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Lübeck Den Fälschern auf der Spur
Lokales Lübeck Den Fälschern auf der Spur
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19:40 14.05.2019
Pharmakologe Prof. Walter Raasch von der Uni gehörte zu den Rednern in St. Petri. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

„Herrlich ist es, wie gerne wir uns verschaukeln lassen. Aber nicht immer ist es Spaß, wenn die Forschung manipulierte Ergebnisse veröffentlicht.“ Diese Feststellung von Petri-Pastor Dr. Bernd Schwarze sollte zum roten Faden des Abends werden beim zweiten Teil der Ringvorlesungsreihe „Fake Science“ der drei Lübecker Hochschulen. Es sollten zwei Stunden werden, die mit den Attributen „amüsant“, „kurzweilig“, „unterhaltsam“, aber auch „nachdenklich“ zusammenzufassen sind. Und angesichts der sehr gut gefüllten Kulturkirche bilanzierte Uni-Studentin Anna Tietjen: „Ich bin begeistert, wie viele Menschen sich für dieses wichtige Thema interessieren.“

Der Fall Marion Brach

Unter dem Titel „Der Zweck heiligt die Mittel“ lag der Fokus diesmal auf der Produktion von Täuschungen, also dem absichtlichen Fälschen von Forschungsergebnissen seitens mancher Wissenschaftler. So erinnerte Lübecks Medizin-Ethiker Prof. Cornelius Borck an den Fall Marion Brach, die als „Powerfrau der Gentherapie“ und jüngste Professorin Deutschlands 1997 einen Ruf aus Lübeck erhielt und hier Institutsleiterin werden sollte. „Allerdings stellte sich heraus, dass sie zuvor zusammen mit Krebsforscher Friedhelm Herrmann fast 100 Publikationen mit gefälschten Daten gespickt hatte“, so Borck, „waren es Konkurrenzdruck, übersteigerter Ehrgeiz oder psychische Störungen, die sie dazu verleiteten?“

Forschung und Aktiensturz

Der Pharmakologe Prof. Walter Raasch stellte die Forschung an Alzheimer-Medikamenten in das Zentrum seiner Ausführungen. „Wer von Ihnen Biogen-Aktien hat, wird den 21. März wohl nicht vergessen. Da gab es einen Kursverlust von 30 Prozent“, berichtete er. Grund: An dem Tag hatte der US-Pharmakonzern verkündet, die Studien mit dem Medikamentenkandidaten Aducanumab zu stoppen. „Das Mittel galt bisher als die größte Hoffnung in der Bekämpfung dieses Leidens“, so Raasch. Dem zugrunde liegenden Wirkmechanismus seien seit 20 Jahren weltweit tausende Wissenschaftler gefolgt. „Daher ist man keiner Fälschung aufgesessen“, folgerte Raasch. Dass in diesem Fall auch ökonomische Interessen die Forschung vorangetrieben hätten, sei evident. Deshalb plädierte er für eine stete Balance von Grundlagenforschung und klinischer Forschung.

„Alles muss veröffentlicht werden“

Apropos klinische Forschung – Uni-Studentin Anna Tietjen wies darauf hin, dass nur die Hälfte der Ergebnisse, die in klinischen Studien erzielt werden, veröffentlicht werden. „Das widerspricht meiner Ansicht nach guter wissenschaftlicher Praxis, da alles offen gelegt werden sollte. Das gilt gerade dann, wenn zum Beispiel die Wirksamkeit von Arzneien und ihre Nebenwirkungen erforscht werden“, stellte sie klar. Veranstalter Bernd Schwarze zog das Fazit: „Eitelkeit, Inkompetenz, Publikationsdruck oder fatale Verflechtungen in ökonomische Anforderungen – die möglichen Beweggründe werden wohl bleiben; aber die Sensibilität sollte geschärft werden.“

Mit „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ geht es am Montag, 17. Juni, um 19 Uhr in St. Petri auf die Zielgerade.

Michael Hollinde

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