Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der Ärger der Pendler: Minister will Zahlungen an die Bahn kürzen
Lokales Lübeck Der Ärger der Pendler: Minister will Zahlungen an die Bahn kürzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:28 27.09.2019
Zuletzt in der Kritik: Der Regionalexpress Lübeck–Hamburg, hier im Bahnhof Bad Oldesloe, erreicht oft mit Verspätungen sein Ziel. Quelle: mc
Bad Oldesloe

Stormarns Landrat Dr. Henning Görtz (CDU) reichte es jetzt. Zu oft hatte er in der jüngsten Zeit von Zugausfällen, Verspätungen und technischen Defekten auf der Bahnstrecke LübeckHamburg gehört und gelesen, so dass er sich nun persönlich an das Kieler Verkehrsministerium gewendet hat und Verbesserungen fordert. Görtz beklagt die mangelnde Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Bahnlinien, die täglich von Tausenden Pendlern nicht nur aus Stormarn benutzt werden.

Und seine Beschwerde findet Gehör beim Kieler Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP). Die Kritik sei völlig berechtigt. „Die Betriebsqualität der DB Regio entspricht derzeit leider keineswegs den vorgegebenen Zielwerten“, sagt Buchholz. So habe die Pünktlichkeit des RE 8 (Regionalexpress LübeckHamburg) zwischen Juni und August nur bei 88,4 Prozent und die des RE 80 (gleiche Strecke) nur bei 87 Prozent gelegen, beides sei deutlich unterhalb des Zielwertes von 95 Prozent. Fünf Minuten Verspätung gelten in der Statistik noch als pünktlich.

Buchholz zu den LN: „In diesem Zusammenhang werden wir die Zahlungen an die Deutsche Bahn entsprechend kürzen, um den Druck zu erhöhen.“ Im Detail werden sogenannte Malus-Zahlungen in voraussichtlich sechsstelliger Höhe fällig, die vertraglich festgelegt sind.

RB 81 pünktlicher geworden

Die Pünktlichkeit der RB 81 (Regionalbahn Bad OldesloeHamburg) lag nach Angaben des Ministeriums im gleichen Zeitraum bei 93,8 Prozent. Verglichen mit Werten von etwa 88 Prozent, wie es sie auf dieser Linie mal gab, konnte hier also die Situation bereits verbessert werden.

Verkehrsminister Buchholz hofft zudem, dass die RE-Linien durch den Einsatz neuer Lokomotiven pünktlicher und zuverlässiger werden. „Weitere Qualitätsverbesserungen erwarte ich mit Beginn des neuen Verkehrsvertrags ab Dezember 2022, in welchem zuverlässige und komfortable neue Doppelstocktriebzüge eingesetzt werden sollen“, sagt Buchholz. Außerdem sei im neuen Vertrag eine außergewöhnlich hohe zusätzliche Fahrzeugreserve vorgesehen. Zusätzlich werde es noch vor 2022 einen Probebetrieb mit den neuen Fahrzeugen geben, um einen geordneten Übergang sicherzustellen.

Bahn verspricht Verbesserungen

Auch die Bahn selbst gelobt Besserung. In den letzten Monaten habe es mehrere infrastrukturelle Störungen (Wetter, Langsamfahrstellen, Signal- und Bahnübergangsstörungen) sowie Eingriffe Dritter (Personenunfälle, Personen im Gleis) gegeben, die als Hauptursache für die nicht immer zufriedenstellende Betriebsqualität zu nennen sind, erklärt eine Bahnsprecherin auf LN-Anfrage.

Zugausfälle ärgern uns selbst sehr“, so die Sprecherin weiter, verweist jedoch auf ein bereits gelöstes Problem: Die Engpässe bei wichtigen Ersatzteilen für die Loks seitens der Lieferanten seien beseitigt. „Gleichzeitig setzen wir alles daran, die Verfügbarkeit unserer Flotte zu stabilisieren. Vereinzelt kam es auch in der Vergangenheit zu Ausfällen infolge kurzfristiger Krankmeldungen von Lokführern, die ad hoc nicht mehr vollständig kompensiert werden konnten.“

Zug fährt vor der Nase weg

Die Pendler aus Stormarn und den angrenzenden Kreisen begrüßen zwar diese Initiativen, doch Landrat Görtz warnt: „Fruchten die Verbesserungen nicht, kann sich das nicht nur zu einem Wirtschaftsfaktor entwickeln, sondern auch zu einem Problem für die Straßen.“ „Wir wollen, dass die Leute den ÖPNV nutzen. Dafür brauchen wir zuverlässige Bahnlinien.“ Sind diese unpünktlich, funktionierten auch die Bus-Anschlüsse nicht mehr. Görtz: „Das ist ein großes Ärgernis für die Menschen in Stormarn!“

Auch Stormarns Kreispräsident Hans-Werner Harmuth sieht „großen Nachholbedarf“, was die Pünktlichkeit und den Zustand der Züge angeht. „Wenn man Pech hat, ist mal wieder eine Tür defekt, und der Zug fährt einem vor der Nase weg“, sagt Harmuth und spricht sogar von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Mein Schwiegersohn arbeitet in Hamburg und muss dann pünktlich an der Kita in Bargteheide sein.“ Eine kleine Störung im Ablauf der Bahn pflanze sich über Stunden fort.

Pro Bahn fordert drittes Gleis

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt, dass der politische Druck noch mal erhöht werde. „Das Grundproblem ist, dass die Strecke völlig überlastet ist“, sagt Pressesprecher Karl-Peter Naumann aus Hamburg. „Daher brauchen wir dringend die S 4. Die schafft dann auch wieder mehr Raum für die Regionalbahn 81.“ Pro Bahn wünscht sich daher auch einen dreigleisigen Ausbau bis Bad Oldesloe, wenn die S 4 realisiert wird.

Probleme im Süden des Kreises

Landrat Görtz hat jedoch auch die S-Bahn-Linie 21 im Süden des Kreises im Visier. Auch dort gab es zuletzt heftige Debatten um das gleiche Thema. Ein Dialog mit Vertretern der Bahn im Reinbeker Rathaus brachte unlängst keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Mittlerweile gibt es eine Petition für eine bessere Taktung, die auch zum Beispiel die Stormarner Landtagsabgeordneten Martin Habersaat (SPD) und Lukas Kilian (CDU) unterstützen. Auch hier unterstützt es Verkehrsminister Buchholz, politischen und finanziellen Druck auf die Deutsche Bahn aufzubauen.

Lesen Sie dazu auch:

Bahnlärm: Abgeordnete machen Stormarn wenig Hoffnung

Trasse zum Belttunnel: Wird beim Lärmschutz gespart?

Bahnlärm: Kreis will Druck machen

Von Markus Carstens

Sonnabend steigt die 13. Lübecker Theaternacht. An vielen Stellen in der Stadt bieten 32 Ensembles ab 15 Uhr bis in die Nacht kleine Häppchen aus ihrer Arbeit. Die LN präsentieren das vollständige Programm.

27.09.2019

Um den Sanierungsstau bei Lübecks Straßen, Brücken, Gebäuden, Rad- und Fußwegen abzubauen, beschließt die Bürgerschaft einen städtischen Haushalt mit der Rekord-Investition von über 111 Millionen Euro

26.09.2019

Über 80 Fachleute aus Naturkundemuseen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz tagen drei Tage in Lübeck. Sie zählen durch die Debatte um Klima und Artensterben auf mehr Unterstützung.

26.09.2019