar vom Wanderweg Kirschenallee aus in Richtung Wald fotografiert worden. Quelle: Privat
St. Gertrud/Kücknitz

Wolfssichtung im Wesloer Forst“, meldete ein Lübecker diese Woche bei Facebook; wenig später kam ein Foto als Beweis dazu. Das Tier, das er am 23. Februar vom Wanderweg von der Kirschenallee in Richtung Wesloer Forst aus fotografiert hat, sieht aus wie ein Wolf. Ebenso wie das Tier, das Ende Januar am nördlichen Dummersdorfer Ufer nachts um 0.33 Uhr durchs Bild einer Wildkamera lief.

Letzter Nachweis 2017

Haben die Wölfe nun auch Lübeck erreicht? „Wir wissen, dass Wölfe bei uns öfter einmal durchziehen“, sagt Knut Sturm, Bereichsleiter Stadtwald. „Aber wir haben keine Informationen, dass es Angriffe auf Tiere oder Menschen gegeben hätte.“ Lediglich 2017 wurde in Eichholz ein Schaf nachweislich von einem Wolf gerissen, im Lehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft wurden zwei Rehe nach Einschätzung des Revierleiters ebenfalls von einem Wolf gerissen.

Regelmäßige Sichtungen

Für Knut Sturm ist es keine Seltenheit, dass jemand meint, einen Wolf gesehen zu haben: „Wir bekommen alle paar Wochen Anrufe, dass jemand einen Wolf gesehen habe.“ Auch Jens Matzen, Koordinator Wolfsbetreuung fürs Land, berichtet von „drei Hinweisen von Sichtungen in den vergangenen Tagen.

Knut Sturm, Bereichsleiter Stadtwald Lübeck: „Wir wissen, dass Wölfe bei uns immer wieder durchziehen.“ Quelle: Cosima Künzel

Nicht alles, was wie ein Wolf aussieht, ist einer

Doch der Augenschein oder auch Fotos würden nichts beweisen, so Sturm, „denn ganz häufig sind es verwilderte Hunde, die aussehen wie Wölfe“. Selbst er traue sich nicht zu, einen Wolf anhand eines Fotos zu identifizieren. „Der einzig saubere Beleg ist ein Riss mit Genanalyse.“ Nur als „bestätigter Hinweis“ eingestuft wird eine Wolfslosung – Kot, der oft noch Haare oder Knochen der Beutetiere enthält. Christoph Benett, Lübecks Stadtjäger, weiß von solchen Losungsfunden aus dem vergangenen Jahr.

„Ein Tier wie jedes andere“

Der derzeit vor allem durch Problemwolf „GW924m“ im Land herrschenden Hysterie mag er ebenso wenig folgen wie Knut Sturm. Klar, sagt Benett, stelle der Wolf eine Gefahr für einzelne Betriebe dar, und mit Sicherheit gebe es auch Tiere, die geschossen werden müssten.

Lübecks Stadtjäger Christoph Benett: „Wir schulden dem Wolf seinen Lebensraum.“ Quelle: Olaf Malzahn

Aber: „Der Wolf ist ein Tier wie jedes andere. Wir schulden ihm, ihm seinen Lebensraum zu geben.“ Die Gesellschaft habe verlernt, mit der Natur umzugehen.

Obwohl ihm der Jagdpächter im Bereich des nördlichen Dummersdorfer Ufers, ein Lübecker Arzt, das Video vom durchs Bild laufenden Wolf zeigte, ist auch Matthias Braun relativ entspannt. Und dabei ist der Vorsitzende des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer Halter von aktuell 150 Schafen mit 70 Lämmern, zehn Böcken und 20 Ziegen.

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Vernünftige Koexistenz

„Der Wolf“, sagt Biologe Braun, „ist ein Tier, das ausgerottet war – jetzt sind die Wölfe wieder hier und werden in Deutschland bleiben. Das muss zu einer vernünftigen Koexistenz führen.“ Das gehe nur ohne Emotionen. Seine Schafe seien ohnehin durch Elektronetze geschützt. „Wir achten extrem darauf, dass sie immer stramm gespannt sind, wir tauschen die Batterien sofort aus, sobald wir einen Spannungsabfall bemerken.“

Matthias Braun, Vorsitzender des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer: „Jetzt sind die Wölfe wieder hier. Das muss zu einer vernünftigen Koexistenz führen.“ Quelle: Thomas Krohn

Wolf zeigt sich nicht gern

In freier Natur hat Matthias Braun noch keinen Wolf gesehen, „nur im Zoo“. Und auch Christoph Benett ist im Lübecker Gebiet noch keiner vor die Nase gelaufen. Lediglich auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr habe er nachts und mit Nachtsichtgerät Wolfsrudel gesehen. Denn: Eigentlich meidet der Wolf die Menschen, versteckt sich meist recht geschickt.

Lübeck ungeeignet für Daueraufenthalt

Ob die beiden jüngsten Sichtungen nun wirklich Wölfe waren oder vielleicht doch nicht – für Knut Sturm ist entscheidend, „ob sie hier bleiben oder nicht“. Die Antwort gibt er selbst: „Große, geschlossene Wälder mit möglichst wenig Menschen in der Nähe sind der Lebensraum von Wölfen. „Der Wolf braucht ruhige Gebiete, wo er jagen und seine Jungen großziehen kann – und in Lübeck gibt es kein solches Gebiet.“

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Sabine Risch

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