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Lübeck Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona: Mit diesem Handzettel können Sie helfen
Lokales Lübeck Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona: Mit diesem Handzettel können Sie helfen
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15:36 17.03.2020
Katja Nowroth vom ePunkt Lübeck hat mit ihren Kolleginnen einen Handzettel für die Nachbarschaftshilfe während der Corona-Krise entworfen.
Katja Nowroth vom ePunkt Lübeck hat mit ihren Kolleginnen einen Handzettel für die Nachbarschaftshilfe während der Corona-Krise entworfen. Quelle: Fotograf Lutz Roeßler
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Lübeck

Vanessa Plath (27) hat auf dem Nachbarschafts-Portal nebenan.de ihre Hilfe angeboten. „Wenn es (...) ältere Leute gibt, die lieber nicht mehr alleine einkaufen möchten bzw. es vielleicht aufgrund von Quarantäne nicht mehr dürfen, könnte ich dies gerne für diejenigen erledigen“, schreibt sie dort. Am Telefon erklärt sie den LN: „Ich finde es im Moment wichtig, dass man auf seine Mitmenschen achtet, vor allem auf die etwas älteren.“

Hilfsangebote in sozialen Netzwerken

Auch andere haben dort und in anderen sozialen Netzwerken Hilfe angeboten. „Liebe Nachbarn, da ich nicht zur Risikogruppe gehöre und sogar die nächsten zwei Wochen frei habe, möchte ich Menschen, die wegen der Pandemie stärker betroffen sind, meine Hilfe anbieten“, schreibt eine Nutzerin auf nebenan.de. In einer lokalen Facebook-Gruppe schreibt eine Lübeckerin: „Auch ich möchte in der Coronazeit helfen und wäre bereit, auf Ihre Kleinkinder (...) aufzupassen.“ Vor allem aber geht es um die Alten, die als besonders gefährdet gelten.

Corona: Was noch auf uns zukommt

Viele Hilfsbereite melden sich bei der gemeinnützigen Freiwilligenagentur ePunkt Lübeck. „Die Telefone stehen fast nicht mehr still“, sagt die Mitarbeiterin Katja Nowroth. „Es gibt so unheimlich viele Leute, die was machen wollen.“ Bisher, so scheint es, übersteigt das Angebot die Nachfrage. Erst zwei oder drei Hilfsbedürftige, sagt Pastor Heiko von Kiedrowski am Montagnachmittag, hätten sich bisher bei seiner Kirchengemeinde St. Jürgen gemeldet. „Das dämmert allen erst ganz langsam, was da auf uns zukommt“, sagt Pastor von Kiedrowski. Seine Gemeinde hat schon vergangene Woche als erste damit begonnen, die Nachbarschafts-Einkaufshilfe systematisch zu organisieren. „Alten Leuten zu sagen: ,Ihr werdet jetzt das Haus nicht mehr verlassen, und wir werden auch nicht zu Besuch kommen – das ist nicht einfach“, sagt von Kiedrowski.

Ein Handzettel für Helfer und Hilfesuchende

So kann man Nachbarschaftshilfe organisieren: Coupon ausschneiden und verteilen - als Helfer oder Hilfesuchender. Quelle: hfr

Wie erreicht man diejenigen, die Hilfe brauchen? Darüber haben sich Katja Nowroth und ihre Kolleginnen vom ePunkt Gedanken gemacht. Sie ist selbst auf dem Online-Netzwerk nebenan.de aktiv. „Ich glaube aber nicht, dass man die, die jetzt Hilfe brauchen, über diese Plattform erreicht“, sagt sie. Deswegen hat der ePunkt einen Handzettel entworfen, mit dem jeder seine Nachbarn um Hilfe bitten oder ihnen Hilfe anbieten kann. Die LN veröffentlichen ihn digital und gedruckt. Man hinterlässt darauf seinen Namen, seine Telefonnummer und Angaben darüber, welche Hilfe man anbietet oder braucht, und wirft den Zettel in der Nachbarschaft in einen Briefkasten oder befestigt ihn an einer auffälligen Stelle.

Lübecker Nachrichten bringen Helfer zusammen

In diesen Tagen ist Solidarität gefragt – Nachbarn, Verwandte und Bekannte wollen sich in der Krise unterstützen.

Hilfsbedürftige und Mitbürger, die in diesen Tagen Hilfe anbieten können, sollen möglichst schnell zusammenfinden können. Die Lübecker Nachrichten haben deshalb auf Facebook eine Gruppe „Coronavirus: Lübecker helfen Lübeckern“ ins Leben gerufen. Wer etwa Unterstützung beim Einkaufen oder einen Fahrservice benötigt, kann sich hier melden. Menschen, die womöglich wegen der Kinderbetreuung oder einer vorsorglichen Quarantäne gerade zu Hause bleiben müssen, können hier aktiv nach Helfern suchen. Und auch Vereine, Verbände oder ehrenamtliche Initiativen können sich hier vernetzen. Die Gruppe finden Sie unter

www.facebook.com/groups/coronavirusluebeck/

ePunkt sammelt Anlaufstellen

Der ePunkt versteht sich als Vermittlung, die Freiwillige und Hilfsbedürftige zusammenbringt. Eigentlich war für Mittwoch ein Treffen der verschiedenen Lübecker Organisationen geplant, die eine gemeinsame Infrastruktur für die Corona-Hilfe aufbauen wollen. Jetzt muss es eben auch per Telefon gehen. „Wir sammeln jetzt Anlaufstellen in den Stadtteilen“, erklärt Nowroth. Sie sieht in der jetzigen Situation auch eine Chance für mehr menschliches Miteinander – trotz der fehlenden körperlichen Nähe. „Das gute, alte Telefon wird wieder an Boden gewinnen“, sagt sie voraus. „Wenn wir die Leute, die sich jetzt bei uns melden, dazu kriegen, dass sie telefonieren mit Menschen, die jetzt einsam sind, ist das eine tolle Sache.“

Dank einer älteren Frau

Auf der Plattform nebenan.de schreibt eine Frau aus Lübeck: „Einfach großartig, dass so viele Menschen ihre Hilfe anbieten. Für mich als älterer Mensch eine große Erleichterung in dieser Zeit. Danke an alle.“

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Von Hanno Kabel