Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Gut integriert, aber ohne Zukunft?
Lokales Lübeck Gut integriert, aber ohne Zukunft?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:13 21.02.2019
Azubi Mostafa Safdari (19) ist 2015 aus Afghanistan geflohen. Jetzt wohnt er bei einer Gastfamilie in Schlutup und macht in Bliestorf eine Ausbildung zum Tischler. Quelle: Privat
Schlutup

Die Integration von Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt schreitet weiter voran. Das teilte vergangene Woche die Handwerkskammer Lübeck mit. Ende 2018 gab es im Kammerbezirk 670 Lehrlinge aus den Asylherkunftsländern Afghanistan, Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Das sind 297 mehr als ein Jahr zuvor. Einer der Menschen hinter den Zahlen ist Mostafa Safdari (19).

Mostafa Safdari (19) macht eine Tischlerlehre. Quelle: Privat

Der junge Mann kam 2015 über die Balkanroute nach Deutschland. Seine Familie stammt aus Afghanistan, gehört einer ethnischen Minderheit an. Sie flohen in den Iran, wo 1999 Mostafa geboren wurde. Doch auch dort: Unterdrückung, Not und Rechtlosigkeit. Irgendwann hielten sie es nicht mehr aus. Die Familie versuchte, Richtung Europa zu fliehen. In Mostafas Augen schimmern Tränen: „Unterwegs wurde ich von meiner Familie getrennt“, sagt der damals 16-Jährige. Bis heute hat er sie nicht wiedergesehen.

Das ist dreieinhalb Jahre her. Inzwischen spricht der junge Mann fließend Deutsch und hat bei Herbert Kozian (62) und Dominique Chastand-Kozian (56) ein Zuhause gefunden. „Ich habe ihn Anfang 2016 im Musikcafé International kennengelernt“, erzählt Kozian von dem ehrenamtlichen Flüchtlingsprojekt des Vereins Tontalente. Neben ihm sitzt Mostafa am Esstisch. Beide lächeln. Die Begegnung im Café ist für sie unvergessen. Es war diese eine Frage des jungen Geflüchteten, die Kozian so berührte: „Jetzt bin ich für eine Stunde hier, aber was ist dann?“ So viel Verzweiflung, Einsamkeit, Hoffnung lagen darin.

Sie trafen sich wieder zum Musizieren, und kurz danach besuchte Mostafa die Familie zu Hause in Schlutup. „Wir haben Kuchen gegessen“, sagt der 19-Jährige lächelnd, der damals in einer Wohngruppe der Vorwerker Diakonie untergebracht war. Ehepaar Kozian hat drei erwachsene Kinder, die bereits ausgezogen sind. Irgendwann boten sie Mostafa in Absprache mit dem Jugendamt und mit ihren Kindern ihre Gastfreundschaft an. Im Juli 2017 ist er eingezogen. In ein großes Zimmer mit eigenem Bad.

Herbert (62) und Dominique Chastand-Kozian (56) aus Schlutup haben Mostafa Safdari (19) bei sich zu Hause aufgenommen. In der Wohnküche kochen sie abends zusammen. Quelle: Cosima Künzel

Ehepaar Kozian macht kein Aufheben darum. Für die Lehrerin und den Sozialmanager im Ruhestand scheint es selbstverständlich. „Er gehört zu uns, und die Kinder sagen: Er ist unser Bruder.“ Dank Unterstützung der Familie hat er an der Emil-Possehl-Schule seinen Hauptschulabschluss gemacht. „Er war einer der Besten“, betont Kozian, der Mostafa anschließend half, einen Ausbildungsplatz in der Tischlerei Seltz in Bliestorf zu bekommen.

Viele Betriebsinhaber setzen sich für die jungen Leute ein

„Flüchtlingen die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist der beste Weg zur Integration“, sagte jüngst Christian Maack, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck und zuständig für Berufsbildung. Das regionale Handwerk habe dazu in den vergangenen drei Jahren einen großen gesellschaftlichen Beitrag geleistet. Viele Betriebsinhaber setzen sich häufig mit persönlichem Einsatz für die jungen Menschen mit Fluchthintergrund ein. Dabei hätten die Betriebe mit den Geflüchteten bisher überwiegend positive Erfahrungen gemacht, so Christian Maack weiter.

Mostafa ist im zweiten Lehrjahr zuverlässig dabei. Er steht um 5 Uhr auf, damit er per Bus um 6.45 Uhr in Bliestorf ist. In der Tischlerei arbeitet er bis 15.45 Uhr und ist gegen 18 Uhr zu Hause. Dort kocht und isst er mit der Familie zusammen, spricht mit ihnen über den Tag – und manchmal über die Zukunft. Er träumt davon, in Deutschland bleiben und als Tischler arbeiten zu können. „Aber sein Asylantrag ist abgelehnt worden, das Verfahren läuft“, sagt Kozian, „derzeit hat er nur eine Aufenthaltsgestattung, die er alle sechs Monate verlängern lassen muss.“

Cosima Künzel

Wohnen, Lifestyle, Garten: 80 Aussteller zeigen am Wochenende bei der Messe in der Kulturwerft Gollan Trends aus diesen Bereichen. Auch für spannende Unterhaltung ist gesorgt.

21.02.2019

Um den Innenstadt-Handel gegenüber den Grünen Wiese zu stärken, schlägt der Seniorenbeirat kostenlose Parkplätze rund um die Innenstadt vor. Die Geschäfte sollen dies mit einer Abgabe finanzieren. Einzelhändler und Verbände erteilen den Plänen eine Absage.

21.02.2019
Lübeck Stadt schreibt an Seehofer - Lübeck hilft Mittelmeer-Flüchtlingen

Lübeck, Kiel, Flensburg und Sylt haben sich zu sicheren Häfen erklärt und wollen Mittelmeer-Flüchtlinge aufnehmen: 40 Menschen zusätzlich zu den Geflüchteten, die ihnen von Bund und Land ohnehin zugewiesen werden. 

20.02.2019