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Lübeck Wohnungen statt Grünfläche: Anwohner protestieren gegen Baupläne
Lokales Lübeck Wohnungen statt Grünfläche: Anwohner protestieren gegen Baupläne
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15:12 14.08.2019
Hier sollen Wohnungen gebaut werden – die Wohnungseigentümer-Gemeinschaft Folke-Bernadotte-Straße wehrt sich dagegen. Quelle: Rüdiger Jacob
St. Gertrud

Die große Fläche mit den alten Bäumen bezeichnet Anwohner Horst Schröder als „die grüne Lunge.“ Doch jetzt habe die Stadt das Grundstück am Marliring an die Vereinigte Baugenossenschaften Lübeck (VBL) verkauft. „Was hier genau gebaut werden soll, weiß keiner“, sagt Schröder. Er will den Bau verhindern.

„Fledermäuse verlieren ihren Lebensraum“

Schröder ist Beiratsvorsitzender der Wohnungseigentümer-Gemeinschaft Folke-Bernadotte-Straße. Bislang habe die grüne Fläche mit den großen Birken und den afrikanischen Sumpfzypressen – 70 Jahre alte Bäume mit mächtigen Stämmen – als Erholungsstätte und zur internen Kommunikation der Bewohner gedient.

Horst Schröder will den Bau neuer Häuser verhindern. Quelle: Rüdiger Jacob

„Der Platz ist ideal für die Rettungshubschrauber, die hier problemlos landen und starten können“, weiß Schröder. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt der 87-jährige Rentner, der aus seinem Wohnzimmerfenster seit 36 Jahren auf den kleinen Park blicken kann. Einst war dort ein Kuhteich. „Deshalb haben wir hier auch eine Menge Grundwasser“, weiß der Wohnungseigentümer.

„Dann gehen die Bäume kaputt“

„Wenn jetzt hier gebaut wird, muss das Grundwasser abgesenkt werden, und dann gehen die Bäume kaputt“, befürchtet Schröder. „Durch die Schaffung von Parkplätzen unmittelbar vor den Wohn- und Schlafzimmerfenstern ist mit Lärm- und Abgasbelästigungen zu rechnen“, sagt Schröder. „Ebenso würden die ansässigen, artgeschützten Fledermäuse ihren Lebensraum verlieren“, befürchtet der Beiratsvorsitzende. „Auch die Hunde haben hier ihren wunderbaren Auslauf“, sagt Schröder wehmütig. Ob die vier Parkbänke am Rande des Grundstücks dem Bau weichen, weiß der Anwohner nicht. Er wisse „eigentlich gar nichts, nur, dass hier gebaut werden soll.“

Baugenehmigung wird erteilt

Auf Nachfrage der LN hieß es vom nebenamtlichen Vorstandsmitglied der VBL, Marcus Pagels, man werde sich „in wenigen Wochen“ zum Bauvorhaben ausführlich äußern. Von der Stadt Lübeck war mehr zu erfahren: „Geplant ist die Errichtung einer viergeschossigen Zeilenbebauung, in der etwa 20 Wohneinheiten im geförderten Wohnungsbau entstehen sollen“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Zum Planungsrecht sagt Dorel: „Für die Siedlung beiderseits der Folke-Bernadotte-Straße besteht kein Bebauungsplan. Die als viergeschossige Zeile geplante Neubebauung nimmt die vorhandene Bebauungsstruktur der parallelen Zeilenbebauung auf und fügt sich dementsprechend in die Eigenart der näheren Umgebung ein, sodass eine Genehmigung nach dem Baugesetzbuch erteilt werden kann“, so Dorel.

Zwei bis drei Bäume werden gefällt

Die auf der bisherigen Freifläche am Marliring vorhandenen Bänke sollen in die angrenzende Grünfläche verlagert werden. „Aufgrund der Entwässerungsproblematik müssen unterirdische Regenrückhalteeinrichtungen unter der Stellplatzanlage vorgesehen werden. In der Folge müssen zwei bis drei an der nordöstlichen Grundstücksgrenze gelegene Bäume gefällt werden. Erhalten bleibt hingegen der auf der Südwestseite des neuen Baugrundstücks vorhandene Großbaumbestand an der Marlistraße“, sagt die Stadtsprecherin.

Fachleute zerstreuen Bedenken

Und die Argumente von Anwohner Schröder werden auch durch andere Fachleute nicht gestützt. „Speziell ausgewiesene Landeplätze für Rettungshubschrauber gibt es in Lübeck nicht“, sagt Polizeihauptkommissar Sven Hermes. „Wo sie an geeigneter Stelle landen wollen, entscheiden die Piloten selbst“, erklärt der Sprecher der Polizeidirektion Lübeck. Auch die kleineren Flugkünstler werden ihre Routen trotz Baugebiet meistern. Dass Fledermäuse durch das Fällen der Bäume ihren Lebensraum verlieren könnten, sieht der Naturschutzbund nicht: „Birken und Sumpfzypressen sind keine Jagdhabitate für Fledertiere“, so eine Fledermausexpertin.

Lesen Sie dazu auch: Neues Baugebiet auf Marli: Wohnen für alle

Von Rüdiger Jacob

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