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Lübeck Ziegelstraße: Abriss oder Sanierung?
Lokales Lübeck Ziegelstraße: Abriss oder Sanierung?
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20:10 23.07.2018
Drei Häuser in der Ziegelstraße sind nach dem Abriss eines benachbarten Reihenhauses einsturzgefährdet.  Quelle: Holger Kröger
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Gegen 10.40 Uhr wurde die Lübecker Polizei am Sonnabend darüber informiert, dass in der Ziegelstraße eine Gefahrenstelle entstanden ist (die LN berichteten). Insgesamt besteht die zusammenhängende Häuserreihe, die nicht weit vom Ziegelteller entfernt liegt, aus vier Gebäuden. Das mittlere wurde bis auf die Grundmauern abgerissen. Eine Genehmigung hierfür soll es nicht gegeben haben. „Das ist richtig“, bestätigt Polizeisprecherin Josefine Paare gestern, „der Eigentümer wollte das Haus auch nicht abreißen, sondern sanieren. Damit hatte er eine Firma beauftragt. Eine Genehmigung brauchte er deshalb nicht.“

Doch die Grundmauern haben dem Vorhaben offenbar nicht standgehalten. Was genau passiert ist, ist bisher unklar. Fest steht nur: Die drei verbleibenden Reihenhäuser haben erheblich gelitten: „Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr und den Kräften des Technischen Hilfswerkes (THW) wurde die Objektreihe besichtigt. Dabei konnten bei den neben der Baulücke befindlichen Häusern Schäden an den Außen- und Innenwänden festgestellt werden, so dass eine alarmierte Baufachberaterin des Technischen Hilfswerkes zu der Ansicht gelangte, dass die drei neben der Baulücke befindlichen Häuser einsturzgefährdet sein könnten“, so Paare.

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Gegen 17 Uhr kamen die ersten Einsatzkräfte vom THW Gadebusch, sie sind speziell für die Gebäudesicherung geschult und haben die nötigen Mittel. „Wir haben zunächst die Bewegungen der Gebäude gemessen“, erklärt Landessprecher Michael Kaven. Bei den Messungen seien Bewegungen um wenige Millimeter festgestellt worden. „Das ist nicht viel aber schon messbar. Es wäre vielleicht nicht sofort etwas passiert, aber wir mussten dann trotzdem absichern“, so Kaven. Mit Holzbalken wurden die Giebel abgestützt und die Häuser mit einem sogenannten Sprengwerk verbunden. Bis nachts um 1.30 Uhr dauerten die Arbeiten an. Die Ziegelstraße musste während des Einsatzes zunächst stadtauswärts teilgesperrt und am Abend für drei Stunden ganz gesperrt werden. Die Bewohner der Nachbarhäuser können ihre Wohnungen nicht mehr betreten, die Polizei hat ein Verbot ausgesprochen. Ärgerlich ist der Vorfall auch für die Inhaber zweier Imbisse, die in den Häusern untergebracht sind. Sie können vorerst nicht mehr öffnen. „Jetzt ist der Eigentümer in der Pflicht, die Sicherheit der Gebäude wieder herzustellen“, so Kaven.

Noch gestern wollten Mitarbeiter von Stadt und Feuerwehr die Abrissstelle besichtigen. In der Nachbarschaft hält sich derweil noch das Gerücht, der Eigentümer, der aus Travemünde stammen soll und das Haus seit zwölf Jahren besessen haben soll, habe den Abriss ohne Genehmigung vollzogen. Auch wollen die Nachbarn beobachtet haben, dass schon vor einiger Zeit privat mit dem Abbau der Dachpfannen begonnen wurde.

Die vier Reihenhäuser werden im Volksmund auch „Langer Jammer“ genannt. Jedes der Häuschen hat nur 52 Quadratmeter Wohnfläche, auf denen früher Großfamilien ein Zuhause fanden.

Von Maike Wegner