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Lübeck Senioren-Wohngruppen gegen Einsamkeit
Lokales Lübeck Senioren-Wohngruppen gegen Einsamkeit
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09:55 22.11.2018
Rund 70 Bürger informierten sich bei einer Sitzung des Seniorenbeirats über gemeinschaftliches Wohnen.
Rund 70 Bürger informierten sich bei einer Sitzung des Seniorenbeirats über gemeinschaftliches Wohnen. Quelle: John Garve/Agentur 54°
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Lübeck

Was hilft gegen Einsamkeit im Alter? Der Nachbarschaftstreff um die Ecke? Der Gemeinschaftsraum im Wohnblock? Oder doch besser gleich die Senioren-WG? Der Seniorenbeirat hat mit Vertretern der Lübecker Wohnungswirtschaft über gemeinschaftliche Wohnformen diskutiert – im Rathaus vor über 70 überwiegend älteren Bürgern.

„Wir viele Menschen kommen erst spät auf den Gedanken, dass das ein Thema für sie werden könnte“, sagte Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD). Die Vereinsamung vieler älterer Lübecker sei ein großes Thema für den Seniorenbeirat, berichtete der Vorsitzende Götz Gebert: „Wir wollen jetzt laut und deutlich über das Thema nachdenken.“ Zwei Drittel der Lübecker über 65 Jahren würden in ihren eigenen vier Wänden leben, sagte Sabine Trilke vom Bereich Soziale Sicherung der Stadt. Die Nachfrage nach gemeinschaftlichen Wohnformen werde bis 2030 stark ansteigen. Dann sind 30 bis 33 Prozent der Lübecker im Rentenalter.

Das sagt die Wohnungswirtschaft

„Wenn eine Gruppe Älterer, die zusammen wohnen wollen, zu Ihnen kommt – können Sie der etwas anbieten?“, wollte Margret Wulf-Wichmann vom Seniorenbeirat wissen. Die Wohnungswirtschaft nähert sich den neuen Wohn-Wünschen an. „In der Tannenbergstraße sind Hausgemeinschaften entstanden“, berichtete Matthias Rasch, Chef der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“, „wir stellen dafür Räume bereit.“ Es habe auch immer wieder Anfragen an die „Trave“ von Bürgern gegeben, die Wohngruppen bilden wollten. Rasch: „Die Versuche sind immer wieder gescheitert, weil sich zu wenige Mieter gefunden haben.“ Außerdem wollen diese Wohngemeinschaften oft in der Altstadt oder am Altstadtrand leben. Die „Trave“ könne da nichts anbieten. Denkbar wären solche Wohngruppen allerdings in Stadtteilen wie Moisling oder St. Lorenz Süd.

Ältere Mieter wollten keine Spielplätze

Rasch: „Moisling bietet sich mit der Neuen Mitte, dem künftigen Bahnhaltepunkt, dem Ärztezentrum und den Neubauten geradezu für solche Wohnformen an.“ Auch das Kepler-Quartier, das gerade entwickelt werde, oder das Neubaugebiet Schlutuper Straße seien interessante Standorte für gemeinschaftliches Wohnen.

Der Lübecker Bauverein hat bereits Erfahrungen mit Senioren-WGs gesammelt. In der Straße Rabenhorst auf dem ehemaligen Busdepot haben zehn Frauen das Wohnprojekt 60 plus gegründet. „Die Damen sind 2006 zu uns gekommen“, berichtete Carsten Droßmann, Leiter des Wohnservices beim Bauverein, „wir haben dann ein Haus für 15 Damen geplant. Aber der Zuspruch war so groß, dass heute 60 Bürger in der Wohngruppe leben.“ Auch in der Luisenstraße, wo der Bauverein 67 neue Wohnungen errichtet hat, gebe es einen Gemeinschaftsraum und vierteljährliche Hausrunden der Mieter. „Die Nachfrage nach Gemeinschaftswohnprojekten steigt“, bestätigte Tobias Jeß, der beim Bauverein für die Vermietungen zuständig ist.

Das ist der Seniorenbeirat

Der Beirat für Seniorinnen und Senioren wurde 1993 gegründet. Er soll parteipolitisch neutral, konfessionell und verbandspolitisch ungebunden sein und vertritt die Belange der älteren Generation in der Öffentlichkeit und gegenüber Bürgerschaft sowie Verwaltung. Über 60 000 Lübecker sind älter als 60 Jahre. Der Beirat gibt Empfehlungen und Stellungnahmen ab und ist bei allen Planungen und Entscheidungen, die die Senioren betreffen, frühzeitig anzuhören.

Alle fünf Jahre werden die Beiratsmitglieder von den Einwohnern, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, direkt gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug bei der Wahl im Mai 17,5 Prozent. Die gewählten Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Vorsitzender ist Götz Gebert. Der aktuelle Beirat macht sich für einen besseren Busverkehr, bessere Fußgängerwege und bezahlbaren Wohnraum für Senioren stark. Mit einer neuen Kampagne „Pro 48“ kämpft das Gremium für geringere Eintrittspreise für Senioren in Museen und Schwimmbädern.

Wohngruppen und Senioren-WGs stoßen aber auch an Grenzen. Zum Beispiel bei der medizinischen Versorgung, die oft erwartet wird. Die „Trave“ hat für ihre 109 Wohnungen im Eulenspiegelweg einen Vertrag mit einem Dienstleister für Wohnen mit Service abgeschlossen. Dafür zahlten die Mieter eine Pauschale. „Trave“-Chef Rasch: „Viele wollten das nicht, das haben wir nicht wieder gemacht.“ Für eine Wohnanlage in Kücknitz wurde ebenfalls ein Dienstleister fest verpflichtet. Weil zu wenige Bewohner das Angebot nutzten, rechnete es sich für den Dienstleister nicht. Auch die Mitsprache der Mieter der Ausgestaltung der Wohnungen und des Wohnumfeldes stößt an Grenzen. „Wir haben bei unseren Wohnungen am Kaufhof die Notbremse gezogen“, sagte Marcel Sonntag, Chef der Neuen Lübecker, „ältere Mieter haben wegen des Lärms die Spielplätze abgewählt. Das ging natürlich nicht.“ Das bestätigt Matthias Rasch: „Man kann nicht zu individuell planen. Wohngruppen brauchen strenge Regeln.“

Kai Dordowsky

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