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Lübeck Zentrum-Neubau in Buntekuh geplatzt
Lokales Lübeck Zentrum-Neubau in Buntekuh geplatzt
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20:48 01.06.2018
Hauptmieter des Einkaufszentrums an der Korvettenstraße ist Aldi. Sky zog 2014 aus und hinterließ einen Leerstand. Quelle: Fotos: Roessler, Neelsen, Kabel, Hfr
Buntekuh

„Wir haben uns nach intensiver Prüfung gegen den Abschluss eines Mietvertrages für den Einzelhandelsstandort in Lübeck-Buntekuh entschieden“, heißt es in einer E-Mail, mit der Edeka Nord auf eine LN-Anfrage antwortete. Gründe nannte die Handelskette auch auf Nachfrage nicht.

Die Pläne für einen Neubau des Einkaufszentrums Buntekuh sind vorerst gescheitert. Die Einzelhandelskette Edeka erklärte, sie werde dort nicht als Mieter einziehen. Damit bleibt in dem Komplex aus den 60er Jahren, in dem große Flächen leerstehen, auf absehbare Zeit alles beim Alten.

Das Einkaufszentrum Buntekuh ist ein Sorgenkind des Stadtteils, seit im Jahr 2014 der Sky-Markt aufgab, der dort 1500 Quadratmeter belegte. Im vergangenen Februar hatte das Unternehmen Marathon, das den Standort für den Braunschweiger Investor Detlev Hanuschk verwaltet, in den LN zum ersten Mal seine Pläne skizziert. Danach sollte das Einkaufszentrum, das im Kern aus den 60er Jahren stammt, komplett abgerissen und auf dem gleichen Gelände neu gebaut werden. Voraussetzung dafür waren langfristige Mietverträge mit Aldi und einem Vollsortiment- Einzelhändler. Nachdem Sky, das zum Rewe-Konzern gehört, und Edeka weggefallen sind, ist nicht klar, wer noch als Betreiber in Frage käme. Marathon lehnte jede Stellungnahme ab.

Langfristige Mietverträge haben drei der im Einkaufszentrum verbliebenen Geschäfte: der Aldi- Markt, die Apotheke Buntekuh und der Friseursalon Susanne’s Haarmoden. Olaf Stritzke, der zuständige Manager von Aldi Nord, nennt den Rückzug Edekas eine „sehr schlechte Nachricht“, macht aber deutlich: „Wir wollen den Standort halten.“ Er sei zwar, was den Umsatz angehe, kein Topstandort, aber „in Ordnung“. Auch Susanne Thielsen, Inhaberin des Friseursalons, will bleiben: „Wo soll ich hin?“ Die Laufkundschaft fehle seit dem Ende von Sky, aber es gebe noch immer genug Kunden.

Thilo Steiger, dessen Frau Michaela Inhaberin der Apotheke Buntekuh ist, kann nun zumindest sicher sein, dass er das 50-jährige Jubiläum des Geschäfts 2019 nicht in einem Container wird feiern müssen. Glücklich ist er aber nicht über die Nachricht. „Hier muss investiert werden“, sagt er. Die Apotheke lebe hauptsächlich von der klassischen Stammkundschaft. „Laufkundschaft würde die Sache beleben.“ Aber an Umzug denkt auch er nicht.

Nur einen befristeten Mietvertrag hat die Filiale der Bäckerei Horst, die inzwischen der Lübecker Industriereinigungs-Unternehmer Atilla Karka mit seiner Gastronomie-Kette Zweihandvoll betreibt.

Peter Schwach, Sprecher von Zweihandvoll, sagt, sein Unternehmen warte noch auf eine Antwort des Vermieters. Unabhängig davon suche Zweihandvoll nach einem weiteren Standort in Buntekuh. Außerdem werde in etwa zwei Monaten unter dem neuen Markennamen „Bread & Co.“ ein Geschäft im Gebäude des nahen Penny-Markts an der Ziegelstraße eröffnet.

Eher erleichtert ist Thorsten Scheel, Inhaber der Fahrschule Ohrt. Zwar sagt auch er: „Es wäre schön, wenn es hier ein bisschen belebter wäre.“ Aber seine größte Sorge war bisher, dass sein Geschäft beim Neubau auf der Strecke bleiben könnte. Sein Mietvertrag läuft 2019 aus. Jetzt macht er sich Hoffnungen auf einen Anschlussvertrag. „Wichtig ist vor allem, dass wir in Buntekuh bleiben können.“

Ein Rückschlag ist das Aus der Neubaupläne für Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD), die sich öffentlich für das Einkaufszentrum stark gemacht hat. Sie hält den Standort nach wie vor für attraktiv und fordert jetzt: „Dann muss man eben kleinteiliger denken.“

Stadtteil im Grünen

Buntekuh ist ein junger Stadtteil. Die Block- und Zeilenbebauung, die ihn prägt, entstand in den 60er und 70er Jahren als Siedlung im Grünen. Damals zogen vor allem junge Familien aus dem übrigen Stadtgebiet dorthin. Auch das Einkaufszentrum entstand in dieser Zeit. Es liegt an der Korvettenstraße – viele Straßennamen erinnern an alte Schiffstypen.

In das Projekt „Soziale Stadt“ steckten Bund, Land und Gemeinden zwischen 2006 und 2014 für Buntekuh 2,4 Millionen Euro. Damit wurde unter anderem die Neugestaltung des Stadtteilparks Wiesental bezahlt.

 Hanno Kabel