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Lübeck Wolfgang Bosbach beim Polit-Talk im Travemünder Maritim
Lokales Lübeck Wolfgang Bosbach beim Polit-Talk im Travemünder Maritim
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12:50 30.09.2019
Polit-Talk im Strandkorb: Meinhard Wichmann (v. l.), Carsten Grohmann, Wolfgang Bosbach und Thomas Thalau. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Prominenter Besuch im Maritim Strandhotel: Wolfgang Bosbach, langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter und streitbarer Geradeausdenker der Union, war Stargast beim „Polit-Talk“. Eingeladen hatten Hoteldirektor Thomas Liedl, der CDU-Kreisverband Lübeck und der CDU-Ortsverband. Knapp 80 Besucher waren gekommen, um zu hören, was der 67-Jährige aus Bergisch Gladbach zu sagen hatte.

Politiker mit großer Talkshow-Erfahrung

Talkshow-erprobt ist Wolfgang Bosbach wohl wie kein Zweiter. Ob bei „Maischberger“, „Maybrit Illner“, „Markus Lanz“ oder „Anne Will“ : Kaum eine Diskussionsrunde der öffentlichen TV-Sender, zu der der Christdemokrat nicht mehrfach eingeladen wurde. Seine Omnipräsenz erreichte ihren Höhepunkt, als er – laut einer Statistik – zwischen 2012 und 2016 der Politiker war, der am häufigsten an Talkshows teilnahm. Dabei stand seine Meinung oft im Gegensatz zur CDU-geführten Bundesregierung.

Im Juni 2013 machte er seine drei Jahre zuvor erkannte Prostatakrebserkrankung öffentlich. 2017 kandidierte er nach insgesamt 23 Jahren Abgeordnetentätigkeit nicht mehr für den Bundestag. Doch so richtig still um ihn wurde es danach nicht – im Gegenteil: Zum Beispiel gastierte er in Bad Segeberg oder auf Gut Basthorst. Im September 2019 standen auf seinem Terminkalender elf Referate und Lesungen, unter anderem in Königswinter, Ravensburg, Köln, Bochum, Essen – und jetzt eben im lübschen Seebad.

„Wer den Zeitgeist heiratet, ist schnell Witwer“, sagt CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Quelle: Thomas Krohn

CDU-Politiker im Strandkorb

Gemütlich in Strandkörben sitzend, stellten gleich drei Parteifreunde die Fragen: Lübecks CDU-Kreisverbandschef Carsten Grohmann, Ortsverbandsvorsitzender Thomas Thalau und dessen Amtsvorgänger Meinhard Wichmann. Wie er es denn so verkrafte, die politische Arbeit in Berlin nicht mehr an erster Stelle zu genießen, wollte Thalau wissen. „Ab und zu würde ich mich ja noch gern ins Getümmel stürzen“, gestand Bosbach ein. Aber: „Wenn man sich einmal entschieden hat aufzuhören, sollte man nicht mehr in Berlin herumlungern.“ Seine Distanz zum Politikgeschehen sei in den letzten Jahren jedenfalls größer geworden.

Bosbach: CDU sollte nicht auf andere Parteien schielen

Was den gut gebräunten und vitalen 67-Jährigen jedoch nicht davon abhält, weiterhin seine Meinung zu aktuellen Themen kundzutun. Die CDU solle sich dort positionieren, wo sie schon immer erfolgreich gewesen sei – in der Mitte. „Wir sollten nicht auf andere Parteien schielen“, forderte Bosbach. Die Union müsse eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen und dürfe sich nicht irgendwelchen Strömungen anschließen. „Wer den Zeitgeist heiratet, ist schnell Witwer.“ Wer eine politische Überzeugung habe, sollte auch dazu stehen. Es genüge allerdings nicht, politische Ziele nur zu verkünden, sie müssten auch begründet werden.

Das hat laut Bosbach die Bundesregierung nicht gemacht, als 2015 die Flüchtlingsströme in die Bundesrepublik gelassen wurden. „Das war reines Regierungshandeln. Warum haben sich die Befürworter und Gegner im Bundestag damals nicht geäußert, nachdem das Thema in der Bevölkerung schon kontrovers diskutiert wurde?“, fragte er. Es sei richtig, dass Flüchtlinge jetzt nach einer Quote, wie von Innenminister Horst Seehofer (CSU) vorgesehen, aufgenommen werden sollen. Die Politik tue sich leider schwer, Kurskorrekturen vorzunehmen.

Maritim-Hoteldirektor Thomas Liedl (v. l.) begrüßte zum Polit-Talk Carsten Grohmann, Wolfgang Bosbach, Thomas Thalau und Meinhard Wichmann. Quelle: Thomas Krohn

Bosbach gegen politischen Extremismus

Kritisch betrachtete Bosbach den seiner Meinung nach zu milden Umgang mit linksgerichteten Aktivisten. „Wenn den Hambacher Forst oder die Rote Flora in Hamburg nicht Linksextreme, sondern Rechte besetzt hätten, wären Wald und Häuser schon lange geräumt worden.“ Jeglichem politischen Extremismus, egal ob von links oder von rechts, müssten die Demokraten entgegentreten. In Sachen AfD ist er sich sicher: „Ein großer Teil wählt sie nicht, weil er der Meinung ist, dass die bessere Politik machen, sondern aus Protest gegenüber den etablierten Parteien.“ Deshalb: „Wir müssen uns da klar abgrenzen, brauchen aber auch eine sachliche politische Auseinandersetzung.“

Nächster Termin in Grömitz

Sprach’s und verabschiedete sich später freundlich unter dem Beifall der Besucher. Der nächste Termin an der Ostsee stand bereits bevor: Am Montag ist Bosbach zu Gast in der Strandhalle in Grömitz. Beim Talk am Meer sammelt er zusammen mit Sportmoderator Ulli Potofski und Ex-Bachelor Jan Kralitschka Geld für ein Kinderhospiz. So ist das eben, wenn man Polit-Rentner ist und Wolfgang Bosbach heißt. Von Ruhestand ist da keine Rede.

Von Thomas Krohn

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